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Ein Mann filmt eine über ihm fliegende Drohne.
Legende: Präsentation eines neuen Drohnenmodells an einer Flugshow in England, 2012. Reuters
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Gesellschaft & Religion Drohnen: Sensemänner und Raubtiere hoch zu Luft

Seit fast zwanzig Jahren führen der US-Geheimdienst CIA und die US Air Force Kriege mit unbemannten Flugsystemen, sogenannten Drohnen. Eine anfangs skeptisch beäugte Technologie entpuppt sich als Schlüsseltechnologie zukünftiger Kriege und steht ganz oben auf der Wunschliste der Militärs – weltweit.

Drohnen haben viele Gesichter: Sie überwachen Autobahnen, fliegen defekte Pipelines ab und jedermann kann sie als fliegendes Spielzeug im Internet kaufen und damit seinen Spass haben. Als fliegende Überwachungs- und Kampfsysteme verbreiten unbemannte Flugsysteme wie «Reaper» (dt. ‹Sensenmann›) oder «Predator» (‹Räuber, Raubtier›) jedoch Angst und Schrecken.

In Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Jemen und Mali ist der Dohnenkrieg gegen mutmassliche Terroristen an der Tagesordnung, mit verheerenden Folgen. Seit 2004 kamen in Pakistan und Afghanistan schätzungsweise 3300 Menschen, darunter Frauen und Kinder, durch Drohnenangriffe ums Leben. Darüberhinaus werden Drohnen das Gesicht zukünftiger Armee-Konflikte nachhaltig prägen: Schon heute übersteigt die Anzahl der ausgebildeten Drohnenpiloten der US-Luftwaffe die der herkömmlichen Jetpiloten.

Neue Kriege

Bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts werden erstmals bewaffnete Drohnen auf Flugzeugträgern der US Navy stationiert. Die Zukunft gehört ferngelenkten Flugsystemen, die spionieren und Waffen tragen. Ob es alsbald auch selbständig denkende und autonom operierende Flugsysteme geben wird, steht indes in den Sternen. Technisch ist es machbar, ethisch ein heisses Eisen.

Bisher sind Drohnen teleoperierte Flugsysteme, die vollständig unter Kontrolle eines Piloten Einsätze fliegen und nicht eigenmächtig in Konflikte eingreifen. In Planung sind global operierende Langstreckendrohnen, die nahezu unbegrenzt in der Luft sein können und teils mit Hochenergiewaffen ausgestattet sind.

Ein weltweites Phänomen

Auch die deutsche Bundeswehr hat Aufklärungsdrohnen im Einsatz und plant, ab 2016 bewaffnete Drohnen in ihren Dienst zu stellen. Unberührt von der Debatte um die misslungene Beschaffung von global operierenden Aufklärungsdrohnen des Typs Euro Hawk, eruiert das deutsche Verteidigungsministerium die Beschaffung von Kampfdrohnen aus israelischer oder amerikanischer Produktion, bevor ein noch zu entwickelndes europäisches Muster in Betracht kommt.

Ein unbemannter Kleinhelikopter mit Kamera im Flug.
Legende: Dank sinkender Preise können sich inzwischen auch Detektive, Paparazzi und Privatpersonen Drohnen leisten. Keystone

Die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie hinkt in der Drohnentechnologie zehn Jahre ihren Mitbewerbern aus Israel und den USA hinterher. Nach jüngsten Schätzungen haben elf Nationen, darunter die USA, Israel, die Türkei, Russland, China und Indien 56 verschiedene Drohnentypen im Einsatz.

Betrug noch 1997 das wirtschaftliche Potential für unbemannte Flugsysteme gut 2 Milliarden Dollar, wird das globale Wirtschaftsvolumen für unbemannte Flugsysteme bis 2025 auf 80 Milliarden Dollar geschätzt, Tendenz steigend. Neben den USA produzieren 70 Länder unbemannte Flugsysteme aller Grössen und Einsatzprofile, allen voran Israel und die USA.

Lizenz zum Drohnenabschuss

Im Land mit dem grössten Potential für zivile und militärische Drohnen regt sich seit einiger Zeit teils militanter Protest gegen die fliegenden Spione. In der Gemeinde Deer Trail im US-Gliedstaat Colorado sollen Drohnen mit dem US-Hoheitszeichen zum Abschuss freigegeben werden. Die Lizenz dazu wird aktuell noch inoffiziell abgegeben, im Oktober will die Gemeinde aber über deren offizielle Einführung abstimmen. Dem erfolgreichen Jäger winkt eine Prämie von 100 Dollar für jedes abgeschossene Fluggerät. Der Bürgermeister will damit den «souveränen Luftraum» der Gemeinde vor Überwachungsdrohnen der NSA schützen. Es könne nicht sein, dass die US-Regierung den Luftraum der Gemeinde überwache und damit in die Privatsphäre der Einwohner eingreife, um Terroristen zu fangen. Das liege nicht im Interesse der Gemeinde Deer Trail.

Und auf den Schauplätzen des Drohnenkriegs im Jemen tauchten vor einiger Zeit von Al Kaida gestreute Ratgeber auf, die detaillierte Ratschläge geben, wie man sich vor Drohnen schützt und wie man sich tarnt. Der Krieg mit und um die Drohne ist in vollem Gang.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht , Torny
    Ein weitere Punkt der zudenken gibt ist der, dass reichen Menschen oder Länder dadurch ein Mittel in die Hand gegeben wird ihren Willen noch einfacher durch zu setzen. Dies haben das Geld dazu sich solche Dinge zu beschaffen. Ergo, Geld regiert dann noch mehr die Welt und alle anderen, die Gerechtigkeit, die Demokratie, die Freiheit muss ich dann der Willkür und dem Machtmissbrauch noch mehr unterordnen.
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  • Kommentar von Hans Knecht , Torny
    Die Entwicklung ist bedenklich. Unter Kultur hätte ich jetzt auch eher Fragen auf die gesellschaftlichen Folgen von ferngesteuerten Drohnen und bewaffneten selbstenscheidenden Flugkörpern, aka fliegen Terminators. Letztes ist höchst bedenklich wenn es zwischen den Entscheidungsträgern und der ausführenden Maschine praktisch keine Menschen mehr gibt. Sowas senkt m.E. analog dem Milgram-Experiment die Hemmschwelle solche Maschinen tatsälich einzusetzen erheblich.
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  • Kommentar von beat gysin , eulerstrasse 9
    Es tut schon ein bisschen weh... ... zuerst wird im Kulturplatz alles mögliche unter "Kultur" subsummiert, nun auf der Homepage von SRF sogar Kriegsmaschinen. Es wäre wichtig, dass SRF sich neu überlegt, was sie unter Kultur verstehen wollen. Der Wikipedia-Begriff muss nicht 1:1 übernommen werden ("Kultur ist alles was nicht Natur ist"), denn das SRF sollte doch auch kulturprägend sein, ein bisschen wenigstens. Also, geht es ohne Krieg?
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