Cartoonist Phil Hubbe Lachen über Blinde, Gehörlose und Amputierte

Phil Hubbe zeichnet satirische Cartoons über Menschen mit Behinderung. Darf man sich über die Alltagsprobleme von Beeinträchtigten lustig machen?

Karikatur von Phil Hubbe: Beim Fussball zeigt ein Schiedsrichter einem Spieler die Rote Karte. Dieser Beschwert sich: Aber er hat doch das Bein stehen lassen. Sein Gegenspieler hat seine Beinprothese zu einer Stolperfalle umfunktioniert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Karikaturen von Phil Hubbe kennen fast keine Tabus. Phil Hubbe

Wer die Cartoons des 51-jährigen Karikaturisten Phil Hubbe aus Magdeburg betrachtet, bewegt sich auf einem schmalen Grat.

Einerseits gibt es witzige Pointen. Andererseits stellen sich Berührungsängste mit einem sensiblen Thema ein: Humor über Gehörlose, Blinde, Amputierte, Rollstuhlfahrer, MS- und Parkinson-Erkrankte.

Mit Satire die Krankheit verarbeiten

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Zur Person

Der Karikaturist Phil Hubbe arbeitet für zahlreiche Tageszeitungen und Zeitschriften. Auf seiner Webseite veröffentlicht er praktisch jeden Tag neue Karikaturen über Politik und Zeitgeschehen.

Angefangen hat der Karikaturist mit Cartoons über seine eigene Beeinträchtigung: Vor rund 30 Jahren ist seine Multiple Sklerose-Krankheit ausgebrochen.

Für die Verarbeitung zeichnete er schwarze Pointen, die auf viel Anklang stiessen. Auf ein Mal meldeten sich Selbsthilfegruppen und Vereine bei ihm und schlugen vor, dass auch ihre Behinderung in seiner Sammlung vertreten sein soll.

Phil Hubbes Arbeit wurde in seiner Laufbahn als Comiczeichner zunehmend frecher, respektloser, schwärzer. Er sagt, je schlechter es ihm persönlich gehe, umso düsterer zeichne er seine Satire.

Karikatur von Phil Hubbe: Ein Patient im Rollstuhl sagt: Ich kann wieder laufen. Er trägt jedoch eine Virtuel Reality Brille. Der Arzt findet: Na Bitte,... Funktioniert doch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hubbe zeigt Realitäten – auch virtuelle. Phil Hubbe

Zwischen Freude und Beklemmung

Bei der Betrachtung der Karikaturen haben die Einen ihre helle Freude und amüsieren sich laut. Anderen wiederum ist die Beklemmung oder sogar das Entsetzen ins Gesicht geschrieben.

Genau diese Reaktionen beabsichtigt der begnadete Comic-Zeichner: Er möchte sein Publikum zum Lachen bringen und auf die Probleme von Menschen mit Behinderung aufmerksam machen – ohne erhobenen Zeigefinger.

Gleichberechtigung weiter denken

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Ausstellungshinweis

Die Cartoons von Phil Hubbe sind unter dem Titel «Mit Behinderung ist zu rechnen» noch bis am 7. Dezember an der Fachhochschule St. Gallen zu sehen.

Phil Hubbe gesteht, dass er sich keineswegs an Behindertencomics heranwagen würde, wenn er nicht selbst von einer Krankheit betroffen wäre.

Der Künstler kritisiert, dass es keine echte Gleichberechtigung gebe. Die heutige Gesellschaft fördert beeinträchtigte Menschen mit Barrierefreiheit, Chancengleichheit, Inklusion und Gleichberechtigung.

Wenn aber Menschen mit Behinderung eine uneingeschränkte Integration fordern, sollten sie auch einverstanden sein, dass Menschen ohne Behinderung über seine Comics lachen. Das sei weiterhin eine heikle Angelegenheit, wie viele Zuschauerreaktionen zeigen.

Fast tabuloser Humor

Political Correctness und Tabus kennt Phil Hubbe in seiner Kunst nicht. Jedoch würde er ungern Behinderungen und Krankheiten thematisieren, über die er wenig weiss, wie zum Beispiel Krebs.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 1.12.2017, 16:50 Uhr.