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Femme Fatale der Renaissance Lucrezia Borgia – die Tochter von Papst Alexander VI.

Sie galt als Femme fatale und Giftmischerin, als Intrigantin und als Sünderin: Lucrezia Borgia, Tochter von Papst Alexander VI. Der Dokumentarfilm «Die Tochter des Papstes» erzählt, warum die Mächtigen der Renaissance sich an ihr abarbeiteten, und warum sie bis heute einen schlechten Ruf hat.

Lucrezia Borgia wurde 1480 in Rom oder Subiaco geboren, genoss den für höhere Töchter vorgesehenen Unterricht in Literatur, Rhetorik und Tanz und war mit 12 bereits zum zweiten Mal verlobt. Nicht weil sie das so wollte, sondern ihr Vater, dem die Mitgift der Familie des ersten Gatten zu tief war. Ihr Vater war Rodrigo Borgia, der spätere Papst Alexander VI.

Dass Geistliche Kinder hatten, war in der Renaissance keine Seltenheit, schreibt Brigitte Baldo. Die Historikerin hat sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit intensiv mit Lucrezia Borgia beschäftigt. Uneheliche Kinder von Kardinälen oder sogar Päpsten kamen vor und wurden oft stillschweigend akzeptiert, solange sie nicht ins Zentrum der Öffentlichkeit traten.

Mit 13 zum ersten Mal verheiratet

Wie Baldo weiter zeigt, nutzte Alexander VI. seine Kinder bewusst zur Festigung der Familienmacht. So machte Borgia nach seiner Wahl zum Papst 1492 dann noch einen besseren Gatten für seine Tochter ausfindig, Giovanni Sforza. Diesen heiratete Lucrezia dann auch - mit 13 Jahren.

Danach wird es kompliziert. Denn der Kirchenstaat, Mailand, Neapel und Venedig standen in ständig wechselnden Beziehungen zueinander. Und die Borgia waren mächtige Player, die sich überall Feinde schufen. Als die Sforza und die Borgia sich wegen des Einmarschs französischer Truppen uneinig wurden, war dies auch das Ende der Ehe von Lucrezia und Giovanni.

Vorwurf des Inzests

Da vollzogene Ehen damals nicht aufgelöst werden konnten, entschied eine von Papst Alexander VI. – also Lucrezias Vater – eingesetzte Kommission, dass diese wegen Impotenz aufgelöst gehöre. Worauf der angeblich impotente Gatte behauptete, es gehe dem Borgia nur darum, ungestört Inzest mit seiner Tochter zu treiben.    

Ein horrender Vorwurf, der nie bewiesen werden konnte, dessen Wirkung jedoch blieb, wie Kunsthistorikerin Maria Lucia Menegatti im Dokumentarfilm «Die Tochter des Papstes» aufzeigt. Lucrezia Borgias Ruf war nachhaltig beschädigt. Als Frau hatte sie ausserhalb der Ehe zudem kaum Perspektiven und so blieb sie Teil der politischen Strategie ihres Vaters.

Dieser verheiratete sie insgesamt drei Mal. Als er 1503 starb, und ein ehemaliger erbitterter Gegner Alexanders VI. zum neuen Papst gewählt wurde, verschlechterte sich Lucrezias Situation dramatisch. Doch ihre dritte Ehe hielt. Ihr Mann Alfonso d’Este machte sie zur Herzogin von Ferrara und übertrug ihr diverse Staatsangelegenheiten.

Erfolgreiche Unternehmerin

So verteidigte Lucrezia in Abwesenheit ihres Gatten die Stadt Ferrara gegen die Truppen des Papstes, liess Sümpfe trockenlegen und damit fruchtbares Land schaffen, erliess ein Dekret, das Juden grösseren Schutz gewährte, und als gottesfürchtige Christin unterstützte sie Klöster und Spitäler.

Doch den moralischen Makel der schönen, aber ruchlosen Frau, die nicht nur drei Mal verheiratet war, sondern angeblich auch diverse Affären gehabt haben soll, wurde sie bis zu ihrem Tod – und darüber hinaus – nie mehr los.

«Ich denke, der Hauptgrund, warum Lucrezia Borgia noch immer nicht von ihrem schlechten Ruf befreit ist, ist eine Frauenfeindlichkeit, die sich über all die Jahrhunderte durchzieht», resümiert Autorin Friederike Hausmann am Ende des Films.

SRF 1, Sternstunde Religion, 10.05.2026, 10:05 Uhr

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