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Legende: Audio Frauen in der Medienbranche: Wo steht die Schweiz? abspielen. Laufzeit 04:05 Minuten.
Aus Kultur-Aktualität vom 14.06.2019.
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Frauen in den Medien Der Wandel kommt nur träge voran

Frauen sind im Journalismus immer noch in der Minderheit – und das wird sich so schnell nicht ändern.

«Frauen werden in den Medien oft als Mütter abgebildet, als ‹Frau von› oder als ‹Mutter von›», sagt Kerstin Hasse vom Verein Medienfrauen Schweiz. «Männer werden als Fachexperten eingeladen.» In den Medien würden tradiierte Rollenklischees also immer noch zementiert statt aufgebrochen. Ein Problem für Kerstin Hasse.

Sie vernetzt und fördert Frauen in der Medienbranche und will erreichen, dass diverser über Frauen berichtet wird. Damit das geschieht, braucht es vor allem mehr Frauen im Journalismus.

Eine Frau im Radiostudio.
Legende: Gerade dort, wo Infos verbreitet, Meinungen gemacht, Rollenbilder weitergetragen werden, gibt es wenig Frauen. Keystone / GAETAN BALLY

Vinzenz Wyss von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW hat die Gleichberechtigung im Schweizer Journalismus untersucht.

«Der Anteil der Frauen in der Schweiz ist mit 39 Prozent unter dem internationalen Durchschnitt», sagt er. «Vier von zehn Journalisten und Journalistinnen sind Frauen.»

Schieflage im Sport

Kaum überraschend: Im Sportjournalismus sind nur 5 Prozent der Medienschaffenden weiblich. Ein Wandel komme hier nur träge voran.

«Man macht eben im Sportressort Sportjournalismus der alten Art», erklärt Wyss, «und nach dem Gusto der alten Führungskulturen.»

Durchmischter sieht es in den Ressorts Politik, Nachrichten und Wirtschaft aus. Doch auch hier sind die Frauen mit rund 30 Prozent in der Minderheit.

Hartnäckige Strukturen

«Das hat nicht damit zu tun, dass sich Frauen nicht für Politik- oder Wirtschaftsjournalismus interessieren, sondern dass auch dort die Strukturen schwierig zu durchbrechen sind», sagt Kerstin Hasse von den Medienfrauen. «An Sitzungen werden sie weniger ernst genommen, man gibt ihnen nicht die grossen wichtigen Themen.»

Dass ausgerechnet in den Bereichen Politik und Wirtschaft die höheren Löhne gezahlt werden als in den Kultur- und Unterhaltungsredaktionen, wo der höchste Anteil der Medienleute weiblich ist, sei für Frauen deshalb doppelt nachteilig.

Ein Aufnahmestudio: Auf einem Bildschirm ist das Gesicht einer Moderatorin zu sehen.
Legende: Was es braucht im Journalismus? Weibliche Vorbilder und eine systematische Frauenförderung in der Medienbranche. Keystone / GAETAN BALLY

Ein weiterer Grund für den geringeren Frauenanteil im Journalismus: Frauen ab 30 verlassen häufig die Medienbranche wieder.

Während die Männer aufsteigen, gehen Frauen auf dem Karriereweg nach oben verloren.

Beruf und Familie lasse sich in der Medienbranche nur schwer unter einen Hut bringen, sagt Hasse. Gleichstellung habe viel mit Familienpolitik zu tun. «Die OECD hat nachgerechnet: Wenn man die Kinder 100 Prozent in der Schweiz in die Kita gibt, blättert man die Hälfte seines Lohnes hin. In den meisten Familien macht heute die Frau die Abstriche bei der Karriere.»

Volkswirtschaftliches Desaster

Dadurch, dass Frauen mit besseren Voraussetzungen in den Beruf gestartet sind, dann aber aussteigen, ist das Ganze auch noch volkswirtschaftlich ein Desaster.

«Obwohl sie besser ausgebildet sind, haben wir in Führungspositionen viel weniger Frauen», sagt Wyss. «Da wird Potential nicht ausgeschöpft.»

Sowohl Wyss als auch Hasse kommen zum Schluss: Die Gleichberechtigung im Journalismus hat Nachholbedarf. Was es braucht, sind weibliche Vorbilder und eine systematische Frauenförderung in der Medienbranche.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Trasser  (chiggifan)
    Das Problem könnte auch ganz einfach beim Interesse liegen. Viele Dinge werden eher von Männern diskutiert, und allgemein diskutieren Männer lieber in der Öffentlichkeit. Man kann das auch in den Kommentarspalten,wo kein Mensch Geld verdient, beobachten.
    Aber Hauptsache man macht wieder ein wenig Männerbashing und positioniert die Frauen in der Opferrolle. Ist ja gerade in.
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    1. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Und Sie machen einmal mehr mit schwammigen Pauschalaussagen Stimmung gegen Frauen. Ja, es gibt Frauen- und Männerthemen, aber die Interessen sind nicht so eindeutig verteilt wie der Anteil der Journalistinnen vermuten lässt. Und dass männliche Journalisten häufig eine männliche Sicht vermitteln ist naheliegend.
      Für Sie ein ganz anderes Beispiel: Weil bei Auto-Crashtests fast nur Männer arbeiten, sind die Dummies auf Männerkörper ausgelegt. Deshalb sind schwere Verletzungen bei Frauen häufiger.
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  • Kommentar von Lukas I.  (Lukas I.)
    SRF Nachrichtenredaktion
    Leitung: Karin Britsch
    Anzahl Journalistinnen: 19
    Anzahl Journalisten: 21

    Hier scheint das kein grosses Problem zu sein.

    Schreibt doch mal bitte einen Beitrag zur Frauenquote beim Strassenbau, Gleisbau, Steinbruch, Förstern, Installieren von Hochspannungsleitungen, Reinigen von Kanalsystemen, Stahlwerk oder auch zur Feuerwehr.

    Passt plötzlich nicht mehr so ins Konzept?
    Wundert keinen, denn es werden Rosinen gepickt!
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    1. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Hier geht es um Jobs im Journalismus. Und auch wenn bei der SRF Nachrichten Redaktion das Verhältnis quasi ausgeglichen ist, heisst das nicht, dass es überall so ist - wie im Artikel erwähnt eben nicht.
      Und gerade weil im Journalismus das Geschlecht eigentlich keinen Einfluss haben sollte, wäre hier ein ausgeglichenes Verhältnis problemlos möglich und erstrebenswert.
      Ihr Whataboutismus bez. Strassenbau usw. trägt null zum Thema bei und ist völlig irrelevant.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Wenn man als Frau "Gleichstellung" Vorder muss man auch bereit sein "auch Männer Jobs" zu machen! Wir Männer wechseln ja auch unseren Babys "die verkackten Pampers"!
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    1. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Lieber Herr Heusser, genau darum geht es ja. Frauen wollen die Journalisten-Jobs in den "Männer-Ressorts", werden aber nicht ernst genommen. Und weil die Familienpolitik in der Schweiz nicht zeitgemäss ist, reduzieren Mütter häufig ihr Pensum und bekommen so erst recht keine guten Jobs mehr.
      Und ja, es gibt Männer, welche Windeln wechseln, aber Sie wollen kaum behaupten, dass Männer mehr Windeln wechseln als Frauen, oder?
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    2. Antwort von Stefan Trasser  (chiggifan)
      @Arno Zingg: "Frauen wollen die Journalisten-Jobs in den "Männer-Ressorts""
      Wer sagt denn das? Vlt. Wollen sie das gar nicht. Vlt. mögen sie einfach eher Glanz und Gloria, Tiere und Kultur. Niemand weiss das so genau. Sie nehmen einfach etwas an.
      Und wegen dem nicht ernst nehmen: ich habe sowohl Männer als auch Frauen im Leben, die ich nicht ernst nehme. Das ist normalerweise abhängig von Verhalten, Kompetenz und Stabilität
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    3. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Lieber Herr Trasser, das sagt z.B. Kerstin Hasse im Artikel oben.
      Und das heisst nicht, dass ALLE Frauen über Wirtschaft berichten wollen. Vermutlich sind es sogar mehr, welche lieber bei Glanz&Gloria sind. Aber es gibt dennoch mehr Frauen, welche sich für Wirtschaft und Politik interessieren, als der Anteil der Journalistinnen in dem Bereich.
      Und Einzelbeispiele sind nun mal nicht repräsentativ, Ausnahmen bestätigen die Regel.
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