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Muslimische Sozialarbeit und der Kreuzzug polnischer Bischöfe
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Hass und Hetze Polens Kreuzzug gegen die LGBT-Szene

«Regenbogenfarbige Plage»: In Polen bekämpfen Kirche und Regierung Schwule, Lesben und Transgender-Menschen. Was steckt dahinter?

An diesem Juli-Tag ist Bialystok besonders aufgeheizt. Schwule, Lesben, Bisexuelle spazieren durch die ostpolnische Stadt, schwingen Regenbogenfahnen.

Diese Märsche für Toleranz haben sie schon in vielen polnischen Städten veranstaltet, unbehelligt. In Bialystok aber geht ein wütender Mob auf sie los, schreit, prügelt, verletzt Menschen. Das Fernsehen filmt alles.

Eine bisexuelle Marsch-Teilnehmerin sagt zu einem amerikanischen Fernsehreporter: «Ich habe Angst». Dann schreit der Mob sie nieder, man hört sie noch sagen, sie fühle sich nicht willkommen im eigenen Land.

Die Kirche ist einverstanden

Der katholischen Kirche Polens sind Menschen wie sie tatsächlich nicht willkommen. Kurz vor dem Marsch in Bialystok schrieb der Vorsitzende der Bischofskonferenz Stanisław Gądecki in einer Zeitung, die LGBT-Szene verfluche Gott, entrechte den Menschen.

Der hohe Kirchenmann ist seither kein Jota vom Geschriebenen abgewichen. Und andere Bischöfe predigen Ähnliches. So sagte der Krakauer Erzbischof kürzlich, Polen habe die rote Plage des Kommunismus überstanden. Jetzt müsse das Land gegen die regenbogenfarbige Plage kämpfen, gegen die LGBT-Szene.

Der Papst ist anderer Meinung

Magdalena Chrzczonowicz ist Journalistin bei der regierungskritischen Internet-Plattform Okopress. Sie kennt die polnische Kirche gut. Und sagt: «Kein wichtiger Kirchenmann in Polen setzt sich ein für LGBT-Menschen.»

Damit ist die polnische Kirche nicht auf der Linie des Vatikans. Papst Franziskus hat mehrmals gesagt, man dürfe Homosexuelle nicht diskriminieren.

Doch das interessiert viele Menschen nicht: In Polen zählt, was die polnische Kirche sagt: Die Gotteshäuser sind immer noch voll am Sonntag.

Kirche und Regierung Hand in Hand

Gegen Homosexuelle und Transgender-Menschen wettert die Kirche aber nur deshalb so laut, weil auch die Politik sich auf sie eingeschossen hat. Polens starker Mann heisst Jarosław Kaczyński, er ist Chef der konservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit.

Kürzlich hat er dem Erzbischof von Krakau von ganzem Herzen dafür gedankt, dass dieser gegen die «regenbogenfarbige Plage» kämpfe. In zwei Monaten wählt Polen.

Es ist also Wahlkampf, jede Woche schimpfen im Moment Politiker der Regierungspartei über alles Regenbogenfarbige.

Eigentlich geht es LGBT-Menschen besser

Das Zusammengehen von Kirche und Politik in Polen nützt beiden. Von der Kanzel aus empfehlen Priester, man solle die Regierungspartei wählen. Und die konservativsten Kirchenleute bekommen dutzende Millionen Steuergelder von der Politik – für Forschung, Werbung, sogar Denkmäler.

Doch warum eigentlich das Feindbild LGBT? Die Antwort ist ermutigend für LGBT-Menschen in Polen: weil sich ihre Lage insgesamt verbessert hat in letzter Zeit.

Zwei Beispiele: Einige erfolgreiche Politiker leben offen schwul und die Stadt Warschau hat neu eine Charta für Gleichberechtigung. Gerade weil auch in Polen andere Spielarten der Sexualität, andere Geschlechterrollen normal werden, regen sich Kirche und Konservative so auf.

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