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«Der Fürst und seine Erben» Peter Sloterdijk und die Banalität des Grossen

Der Philosoph legt mit seinem neuen Buch eine beachtliche Zeichnung von neuen alten Herrschertypen à la Trump und Putin vor. Eine Erkenntnis dabei: Wäre ihre Macht nicht so tödlich, könnte man über ihre Absurdität lachen.

Die weltweite Politik brutalisiert sich, zivile Diplomatie und der Geist des Kompromisses versterben. Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk indes interveniert und erfasst mit seinem neuen Buch den Zeitgeist. In diesem gerieren sich Herrscher-Persönlichkeiten wie Trump, Putin, Xi Jinping oder Narendra Modi zu neuen «Fürsten» der Gegenwart.

Deren Ur-Modell hatte im Jahr 1513 bereits der italienische Philosoph Niccolò Machiavelli in seinem politischen Buch «Der Fürst» skizziert. Für den 78-jährigen Sloterdijk ein wichtiger Anknüpfungspunkt.

Jenseits von Gut und Böse

Die wichtigste Erkenntnis aus Machiavellis Werk sei aus heutiger Sicht: Der Herrschende ist kein von Gott beseelter Mensch mehr. Vielmehr ist er einer, der berufen sei, «über einer Population zu stehen, deren Beherrschbarkeit nach wie vor von ihrer Anhänglichkeit an die gewöhnlichen Urteile über Gut und Böse abhängt». Die Herrschenden selbst indes stünden jenseits von Gut und Böse. Sie werden nicht zur Rechenschaft gezogen.

Sloterdijk weist bei seinen Überlegungen vor allem auf US-Präsident Donald Trump. Dieser sei eigentlich kein Politiker, «eher ein Dealer, am meisten ein Clown, der den Diktator gibt». Trump liefere, demokratisch gewählt, das Paradebeispiel für den drohenden Rückfall hinter demokratisch Erreichtes.

Sloterdijk verweist dabei auf das Manifest «Napoleon, der Kleine» aus dem Jahr 1852 des französischen Schriftstellers Victor Hugo gegen den Republik-Zerstörer Louis-Napoléon Bonaparte III. Dieser war 1848 zum Präsidenten der Republik gewählt worden, um sie Ende 1851 staatsstreichartig in ein Kaiserreich umzuwandeln.

Die «Banalität des Grossen»

Hugo, schreibt Sloterdijk, habe in seinem Widerstand auch die «Banalität des Grossen» offengelegt. Diese stehe der «Banalität des Bösen» vor, die Hannah Arendt bei ihrer Reflexion des Eichmann-Prozesses 1961 und der Nazi-Verbrechen formuliert hatte.

Für heutige Verbrechen der Macht gelte Ähnliches: «Das wahrhaft Unfassbare ist», schreibt Sloterdijk, «dass so kleine und unscheinbare, fast könnte man sagen minderwertige Leute im Zusammenwirken mit ihresgleichen so massloses Unheil bewirken können.» Erkenne der Mensch diese Banalität, erzeuge dies bei ihm eine Stimmung des Absurden; so habe auch Arendt beim Studium der Eichmann-Akten lachen müssen.

Jeder ein König

Das Buch des 78-jährigen Sloterdijk ist ein bittersüsser Genuss, und ein indirekter Aufruf an die «gewöhnlichen Leute». Es gelte nicht nur, dieses Absurde und Banale der Macht zu durchschauen. Sondern auch, zu erkennen, dass im Kern jeder Mensch König und Königin sei. Die Menschen müssten sich nur ihrer politischen Souveränität bewusst werden. Das Axiom der Axiome: «Die Würde des Menschen ist unantastbar.»

Buchhinweis

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Peter Sloterdijk: «Der Fürst und seine Erben. Über grosse Männer im Zeitalter gewöhnlicher Leute». Suhrkamp, 2026.

Sloterdijks Analyse ist ein grosser Erkenntnisgewinn zu den «Fürsten» unserer Zeit. Das Buch entlarvt die Mechanismen und Instrumente von Machtbildung und ihrer Entgrenzung, ihrer «Verwilderung». Und doch lässt es einen nicht ohnmächtig zurück. Denn am Ende wissen wir: Wir sind im Ich, wenn schon nicht als Teil eines Volkes, so doch als Einzelner oder Einzelne: souverän.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 3.6.2026, 17:40 Uhr

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