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Mark Zuckerberg winkt freundlich von der Bühne.
Legende: Der freundliche Chef der Datenkrake Facebook: Mark Zuckerberg, wie immer im wenig bedrohlichen, grauen T-Shirt. Keystone
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Gesellschaft & Religion Die Diktatur der freundlichen Tyrannen

Harald Welzer weiss, was zu einem aufrüttelnden Debattentitel gehört. In seinem aktuellen Buch «Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit» warnt er vor den Folgen der Digitalisierung für unsere Gesellschaft. Positive Seiten hat das Internet für den Psychologen kaum.

Der Sozialpsychologe Harald Welzer reiht sich mit seinem neuen Buch ein in die Phalanx der Kritiker einer digitalen Welteroberung. Sein Befund unserer Gegenwart ist alarmierend: Unbemerkt habe sich innerhalb der freiheitlichen Gesellschaft eine neue Form totalitärer Herrschaft herausgebildet – eine smarte Diktatur.

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Harald Welzer: Unsere Freiheit ist bedroht
Aus Sternstunde Philosophie vom 02.08.2015.
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Es droht die totale Überwachung

Hauptakteure sind nicht brutale Tyrannen wie Hitler oder Stalin, sondern freundlich wirkende Menschen wie Larry Page und Marc Zuckerberg, die Gründer von Google und Facebook. An ihre Internetfirmen würden wir sukzessive unsere Freiheit abtreten – und zwar ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Wäre es nicht schön, den Reiz stiller Mussestunden wieder zu entdecken, anstatt immer online und erreichbar zu sein, fragt Welzer. Und weiter: Ist es ratsam, sich von Amazon den Einkaufszettel vorformulieren zu lassen? Für Welzer ist dies erst der Anfang. Am Ende droht ein Szenario totaler Transparenz und Überwachung.

Social Economy hilft nicht weiter

Unplausibel ist diese Kritik nicht: Google, Facebook, Amazon und Co. sammeln ein enormes Wissen über ihre Kunden. Niemand weiss, wozu sie es nutzen. Dass Welzer an der einen oder anderen Stelle überzeichnet, macht sein Buch nicht weniger lesenswert.

Gravierender scheint, dass bei ihm die positiven Seiten des Internets aussen vor bleiben. So lässt er unerwähnt, dass über das Netz Protest organisiert und vernetzt werden kann. Auch der Share Ecomomy mag er nichts Gutes abgewinnen. Die wachsenden Angebote zum Carsharing beispielsweise würden die Leute bloss davon abhalten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Die Ausbeutung wird beschleunigt

Harald Welzer zielt auf einen grösseren Zusammenhang. Ein aggressiver Kapitalismus habe jeglichen ethischen Massstab verloren. Welzer spricht lieber von einem Neo-Feudalismus, der gekennzeichnet sei durch immer brutalere Ausbeutung und Ressourcenverschwendung – mit unberechenbaren Folgen für ärmere Länder. Durch die Digitalisierung, so der Kritiker, wird diese Entwicklung noch beschleunigt.

Mit dieser düsteren Zukunftsprognose endet das Buch nicht. Harald Welzer besteht darauf, dass wir keine Ausgelieferten sind und die eingeschlagene Richtung ändern können. «Jeder von uns hat einen grösseren Handlungsspielraum als Ludwig XIV.», formuliert er pointiert. Die Frage ist bloss: Welches Leben wir eigentlich wollen.

Buchhinweis

Harald Welzer: «Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit». S. Fischer, 2016.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Max Blatter , 5620 Bremgarten
    Wer "das Internet" mit den "asozialen Medien" (wie ich sie nenne) Facebook etc. gleichsetzt, hat das Wesentliche nicht begriffen. Für mich ist der Unterschied ähnlich geartet wie derjenige zwischen "freier Marktwirtschaft" und "Kapitalismus": Das erste sind durchdachte Konzepte, die bereits viel Positives gebracht haben und absolut zukunftsfähig sind. Das zweite sind Auswüchse, die zwar aus den ersten entstanden sind, die man aber am besten gar nicht beachtet. Ist meine Meinung!
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  • Kommentar von Florian Menevis , Zollikon
    Leider ist es halt so, das viele fähige und junge Leute in der Schweiz (bzw. in Europa) bei Banken und Beratungsunternehmen arbeiten anstatt unternehmerisch den technischen Fortschritt mitzugestalten (ist zu anstrengend). Wenn wir Alternativen zu Google und Facebook wollen liegt es an uns diese zu entwickeln. Mit Milliarden die wir für Forschung und Entwicklung ausgeben sollte das eigentlich kein Problem sein. Das grösste Hindernis ist wohl unsere Wohlstandsträgheit.
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    1. Antwort von Hans Vader , Luzern
      Die Alternativen existieren bereits, nur muss man die Augen öffnen um sie auch zu erkennen.
  • Kommentar von Namor Loser , Embrach
    Lieber die freundliche "Diktatur" von Google als eine unfreundliche Diktatur eines Hitlers, Stalin oder Mao. Die Letzteren wären im Zeitalter des Internet auch kaum mehr möglich gewesen.
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    1. Antwort von Hans Vader , Luzern
      Diktatur bleibt Diktatur. Sie gehört bekämpft und beendet, egal ob Spanien, Frankreich, EU, USA, IS, Saudi Arabien etc. oder Google.
    2. Antwort von Namor Loser , Embrach
      Russland und China haben Sie vergessen. Die sind einiges autoritärer als EU, USA, Spanien und Frankreich.