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Sarah Akanji: Vielseitige Vorkämpferin – auf und neben dem Platz
Aus Kulturplatz vom 02.09.2020.
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Gleichberechtigung im Fussball Sarah Akanji kämpft für Chancengleichheit – auch wenn sie aneckt

Voller Einsatz: Sarah Akanji setzt sich für den Frauenfussball ein und startet auch in der Politik durch. Die Hingabe kommt aus der Familie.

«Jede und jeder soll tun können, was ihr oder ihm entspricht. Und wenn uns etwas wichtig ist, übernehmen wir Verantwortung und engagieren uns für unsere Leidenschaft.» Nach diesem Motto wuchsen die drei Kinder der sportbegeisterten Familie Akanji auf.

Mit öffentlichem Erfolg: Sarahs Schwester Michelle ist heute Co-Leiterin des Theaterhauses Gessnerallee. Ihr Bruder Manuel ist Fussballprofi. Er spielt bei Borussia Dortmund und in der Schweizer Nationalmannschaft.

Optimal vs. wackelig

An Sarah Akanjis Familie wird sichtbar, was Mädchen und Buben im Fussball erreichen können: «Mein Bruder Manuel und ich haben beide extrem gerne Fussball gespielt», erinnert sich die 27-Jährige. «Wir wollten beide weiterkommen.»

Der Innenverteidiger wurde gefördert. Sie, die ebenfalls talentierte Innenverteidigerin, nicht: «Bei ihm hat sich ein optimaler Weg ergeben und bei mir eher ein wackliger.»

Ihr Weg begann mit zehn Jahren, als sie dem FC Wiesendangen beitrat. Als einziges Mädchen spielte sie bei den Buben mit.

Willkommen war sie nicht immer: «Als Jugendliche foulten mich die Gegenspieler teilweise extrem hart, um mir zu zeigen, dass ich hier nichts verloren habe», erzählt Sarah Akanji. «Oder sie wichen mir aus.» Das sei beides demütigend gewesen.

Vorurteile als ständige Begleiter

In der Männerdomäne Fussball musste sie sich auch später einiges gefallen lassen. Kommentare wie «Du gehörst in die Küche!» kennt sie zur Genüge.

Genauso wie mangelnde Wertschätzung im Alltag. Als Tochter einer Schweizerin und eines Nigerianers in der Schweiz geboren und aufgewachsen, musste sie sich seit eh und je gegen Vorurteile aller Art wehren.

Der Fussball hat Sarah Akanji politisiert

«Geh doch dahin zurück, wo du herkommst» musste sie sich immer wieder anhören. «Was soll das?», konterte Akanji. «Ich komme aus Wiesendangen.» Von den Ungerechtigkeiten liess sie sich aber nicht unterkriegen. Im Gegenteil.

In ihr wuchs das Bewusstsein: Ich darf hier sein. Ich darf Fussball spielen. «Es hat mir geholfen, meine Stimme zu finden. Zu sagen: ‹Hey, da ist etwas wirklich nicht in Ordnung.› Ich glaube, es hat in mir einen Kampfwillen hervorgebracht, der mich dann auch politisch geprägt hat, um gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung zu kämpfen.»

Zum Beispiel für mehr Frauen auf dem Fussballfeld.

Anderen Mädchen Türen öffnen

Sarah Akanji schaffte es bis in die oberste Schweizer Spielklasse, zum Nationalliga-A-Club St. Gallen. Doch dann wurde sie durch Knie- und Hüftverletzungen gebremst.

Heute ist sie Kapitänin in der dritthöchsten Spielklasse, beim FC Winterthur – dem Team, das 2016 auf ihre Initiative hin entstanden ist: «Ich dachte, das kann ja nicht sein. Winterthur ist die sechstgrösste Stadt der Schweiz. Es gibt unglaubliches Potenzial von Fussballerinnen, aber einfach kein Angebot und keine Förderung. Wenn es niemand macht, dann übernehme halt ich.»

Der beharrliche Kampf für ihr Frauenteam hat sich gelohnt: Es gibt immer mehr Juniorinnen. Und mehr Mädchen können vom Spitzensport träumen.

Sie macht trotzdem Karriere – in der Politik

Vom Fussball leben: Das kann die Sarah Akanji trotz aller Leidenschaft nicht. Es gibt keine Profifussballerinnen in der Schweiz. Alle müssen neben dem Sport noch einem Beruf nachgehen.

Doch Sarah Akanji, die Politik und Geschichte studiert hat, macht dafür als Politikerin Karriere. 2019 wurde sie mit einem Glanzresultat für die SP in den Zürcher Kantonsrat gewählt.

Dort kämpft sie vor allem für Chancengleichheit, damit alle Menschen das tun können, was sie gerne machen würden. Akanji will ihnen das ermöglichen, was ihre Eltern ihr als Lebensmotto mitgegeben haben.

Sarah Akanjis Pläne

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Im Herbst wird Sarah Akanji ein Studium der Gesellschaftswissenschaften an der Uni Basel beginnen. Daneben schreibt sie Sportkolumnen und politisiert für die SP im Kantonsrat Zürich. Fussball möchte sie noch so lange spielen wie möglich – und sich weiterhin für den Frauenfussball einsetzen.

SRF1, Kulturplatz, 02.09.2020, 22:25

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Akanji findet sie wurde extra hart gefoult.. dies ist leider genau eben auch der Fall was viele Jungs erleben und die können nicht sagen, "dass war weil ich ein Mädchen bin!" Die Realität ist, dass eine Frau nie das Niveau und die Härt wie bei Männern mithalten kann. Ansonsten hätte Sie wohl sich eher uach durchgesetzt, oder nicht? Wie sehe die Welt aus wenn schwächere Jungs wie die Frauen gefördert werden? Etwas das man sich mal überlegen muss!
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  • Kommentar von Petar Jovic  (Petar)
    Gleichberechtiung ja. ABER!
    Als die EM oder WM der Frauen auf SRF lief, hat es keine Frau in meinem Geschäft geschaut weder interessiert sondern ich habe es geschaut.. Ich der sonst auch Fussball mag, was ich sagen will, gewisse Sachen kann man zwar erzwingen, dann muss man das aber auch leben...
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  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Tatsache ist, dass Frauen kaum vom Fussball leben können. Die Stadien sind in der obersten Liga mit ein paar 100 Zuschauern belegt. In Deutschland. Dies ist und bleibt eine Randsportart. Btw: ich habe als Teen auch mit den Jungs spielen müssen. Ich kriegte zuerst Sprüche, dann war Ruhe. Ich liess keinen durch, der Sprücheklopfer schon. Typisch f.Jungs: es ging um Konkurrenz.
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