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Unesco entzieht Liverpool den Weltkulturerbe-Status
Aus Nachrichten vom 21.07.2021.
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Entscheid der Unesco Liverpool verliert seinen Status als Weltkulturerbe

Die Unesco entzieht der britischen Hafenstadt Liverpool den renommierten Titel – wegen zweifelhafter Bauprojekte: Diese hätten den universellen Wert der Hafenstadt beschädigt, argumentiert das Komitee.

Ein herber Schlag für die Heimat der Beatles: Die Unesco hat Liverpool die Auszeichnung als Weltkulturerbe entzogen. Dieser Entscheid fiel heute Mittwoch an der 44. Sitzung des Welterbekomitees in der chinesischen Stadt Fuzhou.

Es ist erst das dritte Mal in der Geschichte der Welterbekonvention, dass einer Kultur- oder Naturstätte der angesehene Titel entzogen wird. Allerdings: Überraschend kommt dieser Beschluss nicht. Der Welterbestatus von Liverpool ist bereits seit 2012 «wegen substanzieller Eingriffe» im Rahmen des Bauprojekts «Liverpool Waters» gefährdet.

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Der Hafen Liverpools – nicht mehr Weltkulturerbe-würdig, findet die Unesco
Aus News-Clip vom 21.07.2021.
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Einst eine wegweisende Hafenanlage

Dabei war Liverpool noch 2008 Weltkulturerbe-Hauptstadt. Seit 2004 waren sechs Orte im historischen Zentrum und dem Hafengebiet auf der Welterbeliste eingetragen. Sie zeugen von der Entwicklung der Stadt als eines der bedeutendsten Handelszentren der Welt im 18. und 19. Jahrhundert.

So war Liverpool wegweisend in der Entwicklung moderner Docktechnik, Transportsysteme und des Hafenmanagements. Die Stadt spielte eine grosse Rolle bei der Entwicklung des britischen Weltreichs.

Legende: Weltkulturerbe war einmal: Am Bramley-Moore-Dock in Liverpool soll ein Fussballstadion entstehen – für die Unesco mit ein Grund, der Stadt seinen Weltkulturerbe-Titel abzuerkennen. Keystone / PETER BYRNE

Verlust des Welterbe-Charakters

In den letzten Jahren aber waren die Erhaltungsarbeiten unzureichend, so die Unesco. Am Ende führte Liverpools Verzicht auf Änderungen an der Planung und neue Infrastrukturprojekte im historischen Hafengebiet sowie der bereits genehmigte Bau eines Fussballstadions am Bramley-Moore-Dock zur Aberkennung des Titels, begründete die UN-Organisation ihren Entscheid. In einem Unesco-Dokument hiesst es, Liverpool habe längst seinen Charakter verloren, der zur Einstufung als Welterbe geführt habe.

Liverpool ist nicht allein

Anders als in der Causa Liverpool entschied das Welterbekomitee an seiner 44. Sitzung über ein Projekt in Tansania: Entgegen ersten Erwartungen wurde dem Wildreservat Selous, in dem ein Damm gebaut werden soll, nicht der Status als Welterbe entzogen. Allerdings bleibt es auf der Liste bedrohter Stätten.

Zuletzt hatte 2009 das Dresdner Elbtal den Titel als Welterbe verloren, weil die Stadt Dresden die Waldschlösschenbrücke errichtet hat. Die erste Titel-Aberkennung gab es 2007 für Oman: Das Land hatte das Wildschutzgebiet für die seltenen Arabischen Oryx-Antilopen verkleinert. Liverpools Hymne gilt also auch hier: You’ll Never Walk Alone – du gehst nie allein.

Tagung des Welterbekomitees

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Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli 2021 online und vor Ort in der chinesischen Stadt Fuzhou.

Das Komitee setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten.

Wegen der Pandemie war die Tagung im vergangenen Jahr verschoben worden. Auf der Welterbeliste stehen aktuell 1120 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht.

Radio SRF, Nachrichten, 15 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Adriano Granello  (adgr)
    Nachdem mittlerweile fast die halbe Welt und zum Teil die unmöglichsten Dinge zum "Welterbe" erklärt wurden, ist der Wert der Auszeichnung (primär für den Tourismus $) stark verwässert. In der Schweiz ist es übrigens ähnlich beim "Wakkerpreis", mit dem jedes Jahr ein weiteres Städtchen und Örtchen bedacht wird, über die Zeit soll sich jeder mal als Preisträger im Schweizer Ländli fühlen dürfen...
  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    ..: und was ist der „Schaden“? - Kommen nun weniger Touristen? Oder??
  • Kommentar von Dieter Strub  (STR)
    Villeicht möchte sich die Stadt einfach auch etwas weiterentwickeln und nicht in der Geschichte gefangen bleiben.