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Transgender: Auf Umwegen zum eigenen Geschlecht
Aus Treffpunkt vom 11.08.2020.
abspielen. Laufzeit 56:43 Minuten.
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Cartoon-Figur als trans Held? Was Bugs Bunny für trans Menschen bedeutet

In der trans Community wird der Zeichentrickhase Bugs Bunny wegen seiner Auftritte in Frauengestalt verehrt – andere sehen die Figur kritisch.

In den 1940er-Jahren galt das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts in den USA als Verbrechen. Schon damals schlüpfte Bugs Bunny immer wieder in weibliche Rollen. Als Meerjungfrau mit Marilyn-Monroe-Frisur. Oder als Brunhilde mit grossen Brüsten und Zöpfen unter einem geflügelten Helm, eine Parodie auf Richard Wagners Walküre aus dem «Ring des Nibelungen».

Zwei Briefmarken zeigen den Comichasen Bugs Bunny in Frauen-Rollen: Als Meerjungfrau und mit grossem Busen.
Legende: «Die beste Verkleidung, mit der ich mich je aufgetakelt habe», nennt Bugs Bunny sein Meerjungfrauen-Kostüm von 1944. Bild: U.S. Postal Service

Der clevere Hase aus den Warner-Brothers-Zeichentrickfilmen ist Held der Kindheit mancher trans Menschen.

So freut sich ein Twitter-User, er habe von Bugs Bunnys genderfluidem Auftreten gelernt, dass es mehr gebe als zwei Geschlechter. Ende Juli ehrte die US-Post den Hasen zu seinem 80. Geburtstag mit zehn Briefmarken.

Trans Menschen fehlen Vorbilder

Positiv besetzte trans Rollen gibt es in der Filmgeschichte kaum. In der «Netflix»-Dokumentation, Link öffnet in einem neuen Fenster «Disclosure» erzählen trans Menschen von ihren Erfahrungen in Hollywood und der Darstellung von trans Personen.

Das Fazit: Wenn Transidente überhaupt eine Rolle spielten, dann als Witzfigur (stolpernde Männer in Stöckelschuhen) oder Killer (Buffalo Bill in «Schweigen der Lämmer»): Irritation des Kinopublikums auf Kosten von trans Menschen.

Was ist eigentlich trans?

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Trans Menschen wurde bei der Geburt ein Geschlecht zugeordnet, mit dem sie sich nicht identifizieren können. Ihre äusserlichen Geschlechtsmerkmale entsprechen nicht dem tiefen inneren Wissen über ihr Geschlecht. Nicht alle trans Menschen wollen über eine Transition ihr biologisches Geschlecht operativ angleichen. Die Geschlechtsidentität ist nicht sichtbar. Viele leiden unter der binären Geschlechterwahrnehmung, die nur Frauen und Männer unterscheidet.

Im Unterschied dazu schlüpfen «Drag Queens» oder «Drag Kings» meist nur vorübergehend in eine Rolle.

Comic als einzig positive Darstellung

Irritieren will auch Bugs Bunny. Und dennoch: «Die einzige positive Darstellung von irgendetwas trans Femininem war Bugs Bunny», erinnert sich Filmemacherin und Transgender-Aktivistin Susan Stryker in «Disclosure» an ihre Kindheit vor dem Fernseher in den 1960er-Jahren.

Auch die «Matrix»-Regisseurin Lilly Wachowski sagt in der Netflix-Serie, dass sie sich nie in Filmen wiederfinden konnte. Ausser im Zeichentrickhasen: «Da war etwas an Bugs Bunny, das in mir die Idee von Transformation weckte.»

Doch Bugs Bunnys weibliche Tarnung fliegt in den Trickfilmen stets auf. Dann wird der Cartoon-Hase gejagt und zur Lachnummer für das Publikum.

Bugs Bunny will vor allem Lacher kassieren

Stimmen aus der LGBTQ-Community finden Bugs Bunnys «Drag»-Verkörperung begehrenswert, sehen ihn als starke Frau. Eine Projektion, die Animationsfilmexperte Rolf Bächler nicht versteht: «Auch wenn er als Weibchen auftrat, war er völlig überdreht. Er will die anderen verarschen».

Von starken Frauen könne man da nicht reden, sagt der Zürcher Trickfilmmacher. Man müsse sich vergegenwärtigen, dass Bugs Bunny während des 2. Weltkriegs aufkam. Der smarte Zeichentrickhase sollte die Soldaten unterhalten.

Ist Bugs Bunny also doch kein passendes Idol für trans Menschen? Laut Laverne Cox, Produzentin der «Disclosure»-Doku, hat Hollywood der Gesellschaft mit der einseitigen Darstellung von trans Menschen beigebracht, wie sie im Alltag auf sie reagieren sollen.

In der Serie erzählt Cox, sie erlebe das selbst immer wieder: Als sie zu Beginn ihrer Transformation in die New Yorker U-Bahn steigen wollte, hätten andere Fahrgäste sie ausgelacht. Wie das Publikum Bugs Bunny.

Sendung: SRF eins, Treffpunkt, 11.8.2020, 10:03 Uhr.

SRF eins, Treffpunkt, 11.8.2020, 10:03 Uhr.;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Remo Kucera  (Remo Kucera)
    Was hat "Sich als Frau zu tarnen um den Feind zu überlisten" nun mit "Trans" zu tun bei Bugs Bunny?
    Im Kerne geht es bei so einem Gag darum, denn Verfolger als Dumm hinzustellen, weil er eine Offensichtliche Verkleidung nicht erkennt, dass ist sogar bis heute bei Scooby-Doo ein Running Gag.

    Es hat hinten und vorne nichts mit Trans in irgendeiner Form zu tun.

    Aber was red ich da, lieber man gebt ihnen Recht statt sie aufzuklären.
    Ausserdem 1A-Animatinsfilmexperte der das auch nicht weiss.
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      @Remo Kucera: Die Faszination von Bugs Bunny in der Trans-Community hängt damit zusammen, dass die Zeichentrickfigur schon in den 1940er Jahren mit anderen Geschlechterrollen spielte und damit früh eine Projektionsfläche bot, die Trans-Menschen sonst im Film nicht finden konnten. Problematisch ist allerdings das Motiv, was Sie und im Übrigen auch der Animationsexperte ansprechen. Bugs Bunny schlüpft in eine andere Hülle, um seine Verfolger auszutricksen.
    2. Antwort von Remo Kucera  (Remo Kucera)
      @SRF Kultur.

      Welches Problem? Bugs Bunny hat sich nicht nur in Frauen verkleidet sondern auch andere Tiere und Stars und damit die Verfolger als dumm verkauft...

      Das wird immer absurder mit dem "Experte"...

      Dachte, über dieses Klischee sind wir schon längst hinweg.

      Aber ja, egal wie man es dreht und wendet, wir leben in eine Gesellschaft die dir sagt, was man mögen darf und was nicht egal was man ist.

      Oder anders gesagt: "Wir geben Narzissten recht und vergiftn eine Gesellschaft."
  • Kommentar von Wolfgang Bortsch  (a2b3c4d5)
    Übrigens :
    Der Film
    "Flucht von Alcatraz"
    ist von ausgezeichneten Schauspielern ( nicht nur von
    Clint Eastwood und Patrick McGoohan ) "verwirklicht" worden , sondern auch Regie
    und alles zur "Filmerei" zugehörige beinahe "Oskar verdächtig" !
    Ein gelungenes Werk der
    "Filmschöpfung" !
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Wolfgang Bortsch  (a2b3c4d5)
    Aus dem Film "Flucht von Alkatraz":
    Wer in der Gesellschaft die
    Regeln nicht beachtet, der kommt in das Gefängnis.
    Wer im Gefängnis die Regeln nicht beachtet , der kommt zu uns !
    Filmdialog aus
    "Flucht von Alkatraz"
    Herr Dr.Max , ein kleiner Hinweis ,
    sich diesen Film sorgfältig anzusehen !
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