Das dunkle Geschäft mit dem weissen Pulver

«Blicke auf das Kokain und du wirst das Pulver sehen, blicke durch das Kokain und du wirst die Welt sehen»: Der italienische Autor Roberto Saviano analysiert in seinem neuen Buch «ZeroZeroZero» den Kokainhandel – eine detaillierte Analyse mit spektakulären Geschichten.

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Bildlegende: Autor Roberto Saviana ist konstant auf der Flucht vor der Mafia: Er wechselt mehrmals wöchentlich seinen Aufenthaltsort. Keystone

Roberto Saviano kennt sich aus mit den heissen Eisen unserer Zeit. Der neapolitanische Schriftsteller und Journalist hat vor mittlerweile acht Jahren mit seinem Bestseller «Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra» die Mafia-Welt demaskiert.

In seinem neuen Buch «ZeroZeroZero» macht er nun die geheimen Produktionswege und die Schmuggler-Routen publik und kommt zum Schluss: Zöge man dem internationalen Kokain-Geschäft den Stecker, käme der Globalisierungs-Motor ziemlich ins Stocken. 85 Milliarden Dollar Umsatz macht die Kokain-Industrie jedes Jahr und dieses Kapital destabilisiere heute ganze Wirtschafts-Systeme, schreibt Saviano.

Kokain heisst Krieg und Tod

Sein Mafia-Buch machte ihn zum literarischen Superstar. Das spürt man als Leser: Für die Kokain-Recherche investierte er fünf Jahre und hatte Zugang zu Insidern, an die er ohne seine Bekanntheit nie herangekommen wäre. Beeindruckend, wie ihm ein Augenzeuge auf einer Parkbank in New York von einem Treffen der obersten Drogen-Bosse erzählt. Dort werden Nachwuchs-Dealer mit den wichtigsten Regeln des Kokain-Geschäfts bekannt gemacht:

«Mit Regeln aus Fleisch und Blut könnt ihr Berge bezwingen. Wenn ihr schwach werdet, wenn ihr Fehler macht, dann seid ihr am Arsch, wenn ihr eure Sache gut macht, werdet ihr belohnt. Wenn ihr euch auf die falschen Partner einlässt, seid ihr am Arsch. Wenn ihr euch auf den falschen Krieg einlässt, seid ihr am Arsch. Wenn ihr eure Macht nicht zu erhalten wisst, seid ihr am Arsch. Aber diese Kriege sind legitim – allowed.»

Ein Leben in absoluter Anonymität

Krimiautor Michael Herzig: «An Kokain klebt viel Elend und Blut»

0:32 min, vom 23.2.2014

Man lernt: Kokain heisst Krieg und Tod. Der Krimi-Autor und Sucht-Experte Michael Herzig erklärt, dass den heutigen Kokain-Konsumenten das Bewusstsein fehle, wie viele Menschen für die Droge ihr Leben lassen müssen.

Mit «ZeroZeroZero» schreibt Roberto Saviano wieder gegen das organisierte Verbrechen an. Für seinen couragierten Kampf zahlt er einen hohen Preis. Wegen andauernder Morddrohungen muss er mehrmals wöchentlich seinen Aufenthaltsort wechseln. Der Autor lebt in absoluter Anonymität und wird ständig von seinen Leibwächtern beschützt. Seiner Eskorte widmet er übrigens auch sein Buch: «Für die 38'000 gemeinsam verbrachten Stunden.»

Süchtig nach spektakulären Geschichten

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Buchhinweis

Roberto Saviano: «ZeroZeroZero: Wie Kokain die Welt beherrscht.» Hanser, 2014.

Roberto Saviano scheint selbst süchtig zu sein – nach den spektakulären Geschichten rund um das Kokain. Teilweise wähnt man sich eher bei der Lektüre eines Drehbuchs für einen überzeichneten Hollywood-Action-Thriller. Savianos genaue und zahlreiche Beschreibungen der Folter- und Tötungsmethoden, welche die Drogen-Barone für Verräter und Überläufer bereithalten, verlieren in der Aufzählung ihre Kraft.

Dafür liefert er mit seinem Buch eine detaillierte Analyse, wie das Kokain in Mexiko und Kolumbien produziert wird und über diverse Zwischenhändler in die USA und nach Europa gelangt. In Südamerika ist die Ware 1500 Dollar wert. Nachdem das Kokain gestreckt wurde, kaufen die Konsumenten den Stoff zum Beispiel auf der Strasse in Italien. Da ist das Koks dann 270'000 Dollar wert.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Roberto Saviano: Kokain beherrscht die Welt

    Aus Kulturplatz vom 19.2.2014

    Würde man dem Kokainhandel den Stecker herausziehen, dann stürzte die Weltwirtschaft ein. So lautet die These von Roberto Saviano, der durch seinen Bestseller «Gomorrha» über die italienische Mafia berühmt wurde. Der Journalist beschreibt in seinem neuen Buch «ZeroZeroZero» den globalen Goldrausch um das Kokain, der jährlich 85 Milliarden Dollar generiert – und unzählige Tote. Kokain steht aber nicht nur für ein System der Schattenwirtschaft, sondern spiegelt auch eine Gesellschaft, in der Leistung, Ego und permanentes Glück zur Grundausstattung gehören.

    Nino Gadient