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Gesellschaft & Religion Gastprofessor bringt die islamische Perspektive an die Uni Zürich

Die Universität Zürich hat neu einen Gastprofessor für Islamische Theologie: Abbas Poya. Er will keine Dogmen vorgeben, sondern verschiedene Facetten des Islam aufzeigen – dies sei gerade in Einwanderungsländern wichtig. Trotzdem gibt es Befürchtungen, dass Fundamentalismus gelehrt werden könnte.

Die aufgeschlagene Seite eines Korans.
Legende: An der Universität Zürich sollen künftig verschiedene Zugänge zur Islamischen Religion und zum Koran gelehrt werden. Flickr/abdullahyavuz

Das Vorhaben, Islam an Schweizer Universitäten zu bringen, gibt immer zu reden. Das Zentrum für Islam und Gesellschaft an der Universität Freiburg, das Anfang Jahr eröffnete, wird bis jetzt politisch bekämpft.

Auch in Zürich sind die Kritiker zur Stelle. Rechtsbürgerliche Politiker äussern Bedenken gegenüber der neuen Gastprofessur für Islamische Theologie und Bildung. Bevor Abbas Poya auch nur eine Vorlesung gehalten hat.

Keine Imam-Ausbildung

Sie befürchteten, dass eine kritische Reflexion über den Islam gar nicht möglich sei. Zudem gehen einige davon aus, dass die Gastprofessur ein erster Schritt in Richtung Imam-Ausbildung sein soll. Die Universität hält aber trotz solchen Einwänden an der Gastprofessur fest. Eine Gastprofessur, gesichert für die nächsten drei Jahre, sei keine Imam-Ausbildung.

Otfried Jarren, Prorektor der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät betont zudem, dass eine islamische Betrachtung der Religion an der Universität Zürich nötig sei: «Wir sind in Europa in Einwanderungsgesellschaften, wir haben verschiedene Ethnien und Glaubensgemeinschaften. Das gemeinsame Europäische und auch Schweizerische muss jeweils neu gefunden und ausgehandelt werden, auch zwischen Glaubensgemeinschaften.» Das heisst: Es ist ein Dialog gefragt, der alle Seiten miteinbezieht. Eben auch Muslime.

Vielseitigkeit als Programm

Bisher hat man an der Universität Zürich den Islam aus verschiedenen Perspektiven betrachtet – aber nicht aus muslimischer. Der neue Gastprofessor Abbas Poya vermittelt nun diese muslimische Sichtweise, aber nicht nur. Neben Islamischer Theologie hat der gebürtige Afghane auch Islamwissenschaft studiert, in Deutschland, Iran und Syrien. Er kennt also verschiedenste Zugänge zur Religion, verschiedene Kulturen.

Diese Vielseitigkeit ist sein Programm. Er will auf brennende Fragen verschiedene mögliche Antworten aufzeigen. Als Beispiel nennt er die Frage, was denn im Islam Gerechtigkeit bedeutet. Darauf haben in der islamischen Geschichte verschiedene Gelehrte ganz unterschiedliche Antworten gefunden.

Offene und tolerante Haltung

In der Schweiz nimmt man oft nur einen fundamentalistischen Islam wahr. Dieses Bild will Abbas Poya korrigieren: «Der Islam hatte in seiner eigenen Geschichte längere Zeit eine sehr plurale, vernunftorientierte aber auch offene und tolerante Haltung gepflegt. Es geht nur darum, dass man diese Seite vom Islam auch kennenlernt.» Aber natürlich kennt Abbas Poya auch den fundamentalistischen Zugang zur Religion. Aber nur wenige Muslime würden sich dazu bekennen.

Abbas Poya will nicht vorgeben, welcher Standpunkt der richtige ist, sondern die verschiedenen Ansätze und Argumentationsmuster vorstellen. Letztlich müssten die Studierenden selbst darüber befinden, welchen Standpunkt sie einnehmen. Damit nimmt Abbas Poya seinen Kritikern den Wind aus den Segeln, die befürchteten, es würden dann fundamentalistische Normen gelehrt.

Frieden durch Gastprofessur?

Abbas Poya und auch die Verantwortlichen der Universität machen sich deshalb wegen der Kritik von politischer Seite her keine Sorgen. Poya sagt: «Ich glaube, diese Gastprofessur für Islamische Theologie und Bildung wird zeigen, dass es eine gute Initiative war. Gut für die Gesellschaft, für das friedliche Zusammenleben und vor allem für die Aufklärung der Menschen.»

Das sind grosse Ziele. Ob eine Gastprofessur sie erfüllen kann, wird sich zeigen. Aber es ist vielleicht ein erster Schritt, damit sich die Diskussion um den Islam etwas entspannt.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Und der erste Faktor ist nicht verhandelbar, da dadurch die Lebensgrundlage, die Existenz der Menschen in der Region auf die Dauer auf dem Spiel steht. Wer z.B. in einem Bikini in der Wüste wandern geht, darf sich nicht über Verbrennungen wundern. Und über den zweiten Verhandelt man m.E. auch nicht aus Respekt und Rücksichtnahme vor denjenigen, welche diese Region aufbauten.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    «Wir sind in Europa in Einwanderungsgesellschaften, wir haben verschiedene Ethnien und Glaubensgemeinschaften. Das gemeinsame Europäische und auch Schweizerische muss jeweils neu gefunden und ausgehandelt werden, auch zwischen Glaubensgemeinschaften.» Von einem Prorektor hätte ich nun erwartet, dass er erkannt hätte, dass über manches nicht verhandelt werden darf, das die Kultur einer Region sich aus geographischen, historischen und ideologischen zusammensetzt.
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  • Kommentar von Dölf Meier, Uster
    @künzi. Ich habe mich mit allen Weltreligionen befasst. AT, NT und Koran dürfen nicht abgeändert werden. Die Juden warten auf ihren Messias, die Christen auf das erneute Erscheinen von Jesus in der Schlacht von Harmageddon und die 1000 jährige Friedenszeit und der Islam will die Weltherrschaft und rechtfertigt aus seine Weise das Töten.
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach, Biel/Bienne
      "...die Christen auf das erneute Erscheinen von Jesus..." Dann machen Sie mal... Sie könnten ja diesen Job übernehmen.
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    2. Antwort von Rolf Künzi, Winterthur
      Haben Sie einmal Bücher von wirklich Erleichteten gelesen die nicht über 1500 Jahre alt sind. Genau das meine ich mit Niveau heben. Weiter suchen und nicht nur mit derselben Meinung mit der man an ein Buch geht herausgehen. Konnten sich zum Beispiel die Heiligen nach Mohamed außerhalb des Koran ausdrücken oder wäre dies sofort ihr Tod? Konnte Rumi oder Hafis sich vom Koran lösen. Im Hinduismus ist dies möglich. Ramana Maharshi oder Ramshrishna oder Ramesh S. Balsekar waren auch Erneuerer.
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