Erst das Silicon Valley retten, dann die Welt?

Die Messe South by Southwest – kurz SXSW – ist ein wichtiger Treffpunkt der IT-Industrie. Hier sind die neusten Gadgets zu sehen, es werden aber auch soziale Probleme diskutiert. Viele dieser Probleme sind global, einige betreffen speziell das Silicon Valley. Das sind die 5 wichtigsten Brennpunkte.

    • 1.
      Soziale Verantwortung: Obama fordert das Silicon Valley
      Obama, mit den Händen gestikulierend. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Barack Obama bei SXSW. Keystone

      Unternehmen wie Google oder Apple zeigen sich gerne als Weltverbesserer. Kein Wunder also, wird von der IT-Branche mehr erwartet als coole Produkte: Sie soll bei sozialen Problemen mitanpacken. An SXSW hat kein geringerer als Barack Obama die Branche in die Pflicht genommen. Zur Eröffnung der Technologie-Messe sprach der US-Präsident eine knappe Stunde lang über das Verhältnis der Branche zur Politik. Obama hat grosse Erwartungen: Wenn Regierung, Nonprofit-Organisationen und die Industrie zusammenarbeiten, gebe es kein Problem, das man nicht lösen könne. Es reiche nicht aus, sich auf das nächste coole Ding zu konzentrieren, sagt er, man müsse auch dafür sorgen, dass das nächste coole Ding für alle zugänglich ist.

    • 2.
      Waffen: Mit der Knarre zur Messe
      Nahaufnahme: Ein Mann trägt einen Pistolengurt mit Pistolengriff, auf seinem Arm ist das Tattoo "We the People" zu sehen. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: «Open Carry»-Aktivistin Austin. Keystone

      Ein wichtiges Thema ist bei SXSW in diesem Jahr auch das Tragen von Waffen. Das hat damit zu tun, dass die Messe in der texanischen Stadt Austin stattfindet. In Texas erlaubt seit Anfang Jahr ein neues Gesetz das offene Tragen von Waffen. Die Organisation «Open Carry Texas» hat vor dem Auftritt von Barack Obama in Austin demonstriert – selbstverständlich bewaffnet. Auf das Messegelände durften die Aktivisten allerdings nicht: Die Veranstalter erlauben nicht, dass Waffen mit auf das Gelände gebracht wrden.

    • 3.
      Mobilität: Mit der menschlichen Rohrpost durch Europa
      Skizze einer futuristisch aussehenden Kapsel, in der drei Menschen sitzen. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Im Hyperloop sollen sich solche Kapseln durch Röhren bewegen – und zwar schneller als ein Flugzeug. Keystone

      Bei SXSW stehen auch Debatten zu Klimafragen auf dem Programm. Die Aufmerksamkeit liegt dabei auf der Hochgeschwindigkeitsbahn «Hyperloop». Die Idee dazu stammt von Tesla-Erfinder Elon Musk, der Transportkapseln mit bis zu 1'500 km/h durch eine vakumisierte Röhre schiessen will. Bei SXSW gab Dirk Ahlborn, CEO von Hyperloop Transportation Technologies Auskunft über den aktuellen Stand des Projekts. Derzeit wird in Kalifornien eine kurze Teststrecke gebaut, die aus Crowdfunding finanziert wird. Anschliessend will Ahlborn dann ein nächstes Projekt in Angriff nehmen: Wien, Bratislava und Budapest sollen per Hyperloop verbunden werden.

    • 4.
      Diversität: Weisse Männer unter sich?
      Zuschauer in einem Saal, im Vodergrund drei junge, weisse Männer. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Zuhörer beim Eröffnungsgespräch von Präsident Obama. Reuters

      Ein heisses Eisen, das Silicon Valley derzeit unter Druck setzt, ist das Thema Diversität. Angehörige von ethnischen Minderheiten und Frauen sind in der Technologie-Branche untervertreten – je weiter nach oben man in den Firmen-Hierarchien geht, desto weniger findet man sie. Eine Studie über Frauen in der IT-Branche hat kürzlich Aufsehen erregt. Sie zeigte, dass Frauen nicht die gleichen Karrierechancen haben und häufig diskriminiert und belästigt werden. Statistiken zeigen zudem, dass auch schwarze und lateinamerikanische Angestellte in der Branche unterrepräsentiert sind. Bei SXSW finden zum Thema mehrere Podiumsdiskussionen statt. Eine der zentralen Stimmen in dieser Diskussion ist Laura Weidman Powers, die sich für Chancengleichheit von Afroamerikanern und Latinos einsetzt. Die Entwicklung steht noch am Anfang: «Gespräche über Geschlecht und Rasse sind unangenehm, und das ist OK», sagt Powers.

    • 5.
      Hasskommentare: Was tun gegen Belästigung und Missbrauch?
      Zwei Frauen sitzen auf einem Podium an einem Tisch mit Mikrofonen. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Politikerin Wendy Davis und Aktivistin Soraya Chemaly sprechen bei SXSW über Hasskommentare. Reuters

      Geschlechterfragen werden auch in der Gamer-Szene heiss diskutiert. Dass hier zuweilen haarsträubende Probleme bestehen, zeigte das sogenannte «Gamergate». Personen aus dem Umfeld dieser Bewegung haben im Netz Frauen mit Bezug zur Game-Industrie attackiert, bis hin zu Morddrohungen. Die Veranstalter von SXSW hatten zwei Veranstaltungen zum Thema Belästigung in Games abgesagt, weil Gewaltandrohungen eingegangen sind. Schliesslich wurde bei SXSW dennoch eine eintägige Konferenz zum Thema Hasskommentare durchgeführt. Der Anlass verlief ohne Zwischenfälle – aber auch mit eher geringem Zuschauerinteresse.