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Studie zur Radikalisierung innerhalb des Islams
Aus Kultur-Aktualität vom 25.05.2020.
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Forschung über Islamisten «Sie basteln sich ein Weltbild aus Informationen im Internet»

Viele radikale Muslime haben nur ein rudimentäres Verständnis vom Islam, sagt Experte Michael Kiefer.

Vier Jahre ist es her, als eine Gruppe radikaler Musliminnen und Muslime in Deutschland einen Anschlag plante. Die Organisation lief zum grossen Teil über WhatsApp – über 5000 Nachrichten wurden verschickt.

Michael Kiefer und sein Forschungsteam von der Universität Osnabrück haben diese Nachrichten analysiert. Die Studie war Teil des breit angelegten Forschungsprojekts «Religion als Faktor der Radikalisierung, Link öffnet in einem neuen Fenster», das gerade abgeschlossen wurde.

«Lego-Islam»

Es habe sich gezeigt, dass viele der radikalen Musliminnen und Muslime keine soliden Grundkenntnisse des Islams hätten, sagt Michael Kiefer. «Sie basteln sich ein Weltbild aus Informationen im Internet, dem einen oder anderen Vortrag und einzelnen Koran-Suren.»

Der Islamwissenschaftler nennt dies «Lego-Islam». Die meisten jungen Menschen, die sich radikalisierten, kämen aus einem religionsfernen Umfeld, sagt Kiefer. Sie sind zum Islam konvertiert oder stammen aus muslimischen Familien, die den Islam nicht regelmässig praktizierten.

Chance auf Deradikalisierung

Daneben gebe es natürlich auch die ideologisch gefestigten Fundamentalisten, die oft bereits aus radikalen Familien stammten. «Bei ihnen hat längst eine Dämonisierung und Entmenschlichung der Feinde stattgefunden.»

Drei Männer stehen einer Polizistin und einem Polizisten gegenüber
Legende: Radikale Koranverteiler 2012 am Berliner Potsdamer Platz: Polizisten verhaften sie, nachdem die Salafisten «Pro Deutschland»-Anhänger angreifen wollten. imago images / Christian Mang

Das mache den Weg aus der Radikalisierung schwer bis unmöglich. «Sie müssen überwacht und im Zweifelsfall weggesperrt werden», sagt Michael Kiefer.

Diese «Kaderpersönlichkeiten», wie Michael Kiefer sie nennt, sind aber die Ausnahme. Bei den meisten radikalen jungen Menschen bestehe die Chancen auf Deradikalisierung – mit der richtigen Methode.

Lange sei man davon ausgegangen, dass es Religionsexpertinnen brauche, um die radikalisierten Musliminnen und Muslime zu erreichen. «Das hat sich als falsch erwiesen», sagt Michael Kiefer. «Man kann junge Menschen nicht mit Glaubenskenntnissen zurück in die Zivilgesellschaft führen.»

Sozialarbeiter statt Theologinnen

Denn die Religion sei nur ein Faktor bei der Radikalisierung. Oft hätten die jungen Menschen Brüche erlebt – den Tod eines nahen Angehörigen, Misserfolge in Beruf oder Schule, die Trennung der Eltern.

«Statt Theologen braucht es deshalb mehr Psychologinnen und Sozialarbeiter – auch an den Schulen.» Denn je früher man erkennt, dass ein junger Mensch in die Radikalisierung abrutscht, desto grösser sind die Chancen, den Prozess aufzuhalten.

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Aus dem Archiv: Präventionsplan gegen Extremismus in der Schweiz
Aus Tagesschau vom 04.12.2017.
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Michael Kiefer nimmt nicht nur Schulen und Eltern in die Pflicht, sondern auch die Moscheegemeinden. «Sie müssen mehr tun, um die jungen Leute, die sich für den Islam interessieren, abzuholen.» Etwa in den sozialen Medien.

«Das Internet gehört noch immer hauptsächlich den Radikalen. Das muss sich ändern», sagt Michael Kiefer. Die Präsenz im Netz sei auch eine Frage des Geldes, das den Moscheegemeinden oft fehle. Trotzdem sei dieser Schritt zentral in der Radikalisierungsprävention.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 25.05.2020, 17.10 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Helmut Schlattinger  (Austria)
    Naja,
    "...radikalen Musliminnen und Muslime keine soliden Grundkenntnisse des Islams..."
    mir scheint - beim Durchlesen dieses Kommentars - JEGLICHE Kenntnis (!!!) von IRGENDETWAS bei diesen Personen zu fehlen; das kann, wie mir mitgeteilt wurde, aber auch durch allzu heftige Beschäftigung mit skurrilen Geschichten=Religionsrichtungen, schnell geschehen;-)
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Befreit von den Ketten der Religion, sind Kirchen, Literatur, Musik usf Zeugen unserer Geschichte. Für die meisten von uns sind Kirchenfeste zu trad.Anlässen geworden, Gelegenheit, wiedermal mit Familie+Freunden zusammenzusein, zum Glück. Uns merkt keiner mehr an, ob od.welchem Glauben wir angehören. Rel.Abgrenzung hat im Interesse des Gesellschaftsfriedens öffentlich nichts zu suchen u.sollte verboten werden. Was bliebe Religiösen, wenn sie sich nicht mehr öffentlich zur Schau stellen können?
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  • Kommentar von Walter Schmid  (W. Schmid)
    Schönes Bild. Warum werden solche Personen nicht postwendend ausgeschafft? Nein der Staat füttert sie noch durch. Genau darum wird sich die Geschichte eines Tages wiederholen. Nur mit neuen Verboten und alle die gegen die uferlose muslimische Zuwanderung sind, als RECHTS zu betiteln, wird die Gegenrichtung erstarken. Es gibt nur ein Weg dies zu verhindern, Linke Grüne und rote Politik wacht auf, sagt Stopp zur weiteren Zuwanderung und schafft solche Menschen aus.
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