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Drug Checking: Was bringt's?
Aus Kultur-Aktualität vom 24.08.2020.
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Drogen-Check für Konsumenten Kann man Drogen mit Köpfchen konsumieren?

Vergangene Woche sind zwei Jugendliche am Zollikerberg tot aufgefunden worden. Hinweise lassen vermuten: Die Mischung unterschiedlicher Drogen hat zu ihrem Tod geführt. Sogenannte «Drug Checkings», die es etwa in Zürich gibt, sollen solche Fälle verhindern. Was bringt's?

Immer dienstags und freitags können Drogenkonsumenten bei «Saferparty Streetwork» in Zürich Proben ihrer Drogen analysieren lassen. Das Angebot ist kostenlos, verpflichtet aber zur Beratung. Ein Grossteil der Leute, die ihren Stoff testen lassen, ist unter 30. Die meisten haben Erfahrungen mit Drogen.

Ohne Zeigefinger

Dominique Schori leitet «Saferparty Streetwork». Sein Ansatz beim Drug Checking: informieren, nicht moralisieren: «Es geht darum, die individuellen Risiken bei Personen zu reduzieren, die sich schon zum Konsum entschieden haben. Diese Entscheidung kann man nicht mehr rückgängig machen.»

Was man dagegen machen kann: den Schaden begrenzen. Die BeraterInnen klären etwa darüber auf, wie viel der analysierten Substanz jemand einnehmen kann, ohne eine Überdosis zu erleben. Sie warnen davor, verschiedene Drogen zu mischen.

Und sie stellen Fragen: Nehmen die KonsumentInnen mehr Drogen ein, als sie möchten? Machen sich Bekannte wegen ihres hohen Konsums Sorgen? Falls ja, könnte die Gefahr einer Abhängigkeit bestehen? In solchen Fällen leitet «Saferparty Streetwork» die Menschen an Suchtberatungsstellen weiter.

Die Drogen-Analyse als Beratungsbasis

Zentral bei der Analyse sei jedoch, dass die Leute wissen, was sie nehmen, sagt Schori. «Das Ziel der Analyse ist eine faktenbasierte Beratung. Wenn man eine Beratung macht, ohne dass man eine Substanz analysiert hat, berät man ins Blaue hinein.»

Bei der Analyse bestimmen Chemiker, wie viel und welche psychoaktiven Substanzen in einer Probe enthalten sind. Mehr als 2000 Proben hat «Saferparty Streetwork» im vergangenen Jahr untersuchen lassen. Knapp die Hälfte davon war Kokain. Auf dem zweiten Platz folgte MDMA, die Substanz, die in Ecstasy steckt. Danach Amphetamine und LSD.

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Keine Verharmlosung des Drogenkonsums

Die Nachfrage nach dem Drug Checking-Angebot steige stetig, sagt Schori. Dass die Analyse ein Gefühl von falscher Sicherheit vermitteln könnte, weist er zurück.

«Der Konsumierende wird von uns nie die Botschaft nach dem Motto kriegen: Da sind jetzt nur so viel Milligramm von dieser Substanz drin, das ist unter der kritischen Grenze, also pfeif dir die Pille rein!»

Drogen zu nehmen sei immer riskant, sagt Schori. Das vermittelten auch die Berater in den Gesprächen. «Saferparty Streetwork» bittet die Leute, die zu ihnen kommen, Fragebögen auszufüllen, in denen sie die Beratung bewerten können.

Sensibilisierte Konsumenten

Die Erfahrung zeige, so Schori: «Ihr Wissen über Substanzen, über Substanzkonsum, über Risiken, über die Strategien, um diese Risiken zu reduzieren, wird grösser. Die Konsumenten sind sensibilisierter.»

Das Gespräch sei häufig auch eine Gelegenheit, um das eigene Konsumverhalten kritisch zu reflektieren, um sich zu fragen: «Ist das noch in Ordnung, was ich mache? Oder habe ich den Wunsch, vielleicht weniger zu konsumieren?», erläutert Schori.

Es lasse sich jedoch nicht kontrollieren, wie jemand mit Analyse und Beratung umgehe. Was die Leute aus dem Drug Checking machten, liege in ihrer Verantwortung.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 24.8.2020, 17:20 Uhr;

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