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Der «Frauenatlas» untersucht die Lebensumstände von Frauen weltweit
Aus Kultur-Aktualität vom 20.11.2020.
abspielen. Laufzeit 04:08 Minuten.
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«Frauenatlas» mit neuen Daten Noch 217 Jahre bis zur Gleichstellung der Frauen?

Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist noch immer gross. Der neue «Frauenatlas» zeigt: So bald ist der Gender-Gap nicht Geschichte.

«Auf der Weltkarte der Frauen gibt es nur wenige ‹entwickelte› Länder», schreibt Joni Seager im Vorwort zur aktuellen Ausgabe des «Frauenatlas». Seager ist Professorin für Global Studies in Boston und als Geografin gefragte Expertin für globale Strategien in der Politik.

Dank Fakten Ungleichheit verstehen

Ohne die tatsächlichen Unterschiede im Leben von Frauen in «entwickelten» und «unterentwickelten» Ländern leugnen zu wollen, hält Seager folgende Tatsachen fest: Frauen sind überall auf der Welt unterbezahlt. Sie erfahren aufgrund ihres Frauseins Gewalt und werden durch Gesetze und Normen davon abgehalten, unabhängig zu leben.

Frauen machen den grössten Teil der Armen auf der Welt aus und leisten den Löwenanteil der unbezahlten Care- und Haushaltsarbeit. Sie sind oft von der Macht ausgeschlossen und müssen nach wie vor um ihre Rechte kämpfen.

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So verändern sich Geschlechterrollen in der Schweiz
Aus Kultur Webvideos vom 09.11.2020.
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164 ansprechend und verständlich gestaltete Karten und Infografiken sowie kurze Einführungstexte geben Einblick in die Lebensrealitäten von Frauen. Fakten tragen dazu bei, Ungleichheit zu verstehen. Insgesamt umfasst der «Frauenatlas» rund 60 Themen, die in Kapitel gegliedert sind wie Arbeit, Gesundheit, Besitz, Macht und Bildung.

520 Millionen Frauen können nicht lesen

Bildung ist der Schlüssel zur weiblichen Emanzipation. Heute können weltweit 780 Millionen Erwachsene weder lesen noch schreiben. Zwei Drittel davon sind Frauen. Das ist erschreckend und doch schon deutlich besser als noch vor 30 Jahren: Damals konnten 70 Prozent aller Frauen lesen. Heute sind es 82 Prozent.

Buchhinweis

Joni Seager: «Der Frauenatlas. Ungleichheit verstehen.» Hanser-Verlag, München.

Den ersten «Frauenatlas» veröffentlichte Joni Seager 1987 – jetzt liegt die fünfte Ausgabe vor. Die Autorin befasst sich also seit mehr als 30 Jahren mit den Lebensrealitäten von Frauen, kennt die relevanten Studien und listet diese im Anhang auch auf.

So erfahren wir zum Beispiel, dass nur ein Viertel der Weltbevölkerung Zugang hat zu sanitären Einrichtungen. Für Frauen ist das besonders entwürdigend. Fehlende Toiletten können auch dazu führen, dass Eltern ihre Töchter nicht mehr zur Schule schicken, besonders nachdem sie die Pubertät erreicht haben.

Schlusslicht Schweiz beim Wahlrecht

Der Atlas kartografiert die Welt aus weiblicher Perspektive – wie schneidet die Schweiz ab?

In der Tabelle zum Frauenwahlrecht ist sie das Schlusslicht: Während die Männer das Wahlrecht 1848 erhalten haben, war es bei den Frauen erst 1971 so weit. Dazwischen klafft eine Lücke von 123 Jahren.

Video
Gender Data Gap: Warum lange Schlangen vor Frauentoiletten kein Zufall sind
Aus Nouvo SRF vom 21.06.2019.
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Was den globalen Gender-Gap-Index betrifft, so liegt die Schweiz im oberen Mittelfeld: Sie schneidet besser ab als Italien, Österreich oder Singapur, aber schlechter als Deutschland, Frankreich oder Südafrika.

Liste der Fortschritte ist kurz

Neben Fortschritten in der Bildung und beim vollen Wahlrecht haben die meisten Regierungen mittlerweile Abkommen unterzeichnet, die die Frauenrechte anerkennen. Auch Lohnunterschiede werden vielerorts als Ungerechtigkeit wahrgenommen. Und sexuelle Belästigungen werden auch dank der #MeToo-Bewegung vermehrt öffentlich gemacht.

Doch die Liste der Fortschritte sei leider kurz, schreibt Joni Seager. Wenn es in diesem Tempo weitergehe, werde der Gender-Gap noch 217 Jahre bestehen bleiben. Diese Zahl mag etwas willkürlich erscheinen, unbestritten aber ist: Der Weg ist noch lang.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 20.11.2020, 11:29 Uhr

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Mario Albonico  (Mario Albonico)
    Die Grund-Idee der Frauenquote; bereits heute gibt es auf Tertiär-Stufe mehr Frauen mit einem Master-Abschluss, dies bspw. auch in Betriebswirtschaft. Es ist nachgewiesen, dass gemischte Führungsteams bessere Entscheidungen (sozial, ökologisch, ökonomisch) treffen als reine Männerteams. Eine Quote bringt unternehmen dazu, frühzeitig AUCH Frauen zu fördern, damit später auf GL/VR Ebene Frauen eingesetzt werden können. Ohne Quote, funktioniert es leider nur beschränkt..
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    1. Antwort von ely berger  (bernina)
      "Es ist nachgewiesen, dass gemischte Führungsteams bessere Entscheidungen (sozial, ökologisch, ökonomisch) treffen als reine Männerteams." Da stimme ich Ihnen von Herzen zu, das ist der Punkt (auch wenn es am Thema des Artikels vorbeigeht).
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  • Kommentar von Tobias Kübler  (Lulatsch)
    Von was für einer Gleichberechtigung redet man hier? Im Englischen gibt es zwei Begriffe: Equality of Outcome (Lohngleicheit etc.) und Equality of Opportunity. Wir leben in einem Staat, in welchem die Equality of Opportunity, also die Wahlfreiheit gegeben ist. Das ist ja auch wünschenswert, jeder, ob Mann oder Frau hat dieselben Möglichkeiten und darf sich frei entscheiden was sie oder er tun will, wobei im Arbeitsumfeld nicht das Geschlecht sondern die Leistung entscheiden sollte...
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  • Kommentar von Patrik Widmer  (aran)
    Die Schweiz könnte ja mal mit guten Beispiel vorangehen und
    - Pensionsalter der Frau erhöhen
    - Wehrpflich für Frau
    - Aufhebund von Frauensaunas, Frauenfitness und Frauenparkplätze
    - Auch Männergruppen kriegen Einlass in Clubs
    - Babyurlaub für Männer erhöhen
    - Männerquote bei Floristen und Hebammen
    - und Lohngleichheit!!
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    1. Antwort von ely berger  (bernina)
      "Wehrpflich für Frau". Gut - und der Mann/Freund schaut zu Kind und Kegel, putzen, kochen usw. "Aufhebund von Frauensaunas" Nei merci. Frauenparkplätze habe ich noch nie gesehen. Männergruppen in Clubs? In Schwangerschaftskursen oder was? Männerquote bei Floristeninnen/Hebammen. Ja gerne, zum gleichen Lohn. Vielleicht leiden 3/4 der Frauen weltweit sehr, rund 3 Milliarden (siehe Artikel). Aber der düpierte Mann will Einlass in eine Frauensauna. Die Realität lässt grüssen.
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    2. Antwort von Nicole Meier  (Oliv)
      Jaaaa bingo, warum sind wir nicht schon eher darauf gekommen. Lohngleichheit für Männer! Wie wäre das denn, wenn alle Männer genau gleich schlecht bezahlt würden wie Frauen?!!! Tja, dann hätten wir auch Lohngleichheit. Na, ihr lieben Männer, wie würdet ihr das finden? Die Arbeitgeber hätten bestimmt nichts dagegen euch allen den gleich miesen Lohn zu bezahlen wie den Frauen!
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    3. Antwort von Rolf Meier  (r0lf)
      @Oliv: Vielleicht ist es so, dass Männer mehr arbeiten, weil sie ja keine Kinder gebären können. Und sich gezielt Berufsfelder aussuchen, die mehr Verdienst bringen. Weniger auf die Work-Life-Balance achten. Längere Arbeitswege in Kauf nehmen etc.

      Das BFS bringt hierzu seit 20 Jahren eine Broschüre heraus. Die Gründe für Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau sind vielfältig. Einfach die Lohnsumme aller arbeitstätigen Frauen mit derjenigen aller Männer zu vergleichen (~18%), greift zu kurz.
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