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Integrationskritiker Mansour «Migranten müssen begeisterte Demokraten werden»

Legende: Audio Ahmad Mansour - Klartext zur Integration abspielen. Laufzeit 04:18 Minuten.
04:18 min, aus Kultur-Aktualität vom 18.02.2019.

Ahmad Mansour liebäugelte einst selbst mit dem radikalen Islam – heute will der Buchautor über die Gefahren des Islamismus aufklären. Er setzt sich ein für eine klare Integrationsstrategie, welche uns bis heute fehle, so der Islamismus-Experte im Gespräch.

Ahmad Mansour

Ahmad Mansour

Psychologe und Autor

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Ahmad Mansour studierte in Tel Aviv und Berlin Psychologie. Er ist arabischer Israeli, lebt und arbeitet aber seit 15 Jahren in Deutschland. Mansour schreibt hauptsächlich über Integration und Islamismus.

SRF: Warum hapert es mit der Integration von Flüchtlingen und Migranten in Westeuropa?

Ahmad Mansour: Ich sehe dafür zwei Gründe. Erstens: Zu uns kommen Menschen aus ganz anderen Kulturen. Sie bringen eine andere Sozialisation und andere Werte. Viele dieser Werte stehen im Widerspruch zu denen, die wir hier in Westeuropa haben.

Zweitens: Wir haben kein politisches Konzept und keine Strategie zum Umgang mit dem Thema. Was sollen wir bei der Integration überhaupt erreichen? Und wie können wir das tun? Es gibt gute und schlechte Projekte aber ein politisches Bewusstsein dafür gibt es nicht.

In Ihrem Buch sprechen Sie von zwei falschen Zugängen: Panikmache von rechts und falsche Toleranz von links. Was meinen Sie mit diesen Begriffen?

Panikmacher sind Menschen, die nicht bereit sind, Lösungen zu suchen. Sie suchen nur Probleme, um Ängste zu schüren. Zur falschen Toleranz zähle ich Menschen, die Werte dieser Gesellschaft relativieren und meinen, man könne Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund nicht dazu zwingen, gleichberechtigt zu leben und demokratische Werte aufzunehmen.

Literaturhinweis

Ahmad Mansour – Klartext zur Integration: Gegen falsche Toleranz und Panikmache. S. Fischer Verlag, 2018.

Das sind Zustände, die dazu führen, dass die gesamte Gesellschaft verunsichert ist und nicht in der Lage ist, eine klare Haltung zu beziehen und das so auch zu kommunizieren.

Es gibt Stimmen, die sagen, Integration sei gar nicht notwendig, man könne das Nebeneinander auch friedlich pflegen. Was sagen Sie dazu?

Die sollen sich doch bitte die letzten 20 oder 30 Jahre ansehen. Was heisst eigentlich nebeneinander? Wenn es bedeutet, dass die Menschen ihr eigenes Essen kochen, Restaurants eröffnen, andere Kleidung tragen und andere Feiertage feiern, ist es natürlich möglich. In einer vielfältigen, offenen Gesellschaft soll das auch möglich sein.

Wenn nebeneinander leben aber bedeutet, dass manche ihre Kinder schlagen dürfen oder ihnen Kopftücher aufzwingen dürfen. Oder wenn man in Moscheen radikal gegen die offene Gesellschaft predigen darf.

Wir haben Juden, die sich überlegen, aus Europa auszuwandern, weil sie Angst um ihr Leben und die Sicherheit ihrer Kinder haben.

Das ist eine Gesellschaft, die nie zusammenhalten kann. Daraus entstehen Parallelgesellschaften. Die Ergebnisse davon sehen wir in Berlin Neukölln oder auch in der Schweiz. Das darf und kann keiner gut finden.

Ist das nicht auch ein bisschen Panikmache von ihrer Seite?

In der türkischen Community in Deutschland gibt es Menschen, die schon in der vierten Generation hier sind und trotzdem nicht angekommen sind. Das sind die Menschen, die auf die Strasse gehen, und Erdogan bejubeln, obwohl sie in einer demokratischen, freiheitlichen Gesellschaft grossgeworden sind.

Wir haben immer wieder antisemitische Demos. Wir haben Juden, die sich überlegen, aus Europa auszuwandern, weil sie Angst um ihr Leben und die Sicherheit ihrer Kinder haben.

Das sind Zustände, die man nicht löst, indem man wartet und wartet und sagt, das ergibt sich. Es geht darum, gewinnend zu arbeiten. Man muss diese Menschen erreichen und ihnen die Werte dieser Gesellschaft so vermitteln, dass sie begeisterte Demokraten werden.

Das Gespräch führte Igor Basic.

18 Kommentare

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  • Kommentar von Haller Hans (H.Haller)
    Herr Mansour hat grundsätzlich gesehen völlig recht. Das Problem ist ja nicht der Glaube, sondern eher, dass der Islam nicht nur ein Glaube ist, sondern auch gleich eine sehr strenge, sittliche Gesellschaftsordnung mit Scharia und Dschihad. Islam nur als Glaube kann es wohl gar nicht geben. Das damit zwangläufig Konflikte entstehen müssen, liegt auf der Hand und werden nur noch von "Multi-Kulti-Besessenen" Anhängern bestritten. Es ist der Islam, der sich reformieren muss und er tut es nicht.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Der Islam gibt es seit vielen Jahrhunderten. Die grossen, die Menschheit bedrohenden Konflikte sind bisher nicht vom Islam ausgegangen. Wenn man allerdings den Hass auf den Islam bewusst schürt spielt man den Hardliner in die Hände, wie z.B. im Iran.
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  • Kommentar von Alexander Stare (Zurich)
    Der Herr hat absolut Recht. Sobald sich nämlich die Qualität von Integrarition spürbar bessert, wird die Opposition der Hierlebenden automatisch abnehmen. Migration muss sinnvoll durchdacht sein, sonst ist Niemandem richtig geholfen.
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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    Migranten können nur begeisterste Demokraten werden, wenn sie dies wollen und wenn man es von ihnen verlangt. Zu lange wurde unter allen möglichen Vorwänden davom abgesehen, dass Migranten auch Pflichte und nicht nur Rechte haben. Jetzt haben wir in Westeuropa den Salat.
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    1. Antwort von Jürg Brauchli (Rondra)
      Nun, es gibt hier Parteien, die aus deutschen Verhältnissen nichts lernen. Sogar fordern, dass wir noch toleranter sein sollen, denn bei uns gäbe es, und würde es auch nie Parallelgesellschaften geben. Tja, man müsste sich halt Mal die Mühe nehmen und gewisse Orte aufsuchen, und das auch noch mit offenen Augen und Ohren...
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