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Keine staatliche Imam-Ausbildung in der Schweiz
Aus Kultur-Aktualität vom 19.08.2021.
abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.
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Entscheid des Bundesrats Warum es in der Schweiz keine Imam-Ausbildung geben wird

Wie gegen Hassprediger in der Schweiz vorgehen? Nicht mit einer Imam-Ausbildung, so der Bundesrat. Die Gründe.

Wie Hasspredigern entgegenwirken, die Extremismus in Schweizer Moscheen befeuern? Mit einer Imam-Ausbildung nach Schweizer Universitätsstandards, so die Idee einer Motion aus dem Jahr 2016, die an den Bundesrat gelangte. Am Mittwoch erteilte der Bundesrat der Motion in beiden Punkten eine Absage.

Überschätzter Einfluss

Erstens sieht der Bundesrat sich für eine Imam-Ausbildung nicht zuständig. Es gelte die staatliche Neutralitätspflicht gegenüber der Selbstorganisation von Religionsgemeinschaften, die nicht öffentlich-rechtlich anerkannt sind.

Zweitens seien die Ängste, anti-demokratische Geistliche würden Jugendliche radikalisieren grösstenteils unbegründet, wie die Zürcher Hochschule ZHAW feststellt. Sie hat im Auftrag des Bundesrats eine Studie durchgeführt.

Die Studie hält fest, dass der Einfluss von Imamen von der Öffentlichkeit überschätzt werde. Jugendliche würden sich kaum in Moscheen radikalisieren. Die Radikalisierung passiere im Internet. Das heisse aber auch: Eine staatlich gelenkte Berufsbildung ist kein effizientes Mittel gegen Radikalisierung.

Weiter Imame aus dem Ausland

Somit müssen Moscheevereine ihre Prediger und Geistlichen weiter im Ausland schulen oder von dort rekrutieren. Beides zog immer wieder Argwohn auf sich.

Besonders skeptisch werden Imame beäugt, die an theologischen Schulen in Saudi-Arabien ausgebildet wurden. Der dort gelehrte Islam unterscheidet sich erheblich von der Lebens- und Glaubensweise europäischer Muslime.

Eine zweite grosse Gruppe ausländischer Imame kommt aus der Türkei. Sie wird indirekt vom türkischen Religionsministerium finanziert und auch gesteuert. Weil die Stipendien aus Saudi-Arabien grosszügig sind und türkische Imame nahezu gratis, entscheiden sich kleine und finanzschwache Moscheevereine doch dafür.

Muslimische Seelsorge ist gefragt

Wie nun aber weiter in den Moscheen und mit muslimischer Seelsorge in öffentlichen Diensten? Spitäler, Gefängnisse, Asylzentren und auch die Armee wollen professionell ausgebildete, muslimische Seelsorgerinnen und Seelsorger.

Hierfür wird jetzt fleissig aus- und weitergebildet. Als europaweit erstes Institut bietet die theologische Fakultät der Universität Bern einen konfessions- und religionsübergreifenden Ausbildungsgang in Seelsorge an.

Das kommt zwar keinem akademischen Theologiestudium gleich und ist auch etwas anderes als Imam-Ausbildung. Aber es entspricht einem breiten Bedürfnis. Schweizer Imam-Anwärter müssen nun aber weiter den Umweg übers Ausland machen.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 19.08.2021, 17.20 Uhr;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Die Situation ist einfach:
    Wenn Imame in der Schweiz ausgebildet werden sollen, dann auch die Geistlichen von allen anderen Religionen die in der Schweiz tätig sind.
    Die Frage ist warum es Befürworter für eine Imamausbildung in der Schweiz gibt.
    Dies ist nur verständlich wenn mann davon ausgeht dass diese Befürworter eine generalisierte negativ Beurteilung des Islam haben.
  • Kommentar von Barbara Bühlmann  (Entlebucherin)
    Sehr kurzsichtig in der Schweiz keine Ausbildung zum Imam oder Imamin anzubieten. Es geht nämlich weniger darum zum Extremismus aufrufende Prediger zu verhindern sondern, dass in einigen Moscheen ein aniquirtes Frauen und Familienbild vermittelt wird. Das gutheissen von Gewalt gegen Frauen und Kindern von Zwangsehen und die Sitten und Gebräuche des Gastlandes verächtlich machen durch religiöse Respektspersonen kann eine fatale schleichende Wirkung haben.
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Finde ich keinen guten Entscheid des BR. Ich würde eine professionelle Imam Ausbildung im deutschen Sprachraum begrüssen. Und zwar ausschliesslich von in Europa geborenen Männern und sehr gerne auch Frauen. Sie müssen der deutschen Sprache mächtig sein. Dasselbe sollte in Französisch und Italienisch gelten. Die hier lebenden Gläubigen sollten in ihrem Glauben von jemandem betreut werden, der die Kultur des jeweiligen Landes kennt.
    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Da Imam nicht ein Amt ist, das aus einer festgelegten, kirchlichen Hierarchie hervorgeht, spricht nichts dagegen, dass sich Imame selber ausbilden: Studium der religiösen Grundlagen an einer islamischen Hochschule, Seelsorge und Sozialarbeit gibt es hier zu lernen. Ich finde auch, es wäre sinnvoll gewesen, eine Ausbildung anzubieten. Aber die Gemeinden müssen auch einen lokalen Imam wollen.