Guerilla-Gärtner macht die Stadt essbar

In Zürich ist er bekannt wie ein bunter Hund: Maurice Maggi ist seit fast 30 Jahren Guerilla-Gärtner, seine Werke nennt er Blumen-Graffiti. Jetzt geht er noch einen Schritt weiter und sagt: Die Stadt ist essbar. Das Kochbuch dazu – inklusive eines Gerichts mit Taube – ist im Frühjahr im Handel.

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Maurice Maggi bei seiner Ernte

0:42 min, aus Kulturplatz vom 9.10.2013

Maurice Maggi hat ein Markenzeichen. Es ist die Malve. Es scheint, als habe er in jeder noch so kleinen Naturnische, die die Stadt hergibt, seine Wildblumen gesät.

Maurice Maggi Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit Malven fing die Guerilla-Gärtnerei an. Maggi: «Die jungen Blätter sind ein total feines Gemüse, ähnlich wie Spinat.» SRF

Früher ging der ausgebildete Landschaftsgärtner bei Nacht und Nebel auf Tour, säte um Alleebäume, begrünte Brachflächen und Bahnborde. Heute blühen seine floralen Graffitis mit städtischer Unterstützung. Die Stadt Zürich hat sein Konzept übernommen und verteilt jetzt selbst Blumensamen an die Bevölkerung.

Vom Gärtner zum Koch

Im Frühling 2014 erscheint nun das Kochbuch «Essbare Stadt» von Maurice Maggi. Darin versammelt der Guerilla-Gärtner und Profi-Koch 70 «Stadt-Rezepte»: Jedes Gericht enthält mindestens eine Zutat aus der Stadt. Wilde Kräuter, Beeren oder Blumen verwendet er für seine Gerichte.

Maggi versteht das Kochbuch als Weiterentwicklung seiner Arbeit. Mit seinen Wildblumen im urbanen Raum setzt er sich immer noch für eine lebendige, heterogene Stadtnatur ein.

Das Kochbuch soll nun die Städter dazu anregen, die Stadtnatur anders wahrzunehmen: «Mein Wunsch wäre es, dass die Menschen spielerisch mit den Pflanzen in der Stadt umgehen und auch mal etwas ausprobieren. Wenn ich das geschafft habe, habe ich schon viel erreicht.»

Rezept mit Taube

Maurice Maggi ist als Guerilla-Gärtner bestens bekannt, er gilt aber auch als grosser Könner in der Küche. Im Moment kocht er für eine Catering-Firma. Früher leitete er verschiedene Edel-Restaurants in Zürich und New York. Aus der US-Metropole brachte er nicht nur diverse Kochtechniken mit, das Leben in der Grossstadt beeinflusste auch sein Umgang mit dem Grün in der Stadt.

«Tavolata-Foto» von Maurice Maggi. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die vier Jahreszeiten werden im Kochbuch jeweils mit einem «Tavolata-Foto» eingeläutet. Hier der Sommer. Juliette Chretien

Im Kochbuch «Essbare Stadt» schlägt Maurice Maggi 69 vegetarische Rezepte vor und ein Gericht mit (Stadt-)Taube. Dazu macht er Zürcher Pflanzen- und Küchen-Spezialist auch klar, was noch zu einem guten Stadt-Essen gehört: Die richtigen Menschen.

Die vier Jahreszeiten werden im Buch jeweils mit einem «Tavolata-Foto» eingeläutet.

Grosse Tischgesellschaften, die nicht nur die Kreationen auf dem Teller feiern, sondern auch die Kreativen der Stadt am Tisch versammeln. Maurice Maggi meint: «Kochen kann die Welt verändern. Denn wo gekocht wird, hat es Menschen, und wenn man zusammen isst, passiert etwas. Über gut gefüllten Tellern ist schon ziemlich viel auf dieser Welt angestossen oder entschieden worden.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Essbare Stadt - Maurice Maggis Geheimnis

    Aus Kulturplatz vom 9.10.2013

    Maurice Maggi ist bekannt geworden durch das nächtliche Aussähen von Malvensamen unter Stadtbäumen. Er gilt als helvetischer Urvater des Urban Farming und Urban Gardening. Im Februar 2014 erscheint sein erstes Kochbuch mit dem Titel «Essbare Stadt». Darin leitet er zu 69 vegetarischen Gerichten und zu einem Mahl mit Taube an. «Kulturplatz» begleitet Maurice Maggi einen Tag lang, kauft mit ihm die Tauben am Markt, geht auf Kräutersuche, kocht mit ihm das Essen und ist beim Fotoshooting für das Kochbuch dabei.

    Nino Gadient