Zum Inhalt springen
Inhalt

HIV-Präventation Die Schweiz tut sich schwer mit der «Pille davor»

«Prep» könnte homosexuellen Männern bei der HIV-Prävention helfen. In der Schweiz ist es aber viel teurer als im Ausland.

Legende: Audio Prep: Hoher Preis für neuen Aids-Schutz abspielen. Laufzeit 03:52 Minuten.
03:52 min, aus Kultur-Aktualität vom 30.11.2018.

Bei homosexuellen Männern funktioniert die HIV-Prävention mit dem Kondom in vielen Fällen nicht. Diesen Männern könnte «Prep» helfen – eine «Pille davor», die vor Infektionen schützt. Nun startet in der Schweiz ein Programm mit «Prep».

In der Schweiz verlassen sich schätzungsweise 1000 Männer auf «Prep»: eine kleine blaue Pille, die sie vor dem Geschlechtsverkehr einnehmen, um einer HIV-Infektion vorzubeugen. «Prep» steht für Prä-Expositions-Prophylaxe.

Warum diese Männer nicht einfach Safer Sex mit dem Kondom praktizieren, erklärt der Präventivmediziner Jan Fehr vom Universitätsspital Zürich so: «Es gibt Leute, die mit dem Kondom nicht klarkommen. Das sind diejenigen, die das höchste Risiko haben, sich mit HIV anzustecken.»

Fehr ist der Leiter eines neuen Programms, das in diesen Tagen in Kliniken der ganzen Schweiz startet. Das Programm setzt auf die Prep-Prophylaxe.

Wirkung im Ausland bestätigt

Die Pille verhindert eine Ansteckung praktisch gleich zuverlässig wie ein Kondom. Studien in mehreren Ländern haben dies einwandfrei belegt.

In Australien etwa gingen die HIV-Infektionen landesweit um ein Viertel zurück, nachdem 3700 homosexuelle Männer in einer Studie ein Jahr lang Prep bekommen hatten. In den Ländern der EU sind die Ansteckungen bei Männern, die Sex mit Männern haben, seit 2015 um ein Fünftel gesunken – dank Prep, sagen Experten.

Für Jan Fehr ist es deshalb höchste Zeit, dass sich Prep nun auch in der Schweiz etabliert: «Das übergeordnete Ziel ist es, die HIV-Situation in den Griff zu bekommen und Neuinfektionen zu verhindern.»

Involviert in das Programm sind die Schweizer Universitätsspitäler, ebenso die sogenannten Checkpoints, Link öffnet in einem neuen Fenster – Gesundheitszentren für Männer, die Sex mit Männern haben.

Die Schweiz hat ein Prep-Problem

Skeptiker von Prep kritisieren, es sei nicht einzusehen, weshalb ein Medikament besser sein soll als der bewährte Gummi. Anders sieht es etwa der Positivrat Schweiz, der die Anliegen von HIV-Positiven vertritt.

Präsident David Haerry, ein Aidsaktivist der ersten Stunde, sagt: «In der Prävention ist es wichtig, dass man bei den Leuten ist, und dass man alle Mittel nutzt, die funktionieren und wissenschaftlich abgestützt sind.»

Allerdings hat die Prep-Strategie hierzulande einen Haken. Das Medikament – mit offiziellem Namen Truvada – ist zwar seit vielen Jahren auf dem Markt, um HIV zu behandeln, doch zur Prävention ist es in der Schweiz nicht zugelassen.

Manche Ärzte verschreiben Truvada off-label, doch über diesen Weg sind die Pillen sehr teuer – 900 Franken für eine Monatspackung. Wer auf Prep ist, bestellt in der Regel im Internet ein günstiges Generikum aus dem Ausland – auf eigene Faust.

Prep gibts nur im Netz

Hier wollen die Initianten des Prep-Programms ansetzen. Präventivmediziner Fehr sagt: «Diejenigen, die das bislang unkontrolliert einfach im Internet bestellt haben, sollen eine Chance auf ärztliche Begleitung bekommen.»

Zur Sprechstunde gehören nicht nur die Prep-Beratung, sondern auch regelmässige Tests auf HIV und andere übertragbare Krankheiten. Auch Ängste sollen angesprochen werden.

David Haerry vom Positivrat Schweiz findet: «Es ist zentral, dass man Prep nicht einfach so nimmt, sondern zu einem Arzt geht und sie verschrieben bekommt.»

Vorläufig aber müssen sich Prep-Klienten auch innerhalb des neuen Programms auf ihre bisherigen Bezugsquellen im Internet verlassen. Fehr und seine Mitstreiter hoffen auf eine baldige Zulassung des Medikaments.

Die Herstellerfirma Gilead hat gemäss Matius Stürchler, bei Gilead zuständig für das «HIV-Business», im Oktober bei Swissmedic ein entsprechendes Gesuch eingereicht.

Wieviel sollte das Medikament nach Fehrs Ansicht höchstens kosten? «60 Franken», sagt der Mediziner. 60 Franken wären die Leute bereit zu bezahlen.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.