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Gesellschaft & Religion Das gibt’s ja nicht! Warum Strassenkarten uns zum Narren halten

Navigationsgeräte sind praktisch, aber nicht ohne Tücken. Fährt ein Autofahrer seinen Wagen gegen eine Wand, liegt das nicht zwingend an seiner Dummheit. Schuld sein können auch Fehler der vom GPS verwendeten Landkarten. Das Perfide daran: Manche dieser Fehler sind gewollt.

Zwei Menschen sitzen in einem Wagen, der rechts zeigt mit dem Finger, wo's lang geht.
Legende: Hier lang? Um Dieben das Handwerk zu legen, bauen Kartenmacher Plagiatsfallen auf ihren Karten ein. Keystone

Eine Landkarte zu zeichnen ist eine mühselige Angelegenheit. Umso ärgerlicher ist es, wenn die Konkurrenz die Daten einer solchen Karte klaut und sie für eine eigene Karte verwendet.

Um solchen Dieben auf die Schliche zu kommen, bauen raffinierte Kartenmacher Plagiatsfallen in ihren Karte ein. Sie zeichnen zum Beispiel an unauffälliger Stelle eine Strasse ein, die gar nicht existiert. «Trap Street» heisst das auf Englisch, übersetzt: «Fallen-Strasse». Taucht eine solche Strasse bei der Konkurrenz auf, ist der Dieb enttarnt.

Gegen die Wand

Auf einer Karte vom englischen Bristol etwa gibt es die «Lye Close, Link öffnet in einem neuen Fenster». Das heisst auf Deutsch so viel wie «Lügen-Gasse». Ein sinniger Name, denn wer in diese Gasse einbiegen will, fährt gegen eine Hausmauer. Denn die Lye Close existiert nur auf der Karte.

Manchmal sind es nicht nur Strassen, sondern ganze Ortschaften, die auf eine Karte geschmuggelt werden. Einen solchen Ort entdeckte 2009 Roy Bayfield von der englischen Universität Edge Hill. Auf Google Maps fand er rund 15 Kilometer nördlich von Liverpool die Ortschaft Argleton, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Obwohl er die Gegend kannte, hatte er noch nie etwas davon gehört. Die Vorstellung, einen nicht existierenden Ort zu besuchen faszinierte ihn so sehr, dass er sich nach Argleton aufmachte. Und er fand: nichts als einen grünen, leeren Acker, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Geisterstadt mit Kultstatus

Von Google war damals nur zu erfahren, dass mitunter ein Fehler passieren könne. Viele Internetnutzer waren anderer Meinung. Wenn man die Buchstaben von Argleton umstellt, ergeben sich nämlich die Wörter «Not real, G.», was so viel heisst wie «nicht real» und dann ein «G» für Google.

Ob Scherz, Fehler oder Plagiatsfalle: Argleton hat heute fast Kultstatus. Der Ort existiert auf Google Maps, Link öffnet in einem neuen Fenster noch immer – mit dem Zusatz «Geisterstadt».

13 Kommentare

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  • Kommentar von Patric Huber, Riehen
    Egal welche Karte, bedenklich ist doch das ob all der Technik gleich das ganze Hirn ausgeschaltet wird... Am fragwürdigsten sind die welche ein riesen Navi genau ins Sichtfeld saugnäpfeln... mitten in die Windschutzscheibe und jene die noch in ihrem Wohnort wo sie seit 40 Jahren wohnen das Navi brauchen....
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  • Kommentar von Margrit Burkard-Wunderli, Ste.Catherine de la Jacques Cartier Québec Kanada
    Wir wohnen seit neun Jahren in Kanada und buchten abseits vom Trubel ein Blockhaushotel. Der Navi loste uns mehr als 30 Min. völlig falsch. Die gepflegte Strasse, jedoch ohne Licht hörte im Wald einfach auf. Rehe und Hirsche waren auf der Strasse und nur noch der Bär fehlte. Keine Beschilderungen-- nichts--! Diese sagte nur, ZIEL auf der rechten Seite. Es war dunkel und ich hatte Schiss!!! und das in Kanada, mutterseelenallein!
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Ach kommen Sie, Canada = Natur pur! Da fühle ich mich sicherer als unter falschen Menschen.
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    2. Antwort von Peter Hartmann, 8400 Winterthur
      How beautiful-once in a lifetime something unplanned..isn't that exciting?? Greets from a lad who lived many years in YVR
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Und wer ist der Schuldige wenn in Luzern wieder einmal ein Tourist mit dem Auto und Navi die Ratshaustreppe runter fährt? Der Konkurrenzgedanke der Kartenanbieter wirkt auf mich kleinlich. Das ist wie wenn verschieden private Anbieter ein Grundbuchamt führen würden und je nach dem wer anders der Immobilieninhaber ist und der Hausbesitzer defacto enteignet wurde (vielleicht wird dies mit den Privatisierungswahn eines der Fall sein). Jeder Staat sollte die Navi-Daten durch das Vermessungsamt ...
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      ...bzw. Landestopo selber erstellen und allen gratis zur Verfügung stellen. Nur so lässt sich m.E. die Qualität und vor allem Aktualität sicherstellen wenn die Informationen direkt von den Quellen kommen.
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    2. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Zumal die Updatefunktion bei älteren Navis nicht wirklich funktioniert. Habe zur Zeit ein älteres Navi bei dem trotz erfolgreichem Kartenupdate von Spanien und Portugal diese wohl aus den 90ern stammt und einige Strasse nicht mehr existieren oder Fahrverbot herrscht und die neuen fehlen. Da ist Fahren nach Navi gleichzu setzen mit einem Abenteuer so dass man besser dieses abschaltet.
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    3. Antwort von Namor Loser, Embrach
      Hoffentlich finden Sie die Strasse nach Torny!
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