Der Māori-Flusswächter Ned Tapa lädt einen Ältesten der First Nations aus Australien und dessen Tochter zu einer Kanufahrt auf dem neuseeländischen Fluss Whanganui ein. Der Whanganui erlangte 2017 weltweit Bekanntheit, weil ihm das Parlament Neuseelands aufgrund seiner kulturellen und spirituellen Bedeutung für das Volk der Māori den Status einer juristischen Person verlieh.
Begleitet werden die drei von einer Filmcrew aus Europa und Ned Tapas Hund Jimmy. «Wir kannten Ned von einem früheren Projekt, und als er uns einlud, mit ihm und seinen australischen Gästen den Whanganui paddelnd auf dem Wasser zu erkunden, waren wir sofort dabei», sagt Corinne van Egeraat, die den Film mit Regisseur Petr Lom produzierte. «Es geht um kaupapa, wie die Māori sagen, um einen moralischen Kompass, der uns durchs Leben leitet.»
Der Fluss ist ein Vorfahr
Für die Māori sind Mensch und Natur eins, wie es der Klangkünstler Puoro Jerome erklärt: «Je nachdem, aus welcher Region man kommt, haben wir alle einen Berg und einen Fluss, auf den wir uns berufen. Wenn wir also eine Ansprache halten oder uns vorstellen, nennen wir zuerst den Berg, dann den Fluss, dann den Stamm und die Unterstämme und zum Schluss unseren Namen.»
Diese Weltsicht sei der weissen Mehrheit inzwischen bekannt, auch weil Neuseeland – oder Aotearoa, wie die Māori ihr Land nennen – in den letzten Jahrzehnten signifikante Fortschritte erzielte, wie Corinne van Egeraat erklärt. «Die Sprache der Māori – Te reo Māori – ist eine Landessprache und wird inzwischen auch von Weissen gelernt, ihre Kultur ist anerkannt und Teil des nationalen Selbstverständnisses.»
Auswirkung des Kolonialismus
Das war nicht immer so. Im Gegenteil: Der Kampf um den Whanganui River reicht über 140 Jahre zurück und beginnt mit der Ankunft weisser Siedler aus Europa. Es ist eine Geschichte, die auch in den USA, Kanada oder Lateinamerika spielen könnte. Also überall dort, wo sich weisse Europäer niederliessen und Flora, Fauna und der einheimischen Bevölkerung ihre Weltsicht und Lebensweise aufzwangen.
Rechtlich gesehen, so erklärt es eine neuseeländische Parlamentarierin im Film, sei die Umsetzung übrigens kein Problem, denn erstens hätte der Fluss zwei «Flusssprecher», die ihn vor Gericht vertreten und zweitens hätten auch Firmen eine Rechtspersönlichkeit, obwohl sie keine echte Sache seien. Darüber herrsche in der westlichen Welt auch Konsens.
Immer mehr Flüsse
Heute gibt es Flüsse in Australien, Indien und Kolumbien, denen ebenfalls eine Rechtspersönlichkeit zugesprochen wurde. Und in Ecuador sind die Rechte der Natur sogar seit 2008 in der Verfassung verankert. Dies zeige, dass sich die Sichtweise der Menschen auf die Natur verändere, so van Egeraat.
«Das Bewusstsein, dass wir als Hüterin und nicht als Eigentümerin der Natur handeln sollten, wächst. Ebenso dass unsere Entscheidungen Generationen betreffen, nicht bloss uns selbst.»
Die kleine Gruppe kommt am Ende ihrer Flussfahrt dort an, wo der Fluss ins Meer mündet. Und Brendan sagt: «Alles ist miteinander verbunden. In Australien nennen wir dies Traumpfade. Wenn wir der Natur zuhören, dann hören wir, wie diese Traumpfade sich verbinden. Deshalb geh einfach zu deinem Fluss, und höre zu, wie er klingt. Das ist schon mal ein Anfang.»