Die Fashion-Lady von Einsiedeln

Die schwarze Madonna im Kloster Einsiedeln hat einen grossen Kleiderschrank. Bruder Gerold hält ihre 33 Gewänder und den passenden Schmuck nicht nur in Ordnung, er zieht die Gottesmutter auch je nach Saison um. Der Mönch dokumentiert Madonnas Garderobe nun in einem opulenten Bildband.

Seit einigen Jahren kümmert sich Bruder Gerold Zenoni um das äussere Erscheinungsbild der schwarzen Madonna, die seit 1466 in der Heiligen Kapelle steht. Der Mönch im Kloster Einsiedeln zieht ihr mit Hilfe eines Mitbruders je nach Kirchenanlass neue opulente Gewänder über, die von Personen aus der ganzen Welt gestiftet werden. Ein Ehepaar aus Südkorea fertigte selbst ein Kleid für die Madonna, weil es der Überzeugung war, von der Muttergottes bezüglich Kinderwunsch erhört worden zu sein.

«Madonnas Fashion»

2:22 min, aus Tagesschau vom 5.12.2015

Die 33 Kleider der Madonna mit unterschiedlichen Farben und Materialien sind im Kulturgüterschutzraum des Klosters in speziell angefertigten Schubladen säuberlich verstaut. Darunter befindet sich auch das älteste Gewand aus dem Jahr 1685.

«Man kennt den Begriff Globalisierung und denkt dabei insbesondere an wirtschaftliche Zusammenhänge. Dieser gilt meiner Meinung nach jedoch ebenso für den spirituellen Bereich und drückt sich dadurch aus, dass die Gewänder aus verschiedenen Ländern stammen», sagt Bruder Gerold mit Nachdruck.

Auch zwei Kleider einer in der Schweiz lebenden Muslimin gehören zur reichhaltigen Sammlung. Kein Zufall, denn in religionsoffenen Ländern im Orient zünden auch muslimische Glaubensvertreter in christlichen Kirchen vor Marienbildern Kerzen an. In regelmässigen Abständen werden die Kleiderwechsel vorgenommen – nicht selten unter Beobachtung mancher Pilger.

Überkonfessionelle Ausstrahlung

In der katholischen Kirche steht die Farbe Violett im Rahmen des Advents sowie der Fastenzeit im Mittelpunkt. Die rote Farbe wird zu Pfingsten, sowie für Märtyrerfeste ausgewählt. Blau hingegen kann nicht als eigentliche liturgische Farbe bezeichnet werden, jedoch wird sie üblicherweise mit der Muttergottes assoziiert.

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Buchhinweis

Gerold Zenoni: «Madonnas Fashion – Die Spirituelle Modeschau», Kloster Einsiedeln, ab 5. Dezember 2015 im Klosterladen erhältlich

Die schwarze Madonna kann durchaus als Gebetsstatue für sämtliche Religionen angesehen werden. Das sei besonders in Zeiten des Terrors ein wichtiges Signal, so Bruder Gerold. Mit seinem Buch «Madonnas Fashion – Die Spirituelle Modeschau» versucht er, die Mutter Gottes einem noch grösseren Publikum näherzubringen.

Ergänzt wird das Werk durch literarische Texte mit Gedanken von namhaften Autoren wie Kurt Münzer oder Niklaus Meienberg, die sich teilweise auch kritisch über den Wallfahrtsort Einsiedeln äussern.

Die beachtlichen Pilgerzüge, wie sie in den 1940er- oder 50er-Jahren registriert wurden, bleiben heutzutage zwar aus, doch gehöre Einsiedeln immer noch zu den wichtigen Ausgangspunkten für Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela in Spanien, so Bruder Gerold. Noch immer halten viele Personen in der Gnadenkapelle inne, um den stillen Dialog mit der schwarzen Madonna zu suchen.

Veränderung unerwünscht

Nicht sämtlichen Besuchern ist bekannt, weshalb das Gnadenbild mit dem Jesuskind im linken Arm eine dunkle Hautfarbe hat. Bereits im 17. Jahrhundert sprach man von der «Schwarzen Madonna von Einsiedeln». Bruder Gerold: «Ich kann in meinem Buch einen Text eines Restaurators präsentieren. Demnach war zunächst von einer hautfarbenen Madonna die Rede, doch durch das Abbrennen von Kerzen und das Schwenken von Weihrauch wurde die Statue immer dunkler und als einmal zur Diskussion stand, diese neu zu gestalten, wehrten sich manche Menschen dagegen.» Dies führte dazu, dass das Gnadenbild wiederum schwarz angemalt wurde, ein passender Kontrast zu den bunten Gotteskleidern.

Die Gewänder und der dazugehörige Schmuck sind denn auch in Bruder Gerolds reich bebildertem Buch mit sorgfältiger grafischer Gestaltung ausführlich dargestellt und kommentiert.

Nicht zuletzt wird auch ein geschichtlicher Einblick rund um Einsiedeln gewährt. Das neue Werk dürfte nicht nur Pilger, sondern auch historisch Interessierte nach Einsiedeln locken.

Sendehinweis: Blickpunkt Religion am 22. November auf SRF 2 Kultur

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