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Gesellschaft & Religion Cricket: Ein Spiel spiegelt die britische Kolonialgeschichte

Für Kontinentaleuropäer mag Cricket ein Buch mit sieben Siegeln sein. In Grossbritannien und seinen ehemaligen Kolonien ist es ein Sport für alle. Und eine sportliche Art, ein dunkles Kapitel der Geschichte zu verarbeiten.

Silhouetten von Cricket-Spielern in der Abendsonne.
Legende: Ein Stück Commonwealth-Kultur: ein Ball, zwei Mannschaften, je elf Spieler und ein sogenanntes Wicket aus drei Stäben. Keystone
  • Cricket war ursprünglich ein Spiel für die britische Elite.
  • Heute ist Cricket in den Ländern des Commonwealth kulturell stark verankert.
  • Cricket ist auch in Filmen oder Romanen ein Thema – z.B. in der Romanreihe «Per Anhalter durch die Galaxis» oder im Bollywoodfilm «Lagaan».

Cricket ist ein einfaches Spiel: Es geht darum, möglichst viele Punkte zu gewinnen. Wie geworfen, gezählt und gewechselt wird, unterliegt einem detailreichen Regelwerk. Das Spiel und seine Regeln, Link öffnet in einem neuen Fenster muss man nicht bis ins Detail kennen, um Grossbritannien zu verstehen. Dennoch lohnt sich ein Blick auf dieses Spiel. Cricket spiegelt Grossbritannien und seine Geschichte wider.

Als Grossbritannien noch gross war

Wenn der britische Volksmund «Das ist nicht cricket» sagt, meint er «Das ist nicht fair.» Cricket gilt in Grossbritannien als Gentlemen-Sport. Ein Sport also, bei dem sich Spieler tadellos verhalten.

Sie respektieren die Regeln und zeigen eine Grösse, die Grossbritannien gebührt. Zunächst war Cricket entsprechend ein Sport für die Elite.

Am grössten war Britannien, in Quadratkilometern gesprochen, während der Kolonialisierung am Ende des viktorianischen Zeitalters und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit der Kolonialisierung trugen die Briten nicht nur die englische Sprache und die Idee der britischen Vorherrschaft in alle Welt, sondern auch Cricket.

Legende: Video «10vor10»-Serie: Die Kinder des Empires – Cricket abspielen. Laufzeit 04:34 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.06.2016.

Den Ball zurück schlagen

Oxford Historiker William Whyte stellt im Interview mit «10 vor 10» fest: «In den letzten 100 Jahren hat das Empire sozusagen zurück geschlagen.» Das meint Whyte wortwörtlich.

Denn heute schlagen auch die Menschen der ehemaligen Kolonien den Ball. Cricket ist ihr Volksport geworden. Sie haben das Spiel zu ihrer eigenen Tradition gemacht und erhalten sie am Leben.

In Indien, Pakistan, Australien und Südafrika hat Cricket einen Stellenwert wie bei uns der Fussball. Entsprechend interessiert sich das Publikum für die Spiele – und Siege – ihrer Nationalmannschaft gegen die ehemaligen Kolonialherren.

Freiheitskampf mit Tanz und Gesang

Filmausschnitt aus Lagaan: Vier Männer.
Legende: In «Lagaan» spielen die Dorfbewohner um die Steuern: Wenn sie verlieren müssen sie dreimal so viel bezahlen. Trigon Film

Bollywood hat aus einem Cricket-Spiel das Sinnbild des indischen Freiheitskampfes geschaffen. Im Erfolgsfilm «Lagaan», Link öffnet in einem neuen Fenster treten verarmte Dorfbewohnern gegen ihre Kolonialherren an, um eine Steuererleichterung zu gewinnen. Nach viel Tanz und Gesang gelingt ihnen das in einem dramatischen Spiel.

Der Film wurde in Indien und international ein grosser Erfol und für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.

Cricket statt Zeitlupen-Hülle

Die koloniale Vergangenheit Grossbritanniens wird nicht nur in den ehemaligen Kolonien mit Cricket thematisiert. Der Brite Douglas Adams verewigte in seiner Romanreihe «Per Anhalter durch die Galaxis» den Planeten Krikkit: ein Planet, der Grossbritannien nicht unähnlich ist.

Die Bewohner sind humanoid, charmant und höflich. Sie lebten ein abgeschottetes Leben, bis sie entdeckten, dass sie nicht alleine im Universum sind. Dann entwickelten sie «kosmozidale» Tendenzen. Das Universum musste vor ihrer Zerstörungskraft beschützt werden. Krikkit wurde in eine «Zeitlupen-Hülle» verbannt.

Für die Kolonien der realen Welt gab es keine «Zeitlupen-Hülle». Es war ein langer Prozess, der in vielen Ländern bis heute andauert.

Cricket-Fun-Facts

  1. Ja, die gibt's.
  2. Alles ist reguliert, auch Tee- und Mittagspausen.
  3. Offizielle Länderspiele können mehrere Tage dauern.
  4. Es gibt ein Cricket-Musikal komponiert von Andrew Lloyd Webber.

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