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Der neue Duden erscheint: Interview mit Kathrin Kunkel-Razum
Aus Kultur-Aktualität vom 11.08.2020.
abspielen. Laufzeit 04:12 Minuten.
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Der neue Duden «Das ist kein Corona-Duden»

Lockdown, Hatespeech, Klimanotstand: Diese Wörter waren in den letzten Monaten überdurchschnittlich oft zu hören und lesen.

Jetzt stehen sie auch im neuen Duden, der am Mittwoch erscheint. Er enthält nicht nur 3000 neue Stichwörter, sondern auch Infoseiten zu geschlechtergerechter Sprache.

Die Duden-Chefredaktorin Kathrin Kunkel-Razum erklärt, wie Wörter in den Duden kommen – und warum sie dem gestrichenen Wort «Ehegespons» nachtrauert.

Kathrin Kunkel-Razum

Kathrin Kunkel-Razum

Leiterin der Duden-Redaktion

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Seit 2016 ist Kathrin Kunkel-Razum Chefredaktorin des Duden. Die Germanistin ist zudem Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung.

Im neuen Rechtschreibduden sind jetzt Wörter zu finden wie Covid-19, Reproduktionszahl, Lockdown. Steht diese Ausgabe im Zeichen von Corona?

Ja. Aber wir möchten auch klarstellen, dass es sich hier nicht um einen «Corona-Duden» handelt. Wir zeichnen auch die Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre nach. Aber ja, Corona hat Spuren hinterlassen in diesem Duden.

Wir bekommen in letzter Zeit viele Anfragen, wie Texte geschlechtergerecht formuliert werden.

Die Herausforderung für uns war zu beobachten, welche Wörter sich in kurzer Zeit im Sprachgebrauch etabliert haben und diese aufzunehmen. Andere, die sich wahrscheinlich nicht durchsetzen, haben wir weggelassen.

Neben den rund 3000 neuen Wörtern gibt es auch neue Informationsseiten. Zum Beispiel zu gendergerechter Sprache.

Wir bekommen in letzter Zeit häufig Anfragen von Privatpersonen, Firmen und Einrichtungen dazu. Sie möchten Hinweise, wie Texte geschlechtergerecht formuliert werden.

So sahen wir es an der Zeit, diese Mittel im Rechtschreibduden aufzuzeigen. Aber ohne zu sagen, dass es so gemacht werden muss.

Mit jeder Ausgabe werden auch Wörter gestrichen. Welche Wörter stehen in der aktuellen Ausgabe nicht mehr?

Es sind einerseits Wörter rausgefallen, die Dinge beschreiben, die es so nicht mehr gibt. Ein Beispiel dafür ist die «Kabelnachricht». Nachrichten werden heute nicht mehr gekabelt, sondern beispielsweise über Satelliten verschickt.

Das «Lehrmädchen» andererseits bezeichnet zwar etwas, das es noch gibt: Eine Frau, die in einem bestimmten Beruf ausgebildet wird. Die Bezeichnung ist heute aber nicht mehr Lehrmädchen, sondern die «Auszubildende.»

Wir müssen auch eine Dokumentationsfunktion für die Gegenwartssprache übernehmen.

Auch das Wort «Ehegespons», Link öffnet in einem neuen Fenster für Ehepartner leider gestrichen worden. Ich finde es ist ein wunderschönes Wort, aber es ist einfach nicht mehr frequent.

Seit der letzten Ausgabe von 2017 ist sehr viel passiert. So landen im neuen Duden neue Begriffe rund um MeToo, Klimademonstrationen, Corona-Krise oder «Black Lives Matter». Bewegt sich der Duden weg vom reinen Nachschlagewerk für Rechtschreibung?

Auf jeden Fall. Wir haben ja auch Wörter aufgenommen, die nicht rechtschreiblich schwierig sind. Das ist ein Spagat, den wir machen müssen.

Wir müssen zwar rechtschreiblich schwierige Wörter verzeichnen, um bei Rechtschreibung und Gebrauch der Wörter zu helfen. Aber gleichzeitig haben wir eine Art Dokumentationsfunktion für die deutsche Gegenwartssprache.

Das Gespräch führte Igor Basic.

Sendung: Radio SRF 4 News, Rendez-vous, 10.8.2020, 12:30 Uhr.;

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