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Im Keller des Kolosseums
Aus Kultur-Aktualität vom 15.07.2021.
abspielen. Laufzeit 03:29 Minuten.
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Frisch restauriert Roms Kolosseum öffnet seine eindrucksvollen Katakomben

In der grössten Arena der Antike gibt es immer noch Neues zu entdecken. Jetzt wurden die unterirdischen Gänge und Garderoben für Besuchende geöffnet.

Das Kolosseum in Rom ist unbestritten eines der bekanntesten antiken Monumente weltweit. Alle, die nach Rom reisen, besuchen auch die gigantische Arena. Bisher konnte man nur einen kleinen Teil der Kellergewölbe besichtigen: jene Räumlichkeiten, die einst den Backstage-Bereich der Kampfarena bildeten.

Rund 15'000 Quadratmeter Kellergewölbe, Hypogäum genannt, wurden in den vergangenen drei Jahren restauriert und zugänglich gemacht. Jetzt bekommen die Besuchenden zu sehen, was einst im Untergrund der ovalen Arena verborgen war: Räume, Säle und Korridore, wo Gladiatoren und wilde Tiere darauf warteten, in die Arena gebracht zu werden, um gegeneinander zu kämpfen.

Legende: Neuerdings ist der Untergrund des Kolosseums auch für Besucher:innen zugänglich – hier, wo einst Tiere und Gladiatoren auf ihren Kampf warteten. Keystone / EPA ANSA / RICCARDO ANTIMIANI

Restauriert und teilweise rekonstruiert wurden auch die für die damalige Zeit hochmodernen Lastenaufzüge. Diese transportierten überraschend schnell einen Gladiator oder ein Tier mitten in die Arena. Diese «Special Effects» machten so grossen Eindruck, dass antike Autoren darüber berichteten. Über die gleichen Lastenaufzüge wurden nach den Veranstaltungen auch die Leichen schnell entsorgt.

Seeschlachten im Kolosseum

Bei einem Besuch im Backstage des Kolosseums erläutern Guides die ausgeklügelte Bühnentechnologie, auch das Röhrensystem, mit dem in nur wenigen Stunden die Arena unter Wasser gesetzt werden konnte. Unter Kaiser Titus, der das Kolosseum einweihte, wurden so auch Seeschlachten nachgestellt: mit echten Galeeren und vielen echten Toten.

Tote gab es auch in den jetzt zugänglichen Räumlichkeiten unterhalb der Arena. Denn dort arbeiteten Heerscharen von Sklaven unter unmenschlichen Bedingungen.

Legende: Unterhalb der Arena arbeiteten meist Sklaven. Keystone / EPA ANSA / RICCARDO ANTIMIANI

Burg und Wallfahrort

Die Arena war von 80 nach Christus bis 523 in Betrieb. Dann verfiel das mächtige Bauwerk. Die Kellerräume wurden zugeschüttet. Das Arenen-Oval wurde zu einem Platz, auf dem man eine Kapelle und ein riesiges Kruzifix errichtete, im Gedenken an die bei den blutigen Spielen getöteten Christen. Anscheinend eine fromme Legende: Denn historisch konnte nie eindeutig nachgewiesen werden, ob tatsächlich Christen im Kolosseum abgeschlachtet wurden.

Ein Teil des Kolosseums diente im Mittelalter einer römischen Adelsfamilie als Burg. In den unteren Stockwerken lebten auch viele einfache Römer und betrieben dort ihre Werkstätten. Erst seit dem späten 18. Jh. begannen Archäologen mit der wissenschaftlichen Erforschung des Bauwerks.

Neuer Besuchermagnet

Von März 2020 bis Frühling 2021 waren Roms Museen und archäologische Stätten wegen der Covid-19-Pandemie geschlossen. Rom war ganz ohne Touristen. Doch Archäologinnen und Archäologen waren weiterhin im Einsatz. In Museen wie der Villa Borghese und auf dem Forum Romanum wurde auch während der pandemiebedingten Schliessungen gearbeitet.

Legende: Ein Teil des Kolosseums diente im Mittelalter als Burg. In den unteren Stockwerken lebten auch viele einfache Römer und betrieben dort ihre Werkstätten. Keystone / AP / ANDREW MEDICHINI

Das eindrucksvollste Resultat dieser Arbeiten ist unbestritten das immense Hypogäum des Kolosseums. Diese Kellerräume sind deshalb auch gleich zum neuen Besuchermagneten der wiedereröffneten Arena geworden.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 15.7.2021, 17:20 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
    ...in welchem Sinn und Umständen diese Stätten gebaut wurden, zeigt woher wir kommen undzu was wir fähig sind! (Diese menschliche Kultur ist beschämend und zu verwerfen, wie die NS-Zeit)
  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Sie wie damals die Sklaven das Kolosseum errichtet haben, so errichten heute die Männer die Fussball Stadien in Katar. In 100 Jahren wird man auch anders über unsere Geschichte berichten.
    1. Antwort von Verena Sommer  (VerenaS)
      Da bin ich mit Ihnen, in hundert Jahren wird man sich die Augen reiben. Aber nicht wegen der eventuell schlecht bezahlten aber freiwilligen Bauarbeiter in Katar, sondern wegen dem Verlust westlicher Prosperität durch eine verwöhnte, wehleidige, sich in Pseudomoral gefallende Gesellschaft.
  • Kommentar von Lukas Müller  (Schweiz ist tooop)
    2000 Jahre später weiss SRF entgegen sämtlicher Antiker Quellen natürlich alles besser und hat "bewiesen", dass im Kolosseum keine Christen getötet wurden...
    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      @Lukas Müller Die verbreitete Annahme, dass im Rahmen von Christenverfolgungen zahlreiche Märtyrer im Kolosseum den Tod gefunden hätten, ist tatsächlich nicht durch antike Quellen belegt. Auch die katholische Kirche geht davon aus, dass die Hinrichtungen – die es unbestritten gab – an anderer Stelle stattfanden.