Das Freibad – ein einzigartiges Kulturgut

Die Badekultur in der Schweiz blickt auf eine lange Tradition zurück. Vor allem die urbanen Freibäder sind von besonderem Reiz: Etliche der Badeanstalten wurden von damals erfolgreichen Schweizer Architekten geschaffen. Ein Bildband des Schweizer Heimatschutzes zeigt die schönsten davon.

Die Schweizer Badekultur bietet eine ganz eigene Besonderheit: Das Freibad an natürlichen Gewässern. Diese Oasen der Erfrischung und des freizeitlichen Zusammentreffens befinden sich mitten in der Stadt. Meistens als See- oder Flussbad, was in anderen Städten Europas wegen der Verschmutzung undenkbar wäre.

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Buchhinweis

«Die schönsten Bäder der Schweiz». Schweizer Heimatschutz, Mai 2012

Lange Tradition

Viele von den See- oder Flussbädern sind schon über hundert Jahre alt. Da die meisten Wohnungen damals noch keine Badezimmer hatten, baute man die Freibäder in der Nähe von Wohnquartieren, damit sich die Menschen dort waschen konnten. Erst mit der Zeit wurden die hölzernen Kastenbäder immer mehr zu Freizeitstätten umfunktioniert. Doch trotz dieser ständigen Renovation haben sie bis heute nichts von ihrem Charme verloren.

Dieser Charme ist aber nicht nur durch das hohe Alter der Freibäder begründet. In vielen Fällen sind anerkannte und erfolgreiche Architekten für diese besondere Atmosphäre verantwortlich. In einem Fall sogar ein Dichter: Max Frisch erschuf das Freibad Letzigraben in Zürich, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete.

Video «Eröffnung des Freibads Letzigraben von Max Frisch» abspielen

Eröffnung des Freibads Letzigraben, Juli 1949

1:10 min, vom 31.5.2013

Regeln und Geheimtipps

Mit der Zeit hat sich in der Schweiz eine eigenständige Badekultur entwickelt, welche die regionalen Bräuche von Generation zu Generation weitergibt. Als Aussenstehender muss man die Tipps und Tricks erst mal beigebracht bekommen, denn sonst kann ein schneller Fluss oder ein breiter See schon mal gefährlich werden. Deshalb empfiehlt es sich, die vielen Freibäder in den verschiedenen Landesteilen der Schweiz immer mit einem Ortskundigen zu erkundigen.

Der beste Berater, den man sich wünschen kann, wäre wohl der Schweizer Heimatschutz. Die zweite, vollständig überarbeitete Auflage des Büchleins «Die schönsten Bäder der Schweiz» ist letztes Jahr erschienen und bietet die beste Übersicht, wenn es um Orte der Badekultur in der Schweiz geht. Ein Tipp für jeden Badebegeisterten.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Baden – ein helvetisches Grundrecht

    Aus Kulturplatz vom 29.5.2013

    Im Sommer geht die Schweiz baden. Ob in Fluss oder See, im historischen Bad oder im modernen Badetempel: Die Badekultur, ursprünglich entstanden aus hygienischer Notwendigkeit, bewegt sich hierzulande auf höchstem Niveau - fast so, als habe jeder Schweizer und jede Schweizerin eine Art Grundrecht, innerhalb kürzester Zeit eine Badegelegenheit zu erreichen. Egal ob morgens vor dem Büro, mittags kurz dazwischen oder nach Feierabend: Die Dichte an Badegelegenheiten ist hoch.