Favela statt Prunk: Papst Franziskus in Brasilien

Papst Franziskus wurde in Brasilien freudig empfangen: Von den Jugendlichen am Weltjugendtag, den Mächtigen und Berühmten und auch von den Favelabewohnern. Er zeigte sich dabei so bescheiden und volksnah wie kein anderer Papst vor ihm. War das mehr als eine gelungene Inszenierung?

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Papst fordert mehr Unterstützung für die Armen

1:52 min, aus Tagesschau am Mittag vom 26.7.2013

Schon seine Abreise in Rom war eine Geste der Bescheidenheit: Er trug seinen Koffer selbst zur Gangway. In Brasilien angekommen, fuhr er nicht in einer Luxuskarosse durch die Menschenmenge, sondern in einem kleinen Fiat. So etwas habe man von einem Papst wohl noch nie gesehen, fasste es Tilmann Kleinjung von der ARD in Worte.

Alles nur Show?

Papst Franziskus‘ Appell an die Jugend

1:32 min, aus Tagesschau vom 26.7.2013

Der Papst hatte ein dichtes Programm am Weltjugendtag, der vom 23. bis am 28. Juli in Rio de Janeiro stattfindet. Er traf die Präsidentin Dilma Rousseff und Besucher des Weltjugendtags, er hielt Messen und Reden. Doch er setzte auch eigene Akzente: In der Favela Varginha sprach er die jüngsten Sozialproteste Brasiliens an. Vor allem Jugendliche seien enttäuscht über Korruption und Selbstbereicherung. Er appellierte an sie: «Lasst euch nicht entmutigen, verliert nicht das Vertrauen und gebt die Hoffnung nicht auf.»

Das sind grosse Gesten. Doch steckt da mehr dahinter? Nach Tilmann Kleinjungs Einschätzung sind das nicht nur Show-Effekte mit symbolischem Wert. In seinen Reden könne Franziskus davon überzeugen, dass er eben wirklich das macht, was er sagt und umgekehrt. Das zeigte auch sein Reiseprogramm.

Die Kirche muss dahin gehen, wo es weh tut

Franziskus beteuerte zwar, er wolle die Katholiken und Katholikinnen stärken. Er ermahnte aber auch die katholische Kirche: Auch sie müsse sich ändern. Die Kirche müsse an die Peripherien gehen, dahin, wo sie gebraucht werde. Gerade bei der armen Bevölkerung seien Freikirchen sehr erfolgreich, weil sie nahe bei den Menschen sind. In der Favela, die Papst Franziskus besuchte, steht eine Freikirche mitten im Viertel, während sich die katholische Kirche am Rande befindet. Für Tilmann Kleinjung ein Symbol für die Position der katholischen Kirche in Brasilien.

Diese Forderung ähnelt den Vorschlägen der Befreiungstheologen. Einige von ihnen kritisierten im Vorfeld, dass Papst Franziskus sich nur mit den Mächtigen und Berühmten treffen würde. Das traf aber überhaupt nicht ein, im Gegenteil. Papst Franziskus besuchte auch junge Gefangene und Menschen am Rande der Gesellschaft. Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff hofft, dass Franziskus mit solchen Auftritten das Papsttum reformiert, dass er eine Dynastie von Päpsten aus der dritten Welt begründe.

Bilder, die bleiben

In Papst Franziskus und seinen Brasilien-Besuch werden viele Hoffnungen gesetzt. Doch löst sich diese Euphorie einfach wieder in Luft auf? ARD-Journalist Kleinjung glaubt, dass von diesem Papstbesuch doch etwas hängen bleibt. Nämlich die Bilder. Der Papst im kleinen Fiat mitten in der Menschenmenge – das präge sich ein, glaubt Kleinjung. Solche Bilder vermitteln auf einfache Art die päpstliche Botschaft: Bescheidenheit, Verzicht und der Einsatz für die Armen. Für die Menschen am Rande der Gesellschaft.

Sendungen zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Papst Franziskus‘ Appell an die Jugend

    Aus Tagesschau vom 26.7.2013

    "Raus auf die Strassen! Die Dinge aufmischen und für ein Durcheinander sorgen!" Diese aufrührerische Parole hat der Papst am Weltjungendtag in Rio de Janeiro an die jungen Menschen gerichtet. Sie sollen die katholische Kirche aufrütteln.

  • Papst fordert mehr Unterstützung für die Armen

    Aus Tagesschau vom 26.7.2013

    Papst Franziskus wurde am vierten Tag seiner Brasilien-Reise von hunderttausenden Gläubigen in Rio de Janeiro empfangen. Der Weltjugendtag mit dem Papst fand auf Rios berühmtem Strand Copacabana statt. In seiner Rede forderte der Papst eine Relativierung der Bedeutung von materiellen Gütern und dafür mehr Unterstützung der Armen durch die Reichen.