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Wenn das Warten aufs Visum zur Nervenprobe wird
Aus Kontext vom 24.02.2020.
abspielen. Laufzeit 52:27 Minuten.
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Hürden bei der Einreise Auch die Kunstwelt kennt Grenzen

Warten aufs Visa, willkürliche Entscheide: Gesetze machen Künstlern und Veranstalterinnen das Leben schwer. Auch in der Schweiz.

Die Kulturwelt ist global: Die Musikband aus dem Kongo, die indische Tanzgruppe oder der Performer aus Südafrika machen das Schweizer Kulturangebot reicher und bringen dem Publikum künstlerisch neue Impulse.

Bis die Künstler und Künstlerinnen allerdings auf der Bühne stehen, müssen sie oft viele administrative Hürden nehmen. Vor allem, wenn sie nicht aus dem Schengenraum kommen.

Angst vor Migration

Die Schweiz hat 2008 das UNESCO-Abkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen ratifiziert. Darin heisst es, dass Künstler und Künstlerinnen aus sogenannten Entwicklungsländern einen erleichterten Zugang zum europäischen Kunstmarkt gewährt werden soll.

Die Realität sehe allerdings anders aus, sagt Mauro Abbühl vom Büro für Kulturkooperationen «artlink». Er beobachtet den internationalen Kulturaustausch seit mehr als 20 Jahren und hat gerade eine juristische Studie über «worst practices» in der Visumbeschaffung in Auftrag gegeben.

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Austausch über die Grenzen: Boyzie Cekwana und Sandro Lunin
Aus Kulturplatz vom 23.08.2017.
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«Hinter vielen Gesetzen steht die Angst, dass die Künstler und Künstlerinnen nach ihren Auftritten nicht in ihre Länder zurückkehren», sagt er. Eine unbegründete Angst: «Das sind absolute Ausnahmen.» Für die meisten internationalen Künstler gehöre das Touren zum Beruf: «Sie wollen auftreten und würden ihre eigene Karriere gefährden, wenn sie einfach hier bleiben.»

Absurde Anforderungen

«Als freischaffender Künstler verbringe ich sehr viel Zeit damit, die notwendigen Visa zu beschaffen», erzählt der südafrikanische Choreograph Boyzie Cekwana.

Boyzie Cekwana reist seit 25 Jahren professionell mit seinen Stücken. Er ist international bekannt und wird zu Festivals und Künstlerresidenzen auf der ganzen Welt eingeladen.

Der Prozess sei oft eine demütigende Erfahrungen, erzählt er. Immer wieder sei er vom Goodwill von Beamten abhängig, immer wieder werden neue Formulare und Nachweise gefordert, die oft absurde Formen annehmen.

Einmal hätte er zum Beispiel das Hochzeitszertifikat seiner Eltern beilegen sollen. «Was das mit einem Visum, das ich für ein Gastspiel benötige, zu tun haben soll, ist mir schleierhaft.»

Unter Zeitdruck

Die Kuratorin und Dramaturgin Anja Dirks hat lange im internationalen Festivalbetrieb gearbeitet. Sie kennt die Situation, wenn bis kurz vor Festivaleröffnung nicht klar ist, ob die eingeladenen Künstler und Künstlerinnen die notwendigen Visa bekommen.

«Die Restriktionen sind in den letzten Jahren gestiegen. Das Schlimmste aber ist die Unberechenbarkeit», sagt die Veranstalterin.

Ein Abkommen für kulturelle Vielfalt zu unterschreiben, das sei das eine. Was ihr manchmal allerdings fehle, sei der politische Wille, den Spielraum, den die Gesetze geben, auszunutzen. Denn für Anja Dirks ist klar: «Wir brauchen diesen internationalen Austausch in der Kultur. Mehr denn je.»

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 25.2.20. 9:02 Uhr

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