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Gesellschaft & Religion «Ich muss bleiben!»: Patriarch Gregorius III. harrt in Syrien aus

Millionen von arabischen Christen flüchten vor dem Krieg und dem IS-Terror aus Syrien. Patriarch Gregorius III. Laham hält die Stellung in Damaskus. Er ist von der Zukunft seiner Kirche in Syrien überzeugt und will ihre Existenz vor Ort sichern: eine gefährliche Mission.

Porträt.
Legende: Gregorius III. Laham ist das Oberhaupt der melkitisch griechisch-katholischen Kirche. Kirche in Not

Hoffnung strahlt Patriarch Gregorius III. aus. Der über 80-jährige griechisch-katholische Theologe sprüht vor Leidenschaft für seine Kirche und für die Menschen, die er als Oberhirte führt. Dabei liegt seine Heimat Syrien in Trümmern. Hunderte von Kirchen sind zerstört und Tausende von Christinnen und Christen sind umgekommen.

Doch Gregorius bleibt standhaft auf seinem Posten. Er will die Zukunft der Christen im Nahen Osten sichern, weil dort auch die Wiege der Kirche stand: «Jesus ist in Palästina geboren, das Christentum aber ist in Syrien geboren.» Viele Jahrhunderte habe die Koexistenz zwischen den Religionen in Syrien, Irak und dem Libanon erstaunlich gut funktioniert. «Das muss doch auch in Zukunft wieder so werden können.»

«Das Feuer der Hoffnung darf nicht erlischen»

Gregorius III. Laham ist das Oberhaupt der melkitisch griechisch-katholischen Kirche, die mit Rom, also mit dem Papst, verbunden ist. Die Kirche zählt zwischen 1,2 und 1,6 Millionen Gläubige. Auf Einladung des katholischen Hilfswerks «Kirche in Not» kam der Patriarch Ende April in die Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster. Die Spenden katholischer Hilfswerke helfen ihm, Nothilfe vor Ort in Damaskus zu leisten. Die Strukturen seiner Kirche sind dabei hilfreich: In Damaskus wurden 8000 Flüchtlingsfamilien aufgenommen – Menschen, die mit allem Lebensnotwendigen versorgt werden müssen.

«Die Flüchtlinge müssen zurückkommen!»

Diese Nothilfe auf die Beine zu stellen, reicht dem Patriarchen aber noch nicht. Er will die Zukunft der Kirche in Syrien sichern. Die Menschen sollen ihr Land selbst wieder aufbauen. «Darum braucht es von der internationalen Gemeinschaft so etwas wie einen Marshall-Plan – wie damals in Deutschland.» Die Deutschen hätten mit ausländischer Hilfe ihr komplett zerstörtes Land wieder aufbauen können. Dieses Beispiel mache ihm Mut.

Ein anderes Vorbild ist für den christlichen Syrer das armenische Volk. Gerade jetzt zum 100. Jahrestag des Genozids an den christlichen Armeniern denkt er: «Wir möchten von den Armeniern lernen, wie man standhaft bleibt, wie man Geduld, Kraft und Mut behält und den inneren Glauben. Dieser Glaube stärkt uns in solchen Situationen.»

«Gott hat uns behütet»

Gefährliche Situationen erlebt die christliche Gemeinde in Damaskus täglich. Am Ostermontag etwa detonierte 50 Meter von Patriarch Gregorius entfernt eine Bombe. Er war auf einer Prozession mit Hunderten von Kindern und Tausenden von Erwachsenen auf der Strasse unterwegs. Aber: Niemand wurde verletzt. «Wir waren froh. Gott hat uns die Gefahr sehen lassen! Und er hat uns behütet.»

Patriarch Gregorios III. Laham

Patriarch Gregorios III. von Antiochien wurde 1933 in Syrien geboren. Er ist das Oberhaupt der mit Rom verbundenen melkitischen griechisch-katholischen Kirche, studierte im Libanon und in Rom. Er wurde 1981 zum Bischof geweiht und im Jahr 2000 zum Patriarchen gewählt.

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