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Legende: Audio Fromm und sexy abspielen. Laufzeit 26:37 Minuten.
26:37 min, aus Perspektiven vom 10.02.2019.
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Das Kreuz mit der Lust Braucht die Kirche eine sexuelle Revolution?

Der Umgang der Kirche mit dem Thema Sex muss sich ändern, finden eine Sexologin und eine Theologin.

Sie ist zu einer Art Aufklärerin in der frommen Szene geworden: Veronika Schmidt. Die Sexologin aus Schaffhausen hat mit ihren Büchern «Liebeslust» und «Alltagslust» einen Nerv getroffen. Über 10’000 Exemplare hat sie vom ersten verkauft. Ihre Workshops, die sie in Freikirchen hält, sind ausgebucht.

«In der christlichen Lebenswelt bestimmt eine grosse Sprachlosigkeit das Thema», sagt Schmidt. «Diese möchte ich aufbrechen.»

Viele Tabus

Für die Sexologin ist klar, woher das Bedürfnis in den Freikirchen kommt, über Sex zu reden: «Weil es dort viele junge Menschen gibt. Und für die ist Sex einfach ein grosses Thema.»

Meistens ginge es in Jugendstunden oder Predigten ums Verdrängen der Sexualität, darum, bis zur Ehe zu warten. «Sexualität wird überhöht und gleichzeitig sind die jungen Menschen kaum informiert. Diese Verbotskultur führt dann zu Frust in den Ehebetten.»

Das will Veronika Schmidt ändern. Ihre Mission: Zeigen, dass Sexualität erlernt werden kann. Die Lust auf Lust wecken. Mit ganz praktischen Tipps. Veronika Schmidt ermutigt besonders Frauen dazu, ihren Körper kennen zu lernen und sich selbst zu befriedigen.

Damit bricht sie ein Tabu in frommen Kreisen. «Von den negativen Reaktionen her ist das ein noch grösseres Tabu als Sex vor der Ehe», sagt sie. Aber bei anderen Themen spüre sie viel Rückenwind für ihren Ansatz.

Selbstverantwortung statt Moral

Vielleicht ist die Zeit reif für eine zweite sexuelle Revolution und zwar in der religiösen Welt. Die bekannte US-amerikanische Pastorin Nadia Bolz-Weber hat gerade «Shameless - A Sexual Reformation» veröffentlicht.

Der Film «#Female Pleasure», der kürzlich bei uns in den Kinos lief, zielt in eine ähnliche Richtung.

Veronika Schmidt sieht einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Entdecken lustvoller Sexualität und einer befreiten Persönlichkeit. «In der Beratung ist es schön zu sehen, was bei Frauen entsteht, die ihre Sexualität anders leben. Sie bekommen mehr Selbstsicherheit, Lebenswünsche werden wach, sie positionieren sich im Leben.»

«Wir müssen Sexualethik tatsächlich neu erfinden», sagt sie: «Sie darf nicht auf Moral beruhen, sondern muss auf Selbstverantwortung basieren.»

Nackte, ineinander verschlungene Beine und Arme.
Legende: Neue Perspektiven sind gefordert: Veronika Schmidt wünscht sich eine neue Sexualethik. photocase / Jo.Sephine

Monogamie hinterfragen

Verantwortung ist auch für die Theologie-Professorin Andrea Bieler ein zentraler Begriff. Die evangelische Theologin befasst sich mit Fragen nach gelebter Sexualität. «Ganz wunderbar» fände sie, wenn die Kirche einen Raum böte, in dem sich Menschen verschiedenster Identitäten austauschen und voneinander lernen könnten. Einen Ort, wo nicht wertend über Sexualität gesprochen wird.

Auf die Frage, ob die Theologie sich zu Sexualität äussern sollte, sagt sie: «Das tut Kirche seit Jahrhunderten! Aber leider mit dem Fokus, was erlaubt ist und was nicht.» Kriterien sollten stattdessen der Respekt vor der Einzigartigkeit des Gegenübers sein, Freiwilligkeit und Konsens, gleiche Verwirklichungschancen für beide.

Insgesamt plädiert sie dafür, das Denken in Schubladen kritisch zu hinterfragen. Sie stellt zum Beispiel infrage, dass die Monogamie in der christlichen Lebenswelt als die einzig wahre Lebensform dargestellt wird. Damit weitet sie die Grenzen des theologischen Diskurses gewaltig - ebenso wie Veronika Schmidt in evangelikalen Kreisen.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Es gibt mittlerweile viele die ihren Erfolg primär darauf aufzubauen versuchen alles zu hinterfragen. Nötig hätten wir jedoch vermehrt Leute die Lösungen anzubieten haben.
    Zu den Letzteren gehört Fr. Schmidt leider nicht.
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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    Ich find das Symbolbild mit 'Adam und Eva' genial. Es war wohl eher die 'linke Frucht', die die 'Schlange' verführt hat. Durch die Entdeckung der Sexualität, des Dualitätsprinzips (Yin Yang) geht das Paradies (Nirvana) verloren. Wir können Ja sagen zum physichen Dasein, verlieren dabei aber die 'Unschuld'. Oder wir können Enthaltsamkeit leben, um dem ewigen Dasein in der Physis zu entrinnen. Wer ein Priesteramt ausüben will, sollte sich dies aber gründlich überlegen. 5-er UND Weggli geht nicht.
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  • Kommentar von Bruno Vogt  (bru.vogt)
    "Sie stellt zum Beispiel infrage, dass die Monogamie in der christlichen Lebenswelt als die einzig wahre Lebensform dargestellt wird." Vielleicht müsste diese 'Theologin' noch einmal über die Bücher um zu lesen was genau im neuen Testament zum Thema Ehe steht. Ich denke man braucht nicht einmal studiert zu sein, um zu merken das Monogamie zentral ist in der christlichen Lehre! Natürlich wird das im heutigen Relativismus alles gerne aufgeweicht und individuell zurechtgelegt, Dogma ist anathema.
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