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«Hitlers queere Künstlerin» Malerin, Soldat, lesbisch: Das paradoxe Leben Hollensteins

Die österreichische Malerin Stephanie Hollenstein führte ein scheinbar widersprüchliches Leben, das zugleich fasziniert. Nun ist ein Buch über sie erschienen.

1886 kam Stephanie Hollenstein in einer armen Bauern- und Stickerfamilie in Lustenau im österreichischen Vorarlberg zur Welt. Ihr Leben lässt sich mit zwei Formulierungen aus Nina Schedlmayers Buch «Hitlers queere Künstlerin» so zusammenfassen: «vom Melkschemel zur Künstlerin» und «von der Bohème zu den NS-Bonzen».

Hollenstein war eine aussergewöhnliche Figur. Als Stephan Hollenstein rückte sie 1915 in den Krieg ein, als Soldat, als Mann. Das sei der erste Ausgangspunkt ihres Interesses für ein Buch gewesen, erklärt Nina Schedlmayer. Was sie auch interessierte, war der – wie sich später herausstellen sollte – nur scheinbare Widerspruch zwischen der Tatsache, dass sie eine glühende Anhängerin der NSDAP und dabei lesbisch war.

Widersprüche ausgeblendet

Man denke «zu oft in zu engen Kategorien», sagt Schedlmayer. Längst nicht alle Kunstschaffenden dachten damals progressiv und demokratisch.

Homosexualität sei in Österreich wie in Deutschland vor, während und nach der Nazizeit verfolgt worden, Hollenstein hat aber «offensichtlich die Einstellung der Gesellschaft, der NSDAP und von Adolf Hitler zu homosexuellen Personen ausgeblendet». Das habe für sie «ganz gut funktioniert», zumal Lesben nicht gleichermassen verfolgt wurden wie Schwule.

Schon 1934 trat Hollenstein der in Österreich noch verbotenen Nazipartei bei und verteilte Propagandamaterial. Bereits Anfang des Jahrhunderts hatte sie sich mit völkischem Gedankengut befasst. Als das Reich 1938 Österreich anschloss, schmückte die Malerin ihren Vorgarten in Lustenau mit vierzehn Hakenkreuzfahnen.

Schwarzweissfoto eines Hauses mit Gartenzaun davor. Beides mit zahlreichen Hakenkreuzfahnen geschmückt.
Legende: Das Hakenkreuz-beflaggte Haus von Stephanie Hollenstein in Lustenau. Sie war überzeugte Nationalsozialistin und identifizierte sich sichtlich stark mit Hitlers Ideologie. Historisches Archiv der Marktgemeinde Lustenau / Oliver Heinzle

Sie habe sich politisch sehr aktiv eingebracht, so Schedlmayer. Zum Beispiel, indem sie 1939 das Präsidium der Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreichs übernahm. «Sie erwies sich als begabte Netzwerkerin und unterhielt etwa Kontakte zum Kriegsverbrecher Baldur von Schirach, der die Deportation der Wiener Juden verantwortete.»

1941 schlug sie dem Wiener Bürgermeister erfolglos vor, ein «Museum der kunstschaffenden Frau» der «Ostmark» zu schaffen. Ein solches, schrieb sie, wäre ganz im Sinne Hitlers. Als Nationalsozialistin kenne sie kein «höheres Ziel, als der Kunst und damit Führer und Volk zu dienen», zitiert Schedlmayer aus einem Briefentwurf.

Person mit Brille und buntem Oberteil schaut in die Kamera.
Legende: Die Kulturjournalistin Nina Schedlmayer studierte Kunstgeschichte in Wien und Hamburg. Ihre Auseinandersetzung mit der Causa Hollenstein blickt tiefer als nur auf die schöne Kunst der Österreicherin. Luiza Puiu

Zwei Kunstsammler, Heinrich Rieger und Ludwig Neumark, die ab den 1920ern Werke von Hollenstein angekauft hatten, strich sie später aus ihrem Lebenslauf. «In früheren Biografien führt sie deren Namen an, ab 1938 fehlen diese. Das waren jüdische Sammler, deren Existenz sie später verleugnet hat.»

Schöne Kunst, unschöne Geschichte

Und ihre Kunst? «Technisch war sie auf jeden Fall sehr, sehr gut», urteilt Schedlmayer. «Sie hatte Anklänge an expressionistische Tendenzen. Ihre Porträts sind toll. Sie war auch in der Landschaftsmalerei sehr gut.» Sie habe «gemässigt modern» ländliche Motive gemalt. Eine Stadtansicht in ihrem Werk sticht heraus – als eines der wenigen in einem urbanen Setting.

Nach dem Krieg sei die 1944 Verstorbene als lediglich «karrierebewusst» von österreichischen Medien schöngeredet worden. Schedlmayers Buch zeigt, dass mehr dahintersteckte. Nämlich Unschönes. Dass die einstige «Galerie Hollenstein» in Lustenau seit 2020 «Galerie Dock 20» heisst und die Malerin nur noch im Zusatz «Kunstraum und Sammlung Hollenstein» erscheint, kommt nicht von ungefähr.

Buchhinweise

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  • Nina Schedlmayer: «Hitlers queere Künstlerin. Stephanie Hollenstein, Malerin und Soldat». Zsolnay, 2025.
  • Brigitte Herrmann: «Die Suche nach der eigenen Farbe. Das widersprüchliche Leben der Malerin Stephanie Hollenstein», biografischer Roman. Gmeiner, 2025.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 3.3.2026, 17:30 Uhr

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