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Francis Kéré erhält Pritzker-Preis
Aus Kultur-Aktualität vom 15.03.2022.
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Ehre für Francis Kéré Pritzker-Preis geht erstmals an afrikanischen Architekten

Er baute ein Operndorf in Afrika und wurde mit Schulbauten berühmt. Jetzt erhält der in Berlin lebende Architekt die höchste Auszeichnung für Architektur – als erste in Afrika geborene Person.

«Er weiss intuitiv, dass es bei Architektur nicht um das Objekt geht, sondern um das Ziel; nicht um das Produkt, sondern um den Vorgang», begründet die Jury in Chicago den Preis an Francis Kéré. «Seine Gebäude, für und mit Gemeinschaften, sind direkt von diesen Gemeinschaften – in ihrer Erschaffung, ihren Materialien, ihren Programmen und ihren einzigartigen Charakteren.»

Francis Kéré wurde 1965 in Burkina Faso geboren, lebt seit 1985 in Deutschland und betreibt in Berlin das international tätige Architekturbüro Kéré Architecture.

Architektur aus Holz.
Legende: Kéré durfte 2017 auf die Einladung der Londoner Serpentine Gallery hin, einen Sommer-Pavillon gestalten. IMAGO / Arcaid Images

Hochwertige Architektur für Menschen

Die Ehrung habe ihn zu Tränen gerührt, sagte Francis Kéré der «New York Times»: «Ich kann es immer noch nicht glauben. Ich habe diese Arbeit in der Architektur vorangetrieben, um qualitativ hochwertige Architektur zu meinen Menschen zu bringen.»

Neben seinem Heimatland hat Kéré unter anderem auch schon in Mali, Kenia, Uganda, den USA und Deutschland an Architektur-Projekten gearbeitet. Bekannt wurde er unter anderem durch die Arbeit am «Operndorf Afrika» des 2010 gestorbenen Regisseurs Christoph Schlingensief.

Holzgebäude in Afrika.
Legende: Das «Operndorf Afrika» gilt als sein wichtigstes Projekt. Es beherbergt u. a. Kulturstätten, eine Schule und Wohngebäude. IMAGO / Le Pictorium

Lokal und nachhaltig

Kéré verwendet für seine Projekte typischerweise lokale Materialien: Holz ist einer seiner beliebtesten Baustoffe. Zudem ist der Architekt bekannt für eine energiesparende, kostengünstige und nachhaltige Bauweise.

«Ich hoffe, dass ich das Paradigma verändern kann, Menschen zum Träumen und zu Risiken antreiben kann», wird Kéré von der Preis-Jury zitiert. «Nur weil du reich bist, solltest du keine Materialien verschwenden. Nur weil du arm bist, solltest du trotzdem versuchen, Qualität zu erschaffen.»

Illuminierte Kunstinstallation,
Legende: Seine architektonische Kunstinstallation mit den Namen «Sarbale ke» beim Coachella Valley Music and Arts Festival in Kalifornien ausgestellt. EPA/ETIENNE LAURENT

2014 entwarf er etwa eine chirurgische Klinik und ein Gesundheitszentrum in Burkina Faso. Die zehn modularen Einheiten der Gebäude sind locker zueinander angeordnet, um eine Vielzahl von geschützten Zwischenräumen zu schaffen, die sowohl dynamisch als auch einladend wirken.

Der Pritzker-Preis gilt als renommierteste Auszeichnung der Architektur-Branche und ist mit 100'000 Dollar dotiert. Frühere Preisträger waren unter anderem Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Norman Foster und Peter Zumthor. Vergangenes Jahr gewann das französische Architektur-Duo Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal. Kéré ist der erste Träger, der aus einem afrikanischen Land stammt.

Der Architekt Francis Kéré

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Kérés wurde in Burkina Faso in der traditionellen Bauweise seiner Heimat ausgebildet. Dank eines Stipendiums konnte er 1985 nach Deutschland, absolvierte eine Schreinerlehre und holte das Abitur nach. Nach seinem Studium an der TU Berlin gründete er 2004 sein eigenes Büro «Kéré Architecture».

Kérés Arbeiten wurde bereits im Museum of Modern Art. ausgestellt. Zudem durfte für die renommierte Londoner Serpentine Gallery arbeiten.

Er hat verschiedene Lehraufträge angenommen, u. a. an der Graduate School of Design der Universität Harvard. 2017 wurde er für die Professur «Architectural Design and Participation» an die Technische Universität München berufen. Im Oktober 2021 gab die Bauhaus-Universität Weimar bekannt, dass Kéré im Wintersemester 2021/2022 die Bauhaus-Gastprofessur innehaben wird.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 15.03.2022, 16:30;

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