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Die Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zürich
Aus Kontext vom 10.12.2018.
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Gewalt gegen Kinder Wenn der Kinderarzt Alarm schlägt

551 Mal schöpfte er Verdacht, 390 Mal lag er richtig: Der Chefarzt Notfall des Kinderspitals Zürich über Gewalt gegen Kinder.

«Ein Kind unter sechs Monaten sollte keine Blutergüsse aufweisen», sagt Georg Staubli, Chefarzt Notfall im Kinderspital Zürich und Leiter der dortigen Kinderschutzgruppe. Wenn doch, müsse man sich Gedanken darüber machen, wie es dazu kam.

«Wieso kann ein Kind, das sich noch nicht bewegen kann, solche Hämatome oder andere Verletzungen aufweisen?» Bei Verdacht auf Misshandlung spricht die Ärztin oder der Arzt mit den Eltern.

Arzt in weisser Kleidung in einem Spital
Legende: Als Arzt am Kinderspital sieht Georg Staubli viele Verletzungen. Bei Verdacht auf Gewaltanwendung reagiert er. Christian Schnur

«Ältere Kinder haben häufig Blutergüsse, weil sie sich bewegen. Bei ihnen kommt es darauf an, wo die Verletzungen zu finden sind», sagt Staubli. «Auffällig sind Verletzungen im Genitalbereich, am Rücken oder an den Innenseiten der Extremitäten.»

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Das Ausmass der Gewalt gegen Kinder
28:25 min, aus Kultur kompakt vom 15.06.2018.
abspielen. Laufzeit 28:25 Minuten.

Stabile Fallzahlen

In den letzten zehn Jahren sei die Zahl der Misshandlungsfälle, die in der Kinderschutzgruppe Zürich verzeichnet wurden, konstant geblieben, sagt Staubli. 2017 hat man 551 Mal Verdacht geschöpft, 390 Mal hat sich dieser bestätigt: Eltern haben ihr Kind körperlich, psychisch oder sexuell misshandelt oder haben es vernachlässigt.

Gesamtschweizerisch am häufigsten sind Vernachlässigung oder körperliche und psychische Misshandlung, oft sind Kinder auch von Gewalt in bestehender oder aufgelöster Partnerschaft und sexueller Belästigung betroffen. Die Dunkelziffer ist hoch.

Wie reagieren Eltern?

Kinderschutzgruppen, wie sie das Kinderspital Zürich 1969 schuf, leisten viel, um Misshandlungen aufzuklären und zu verhindern. Sie gehören heute zum Standard von Krankenhäusern.

«Sobald wir zu einem Verdacht gelangen, fragen wir die Eltern, wie eine Verletzung zustande gekommen ist», erklärt Staubli das Vorgehen. Man schaue dann, wie die Eltern reagieren.

«Grössere Kinder fragen wir selbst: Was hast du denn gemacht? Kinder, die sich verletzen, erzählen sehr gerne, was passiert ist.» Die Antworten klären vieles.

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Aus dem Archiv: Wie kann Gewalt an Kindern verhindert werden?
Aus Schweiz aktuell vom 30.04.2015.
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Zeit gewinnen

Verhält sich das Kind aber eigenartig oder bleiben die Eltern vage, hätten die Kinderschützer einen zweiten Anhaltspunkt. «Bei besonders schweren Verletzungen nehmen wir die Kinder stationär auf, um sie vor weiteren Gefahren zu schützen. So haben wir auch Zeit zum Abklären.»

Wenn die Eltern nicht einsichtig sind, oder wenn eine akute Gefahr für das Kind besteht, ergeht eine Meldung an die Behörde.

Wenn «die Hand ausrutscht»

«Eltern, die schlagen, sind in der Regel überfordert», sagt Georg Staubli. «Das sind nicht böse Eltern, sondern sie wissen nicht, wie sie mit diesem Kind umgehen sollen. Das sind eher Eltern, die nicht sehr autoritär erziehen und denen die Kinder schliesslich auf der Nase herumtanzen. Irgendwann wissen sie nicht mehr mit ihnen umzugehen.»

Hilfe für Eltern

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Nicht selten gäben Eltern zu, dass sie das Kind geschlagen haben, stellt der Kinderschützer fest, «aber sie verniedlichen es. Sie sagen: ‹Ich habe das Kind am Ohr genommen› oder ‹mir ist die Hand ausgerutscht›. Mit diesen Eltern kann man zu arbeiten anfangen.»

Rat des Kinderschützers

Was empfiehlt Georg Staubli den Eltern? «Holt Hilfe, wenn ihr merkt, ihr tut etwas mit eurem Kind, das ihr eigentlich gar nicht wollt.» Auch das Umfeld müsse reagieren und Zivilcourage zeigen, damit es gar nicht zu Verletzungen kommt.

«Es wäre wichtig, vorher einzugreifen, als Nachbar, als Verwandter.» Er wünscht sich einen gewaltfreien Erziehungsstil. «Auch als Erwachsener will ich nicht eine Ohrfeige bekommen, wenn ich etwas Dummes tue. Ich möchte, dass man das mit mir bespricht.»

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Michaela Schmid  (Mitdenkerin)
    Sehr geehrtes SRF, eine Graphik mit lesbaren Zahlen wäre schön und auch etwas aussagekräftiger.
    Ansonsten ein interessanter und fairer Artikel zu diesem traurigen Thema, danke. Jedes geschlagene Kind ist eines zu viel, und es bleibt zu wünschen, dass es und seine Eltern die entsprechende Hilfe bekommen - hoffentlich schon bevor es zur Gewalt kommt.
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      Guten Tag, wenn Sie mit dem Finger bzw. der Maus einen Balken in der Grafik anwählen, sehen Sie den genauen (Prozent-)Wert. Die absoluten Zahlen stehen in der Optimus-Studie «Kindeswohlgefährdung in der Schweiz», die derzeit leider nicht online verfügbar ist.
  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Kinderschutzgruppen an Spitälern können die Gewalt zu erkennen...SF lesen diesen Satz...aus Ihrem Untertitel...
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      Danke für den Hinweis und Entschuldigung für den Fehler - er wurde inzwischen korrigiert.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Eine sehr traurige Bilanz, welche sich leider - trotz allem Wissen und Erkenntnissen - über Jahrzehnte hinzieht, weil die Schweizer Justiz sich auch dabei handlungsunfähig zeigt und "Kuscheljustiz" für die TäterInnen handhabt! Im Zweifel für die "Täterschaften", aber nicht für die "Opfer" = unfähige Schweizer Gerechtigkeit gegen die Opfer von Gewalt/sexuellem Missbrauch!!
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    1. Antwort von Aline Muller  (amuller)
      Die erste Frage ist, strafen wir nicht auch die Kinder wenn wir solche Eltern (die auch Täter sind, das ist unbestritten) härter bestrafen und Kinder nicht mehr im gewohnten Umfeld aufwachsen können oder länger von ihren Eltern getrennt sind? Der zweite Frage, würden härtere Strafen solche Gewaltverbrechen verhindern?