Zum Inhalt springen

Header

Audio
Iran und die USA – Geschichte einer zerrütteten Liebe
Aus Kontext vom 19.01.2020.
abspielen. Laufzeit 52:56 Minuten.
Inhalt

Der Blick zurück Der Iran und die USA: Geschichte einer Zerrüttung

Der Konflikt zwischen den USA und Iran ist unter Donald Trump erneut eskaliert. Oft wird die islamische Revolution 1979 als Beginn des «Beziehungsdramas» markiert. Doch die Spannungen begannen viel früher. Ein zentrale Figur dabei: ein kauziger, iranischer Premier.

Mohammad Mossadegh, der iranische Premierminister von 1951 bis 53, passt in keine Schublade: Er kam aus feudalen Verhältnissen – und war gegen den König.

Er wollte mehr Macht fürs Volk – war aber kein Kommunist. Er war Hypochonder und Choleriker: Westliche Staatschefs empfing er gerne im Bett liegend und im Pyjama.

Iranisches Öl den Iranern

Mossadegh wollte vor allem eins: die iranische Öl-Industrie verstaatlichen. Das schwarze Gold hatten 1908 die Briten entdeckt und sich die Rechte zur Ausbeutung gleich gesichert.

Video
Iran versus USA: Die ewigen Erzfeinde
Aus Forward vom 22.01.2020.
abspielen

Klarer Verlierer: das iranische Volk. Das hatte sowieso wenig zu sagen. Es gab zwar ein Parlament, aber anfangs der 50er-Jahre herrschte in Iran der Shah. Gelenkt wurde der Shah von den Briten.

Und dann kam 1951 Premier Mohammad Mossadegh und forderte: Nicht die Briten sollten am iranischen Öl verdienen, sondern die Iraner.

Sympathie in den USA

Die Briten setzten alle Hebel in Bewegung, um das Vorhaben zu stoppen. Vor allem versuchten sie, die US-Regierung auf ihre Seite zu ziehen. Doch US-Präsident Harry Truman hatte Sympathien für den iranischen Premier und dessen Unabhängigkeitsbewegung. Truman half, wo er konnte – auch finanziell.

Ein Kioskhäuschen brennt mitten auf einer Strasse.
Legende: August, 1953: Pro-Shah-Demonstranten, die gegen die Regierung unter Premier Mossadegh auf Teherans Strassen gingen, setzen ein Zeitungshäuschen in Brand. Keystone / AP

Vom kauzigen Kämpfer zum Irren von Teheran

Die Briten blockierten daraufhin den Persischen Golf: Iran konnte sein Öl nicht mehr exportieren. Überhaupt war das mit der selbstständigen Öl-Förderung so eine Sache. Die Briten waren weg, aber mit ihnen auch das Know-how. Die Folgen: Die Einnahmen brachen weg, Irans Wirtschaft stürzte ab.

Auch weltpolitisch verschoben sich die Kräfte: 1953 wurde in den USA mit Dwight Eisenhower ein Konservativer Präsident. Eisenhowers Angst: Die Sowjetunion könnte über Iran ihren Einfluss ausbreiten.

Mit dem neuen US-Präsidenten änderte sich im Westen das Bild des iranischen Premiers: Hatten US-Medien Mossadegh Ende 1951 noch zum «Man of the Year» gekürt, wurde er nun als «Der Irre von Teheran» bezeichnet.

Wie man einen Putsch organisiert

Bald schickte die US-Regierung Geld und Agenten nach Teheran. Der Auftrag: Mohammad Mossadegh zu stürzen. Zuerst machte die CIA Druck auf den Shah und das Militär, den Premier zu entlassen. Die lokale Presse erhielt Geld für regierungskritische Artikel.

Eine Aufnahme von Mossadegh im Gericht.
Legende: Mossadegh wurde 1953 vom Militärtribunal zum Tode verurteilt. Durch eine Intervention des Schahs wurde die Strafe auf einen Hausarrest reduziert. Keystone / PHOTOPRESS-ARCHIV

Demonstranten, die wegen der Wirtschaftsmisere auf die Strasse gingen, wurden unterstützt – auch mit Geld. Bezahlte Schläger zogen durch die Strassen. Das Ziel waren unsichere Verhältnisse, die signalisierten: Die Regierung unter Mossadegh hat nichts im Griff.

Ur-Sünde im amerikanisch-iranischen Verhältnis

Das Kalkül ging auf: Mossadegh wurde gestürzt, das Parlament aufgelöst, die Öl-Industrie privatisiert. 25 Jahre lang herrschte der Shah, finanziert von den USA.

Kurzfristig profitierte der Westen, langfristig nicht: In Iran wuchs der Hass auf den Shah und die USA, die Religiösen radikalisierten sich. Die islamische Revolution 1979 ist auch eine Folge des Putschs von 1953.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Manuel Pestalozzi  (M. Pestalozzi)
    Wie heisst es schon wieder: Divide et impera? Häufig wird die Mossadegh-Geschichte so interpretiert, als habe der Böse Westen eine stabile Ordnung zerstört. Das ist wohl nicht ganz korrekt, doch die Aktivitäten halfen, ein Feindbild über Jahrzehnte aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Viel gebracht hat das dem iranischen Volk nach meiner Meinung nicht. Die iranische Exilgemeinde in den USA ist übrigens ziemlich gross.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Dieser Artikel zeigt auf, wie schadhaften Einfluss westliche Grossmächte und das ebenso drohende Russland auf Iran ausgeübt haben bzw. sich die USA mehr als nur arrogant mit den Sanktionen gegenüber dem iranischen Volk aufführen. Das Oel hätte von allem Anfang an den Iranern gehört. Es war mehr als logisch, dass das Pendel der Geschichte - natürlich nicht nur gut - 1978 mit der islamischen Revolution auf die andere Seite schlug. Und die heutigen Aggressionen gegen den Westen sind verständlich.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Peter Amthauer  (Peter.A)
    Ich empfehle vertiefend zu dem Thema zu recherchieren. Wobei der Artikel des SRF schon mal ein Einstig in die Thematik ist.
    MfG
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten