Lebensraum Garten: Warum das Grün im Grau so wichtig ist

Eine Tasse gefüllt mit Erde, ein geranienbepflanzter Balkon oder ein Schlosspark – der Garten kann viele Formen annehmen und zahlreiche Funktionen haben: Paradies, Kunstwerk oder Experimentierfeld.

Illustration eines eingezäunten Gartens mit Blumen, Gartenzwerg und Schildkröte. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Es wächst viel mehr im Garten, als man sät», besagt ein altes, englisches Sprichwort. SRF/Simon Krebs

Er habe ja keinen grünen Daumen, munkelt man. Bundesrat Alain Berset ist so etwas wie der Obergärtner des nationalen Gartenjahrs 2016. Mag sein, dass der Magistrat keinen Bezug zu Salatsetzlingen, Irisblumen und Heimbuchen hat, aber die Funktion des Gartens trifft er punktgenau.

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Gartengeschichten

Warum fasziniert uns der Garten? Welche Rolle spielt er in unserer Gesellschaft? Wie sehen die Gärten der Zukunft aus? SRF widmet sich in einem Schwerpunkt vom 15. bis 22. Mai 2016 einem Ort, der vieles sein kann: Paradies, Kampfzone, Lebensgrundlage, Kunstwerk oder Experimentierfeld.

Berset spricht anlässlich des nationalen Gartenjahres von einem Ort der Freiheit: «Der Garten als Begegnungsraum braucht unseren Schutz. Gärten sind in einem Land unter hohem Siedlungsdruck zentral für unsere Lebensqualität.»

Wo vertikale Gärten sich erheben

Seit 2009 lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Grünflächen, Parks und Gärten werden immer wichtiger. Das Grün wird zum Argument für eine Stadt. In Paris wuchern vertikale Gärten. 2018 soll in London eine Gartenbrücke über die Themse wachsen.

In New York wird ein Pendant zur begrünten Hochbahnstrasse «High Line», der unterirdische Park «Lowline», geplant und im schwedischen Linköping entsteht eine futuristische Glaskugel für die Gemüseproduktion.

Diese Projekte sind laut, teilweise schrill, kostspielig und deshalb oft umstritten. Sie sind Symbole für ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Erholung und Ruhe, lebendige Zeichen für den bewussten Umgang mit der Natur.

Wie die Welt gefällt

Der Schweizer Landschaftsarchitekt Dieter Kienast schrieb: «Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum.»

Das nationale Gartenjahr ist gedacht als Aufruf den Garten zu schützen, sich seines Wertes zu versichern. Es lädt ein, ihn bewusster wahrzunehmen. Im Garten können wir wagemutiger sein, bunter, unangepasster – wir können uns die Welt so säen und pflanzen, wie sie uns gefällt.

Multikulti in der Oase

Zugleich lernen wir hier das Andere als zentralen Teil der eigenen Welt zu sehen. «Es wächst viel mehr im Garten, als man sät», besagt ein altes, englisches Sprichwort. Multi- statt Monokultur ist Trumpf.

Ist der Garten noch so klein, steht er immer für das grosse Ganze. Der englische Geograf Denis Cosgrove definierte die Landschaft als eine Art, die Welt zu betrachten. Gärten sind lebendige Zeugen unserer Haltungen dem Leben gegenüber.

Egal ob als Ruheoase, Anbaufläche oder Experimentierfeld – Gärten veranschaulichen uns den ständigen Kreislauf des Lebens – dessen Unentrinnbarkeit. An diesem Ort lernen wir das leichte Loslassen. Die Hoffnung, dass das Gute immer noch vor uns liegt, durchströmt jedes Blatt und jede Blüte, jeden Garten.