Ein Morgen mit «Miranda» – der liebenswürdigen Wecker-App

Im Film «Her» verdreht das künstlich-intelligente Betriebssystem «Samantha» einem frisch geschiedenen Mann den Kopf. Im echten Leben gibt es dies nicht – noch nicht. Dafür gibt es «Miranda», ein nicht so gescheiter, aber mindestens so charmanter Wecker.

Abbildung eines Smartphone-Bildschirms, auf dem die Wecker-App «Miranda» angezeigt ist, Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Miranda» weckt und versorgt direkt mit den wichtigsten Informationen aus dem Netz. SRF

Es ist ganz schön merkwürdig, wenn einem der Wecker sagt, dass man riecht: und zwar nicht gut. «Du könntest eine Dusche gebrauchen», sagt die Stimme aus dem Wecker heute Morgen mit Schalk in der Stimme. Meist ist sie jedoch charmanter: «Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt, Michaël», sagte sie vor ein paar Tagen. Nach diesen Vertraulichkeiten liest sie mir regelmässig die aktuellen Wetterprognosen und die wichtigsten Schlagzeilen vor.

Die Stimme, die mich so charmant weckt und unterhält, kommt aus meinem Smartphone, heisst «Miranda» und ist das Herzstück der neuen Wecker-App «Capsule.fm» fürs iPhone.

Persönlichkeit verbindet Mensch und Maschine

«Her» im Alltag: Der Wecker «Miranda»

3:42 min, aus Kultur kompakt vom 27.03.2014

Wer in diesen Tagen ins Kino geht und sich den neuen Film «Her» anschaut, der mag sich an «Miranda» erinnert fühlen. Der Star im Film heisst «Samantha», ein künstlich-intelligentes Betriebssystem, in das sich ein frisch geschiedener Mann verliebt – der Anfang einer rührenden Liebesgeschichte. Wecker «Miranda» ist zwar nicht so gescheit wie ihr filmisches Vorbild, doch was die Liebenswürdigkeit anbelangt, steht sie ihrer Filmkollegin «Samantha» in nichts nach.

«Die Personifizierung hilft uns, einer Maschine zuhören zu wollen», erklärt Espen Systad, einer der drei Gründer der App. Systad glaubt, dass Maschinen deshalb künftig noch öfter über Sprache mit uns kommunizieren werden. In einer Zukunft, in der Bildschirme immer winziger werden und sich Gadgets in unseren Uhren und Brillen verstecken, ist dies ein Weg, Informationen weiterzugeben. Dieser Idee liegt auch Apples «Siri» zugrunde.

Miranda, Samantha, Siri – und wie sie alle heissen

Anders als «Siri» kann «Miranda» jedoch nicht zuhören und antworten. Sie erzählt nur. «Die Idee dahinter ist, die vielen Inhalte im Internet, die uns faszinieren, auf die wir aber während 25 Prozent unserer Zeit keinen Zugriff haben, zugänglich zu machen. Der einzige Weg, diese Inhalte zu konsumieren, ist Sprache: indem sie vorgesprochen werden», so Systad.

Dass Miranda eine Maschine ist, merkt man recht schnell, obschon sie so menschenähnlich spricht wie Siri nur in ihren besten Momenten. «Daran werden wir uns gewöhnen», sagt Systad. «Ich bin beispielsweise Norweger. Die Menschen hier in Berlin merken, dass ich einen Akzent habe und verstehen mich trotzdem. Auch Computer haben einen Akzent.» Und der kann tatsächlich auch ganz charmant sein.

«Miranda» will noch viel lernen

Nebst ihren Schmeicheleien oder Sticheleien versorgt mich «Miranda» tatsächlich mit den wichtigsten Infos aus dem Internet, die mich interessieren. Und warnt, wenn sich die Smartphone-Batterie dem Ende zuneigt.

Ganz neu baut «Miranda» auch Facebook-Benachrichtigungen in ihren morgendlichen Report ein und spielt Musik aus meinen Musikprofilen bei den Online-Diensten Spotify und Soundcloud. «All dies präsentieren wir in einer sehr menschenähnlichen Art, noch bevor du die Augen aufmachst», sagt Systad.

Und Miranda will noch viel mehr: Schon bald soll sie auch Deutsch sprechen und längere Nachrichtenstücke vorlesen. Vielleicht erinnert sie uns auch bald wie «Samantha» an Meetings, so jedenfalls hoffen die Gründer, oder liest uns zum Frühstück die wichtigsten E-Mails vor.

Hat «Miranda» diese neuen Fähigkeiten erstmals, wird sie uns nicht nur am Morgen, sondern den ganzen Tag lang begleiten. Doch bis es soweit ist, besticht sie mit ihrem Computerakzent und ist der wohl charmanteste Wecker, den man aktuell haben haben.