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«Das Universum braucht den Menschen nicht»
Aus Sternstunde Religion vom 16.06.2019.
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Das All und wir Nur ein Augenzwinkern in der Ewigkeit

Kathrin Altwegg hat als Weltraumforscherin über Jahrzehnte das All erforscht. Dabei wurde ihr die Vergänglichkeit aller Dinge deutlich bewusst – auch ganz speziell die eigene.

Kathrin Altwegg

Kathrin Altwegg

Astrophysikerin

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Kathrin Altwegg ist Astrophysikerin und Professorin an der Universität Bern. Sie war Leiterin des Teams, welches das Rosina-Massenspektrometer konstruierte. An Bord der Raumsonde Rosetta lieferte das Gerät Daten über den Schweif des Kometen 67P/Churyumov–Gerasimenko.

SRF: Als Weltraumforscherin hatten Sie mit der annähernden Unendlichkeit des Alls zu tun. Was hat das in Ihnen ausgelöst, ständig Ihre eigene Winzigkeit vor Augen geführt zu bekommen?

Kathrin Altwegg: Als ich das zu Beginn realisierte, wurde ich wütend. Ich bin ja auch jemand. Und ich bin auch wichtig, zumindest für mich! Irgendwann aber habe ich begriffen, dass ich ein Teil von alldem bin.

Ein kleines Steinchen zwar. Ein Augenzwinkern in der Ewigkeit. Aber das ist der Lauf der Natur, etwas wird, ist und vergeht. Das gilt für Menschen genauso wie für Sterne.

Was bedeutet der Mensch eigentlich im Kosmos?

Es ist klar: Das Universum braucht uns nicht. Aber wir sind einzigartig, weil wir die einzigen Lebewesen sind, die über unseren Ursprung nachdenken können. Das ist phantastisch.

Wenn man bedenkt, dass unser Ursprung im Urknall beginnt, mit den ersten Atomen ging es weiter via Sterne zum Sonnensystem und zur Erde – bis schliesslich wir hervorgebracht wurden. Die Fähigkeit dies nachzuvollziehen, das finde ich schlicht grossartig.

Eine Frau im Porträt.
Legende: 1970 nahm sie als einzige Frau ihres Jahrganges das Studium der Physik an der Universität Basel auf: Astrophysikerin Kathrin Altwegg. Keystone/PETER SCHNEIDER

Sind wir Menschen ein Wunder?

Auf jeden Fall, und ich bin nicht sicher, ob es dies noch einmal gibt im Universum.

Der Mensch besteht ja angeblich aus 97 Prozent Sternenstaub. Sind wir also rezyklierte Sterne?

Im Grunde ja. Alles Material, was in uns ist, war einmal in einem Stern. Aber die Zusammensetzung ist ziemlich komplex.

Der Mensch hat durch die Mondlandung seinen Heimatplaneten neu entdeckt. Wie haben Sie damals dieses Ereignis wahrgenommen?

Im Sommer 1969 war ich noch ein Teenager und per Zufall in den USA. In einem Land also, in dem ich nicht einmal die Sprache sprechen konnte.

Die Wissenschaft kann Fragen nach dem «Wie» beantworten. Jedoch nie die Frage nach dem «Warum».

Zwar war die Aufregung dort vor Ort wahnsinnig gross. Aber ehrlich gesagt hatte ich damals als 17-Jährige ganz anderes im Kopf – der Mond gehörte nicht zu meinen primären Interessen.

Der Mond als Trabant hat ja eine klare Verwandtschaft mit unserem Planeten.

Ja, so viel wir heute wissen, war der Mond ein Teil der Erde. Zu Beginn als das Planetensystem gebildet wurde, prallte ein Planet von der Grösse des Mars in die Protoerde. Daraus ist letztlich der Mond entstanden.

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Kathrin Altwegg
Aus Aeschbacher vom 07.01.2016.
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Das Material des Mondes entspricht dem Material des Erdmantels. Das konnte man durch die Untersuchung von Mondgestein relativ gut beweisen.

Schliessen sich für Sie Glauben und Wissenschaft eigentlich aus?

Auf keinen Fall. Aus meiner Sicht fragt die Wissenschaft nach dem «Wie», also wie ging der Urknall vor sich, wie sind Sterne entstanden und so weiter.

Sie kann jedoch nie die Frage nach dem «Warum» beantworten. Aber genau diese Frage treibt uns Menschen doch so stark um. Hier kommen meines Erachtens die Philosophie und die Theologie ins Spiel. Erst diese Disziplinen befassen sich mit dieser sehr viel schwierigeren Frage.

Das Gespräch führte Olivia Röllin.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Beck  (Tipianer)
    Die Frage nach dem Warum stellt sich nicht oder ist beantwortet, wenn davon ausgegangen wird das Raum und Zeit unendlich ist, ohne Anfang und Ende.
    Es liegt in der Natur des Seins das Wechselspiel der Gegensätze zu leben. Grenzen die für uns Menschen allgegenwertig sind, gibt es für die Natur des Seins nicht.
    Wir suchen nach dem mysteriösem über uns Stehendem (Gott), aber sehen es nicht, dass es alleine die Natur ist die unbegrenzt ist.
    Wir können die Natur nicht zerstören, sonder sie uns.
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    1. Antwort von Olivier Wetli  ("nicht von dieser Welt")
      Sie selber setzen anfangs ihre persönliche Prämisse und schon deshalb kann ihre Philosophie nie aufgehen, schon gar nicht wenn sie am Ende ihrer kurzen Ausführung nochmals ein eigens Fixum zu setzen.
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  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Was wäre das Universum ohne uns frage ich einmal in diesem Zusammenhang ? NICHTS ! Denn ohne uns gäbe es das Universum gar nicht-es wäre nicht das was wir sehen und darüber denken können-also wurden wir von der Schöpfung geschaffen damit wir dieses gewaltige Werk sehen und benützen können in alle Ewigkeit uns seiner bedienen und in der Folge ein Paradies erschaffen können. Ist das nicht eine grandiose Vision für die gesamte Menschheit ? Das ist der einzige Sinn des Lebens .
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    1. Antwort von M. Kaiser  (Klarsicht)
      Zur Geburtsstunde der Schöpfung-wenn man so will, mit dem Urknall im Universum, begann die Evolution des Menschen und nicht erst vor X- Mio Jahren, ohne den Menschen ist das ganze Universum sinnlos und von keinem Geist getragen, wir haben die Unendlichkeit unserer evolutionären Entwicklung noch vor uns . Wir dürfen irren und scheitern im Suchen nach dem optimalen Leben, denn Zeit spielt keine Rolle in der Unendlichkeit, vermutlich auch nicht die Einzigen in den Galaxien des Universum.
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    2. Antwort von Olivier Wetli  ("nicht von dieser Welt")
      @Klarsicht: Wir sind nicht von der Schöpfung geschaffen, ein Zirkelschluss. Der Schöpfer hat uns und die für uns unendlich gross aussehende Schöpfung erschaffen an der wir uns erfreuen und Gottes Wirkung sehen. Dazu brauchte ER genau 6 Tage. Kurz darauf hat der Mensch dieses Wunderbare völlig ins Nichtige verkehrt durch seinen ungehorsamen Eigenwillen. Das Grandiose das geblieben ist, ist die dem Menschen angebotene Gnade des persönlichen Schöpfergottes. Ihr Triumph ist am Kreuz zu sehen.
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    3. Antwort von M. Kaiser  (Klarsicht)
      An alle Ablehner und an Herrn "nicht von dieser Welt"

      DIE SCHÖPFUNG = GOTT ( ein Lehnwort für alles was wir je nicht verstehen werden ) Sagte doch Einstein schon -ich glaube nicht dass Gott gewürfelt hat - als man ihn nach der Unendlichkeit des Universum fragte . An einem anderen Zeitpunkt sagte er zur Unendlichkeit - dass die Dummheit unendlich ist , da bin ich mir sicher, beim Universum nicht.
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