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Intrinsisches Lernen Müssen wir das Lehren neu lernen?

Ein Zürcher Unternehmen will Lehrpersonen für die Schülerinnen und Schüler von morgen fit machen. Wie soll das gehen?

Zu wenig Informatik, zu konservativ, zu wenig auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet: Das Bildungssystem, liest man regelmässig, halte nicht mit den Ansprüchen der Wirtschaft und der zunehmenden Digitalisierung mit.

Zwei Zürcher Unternehmer finden: Um für die Zukunft gewappnet zu sein, brauche es keine neuen Lehrpläne, sondern einen grundsätzlichen Systemwandel.

Eine Schülerin beim Lösen einer Aufgabe.
Legende: Pauken und Prüfungen? Geht es nach zwei Zürchern sieht die Schulwelt bald anders aus. Keystone / GAETAN BALLY

Lernen für die Zukunft

«Ich bin davon überzeugt, dass wir mit den bisherigen Rezepten nicht mehr weiterkommen», meint Christian Müller, Ökonom und Journalist.

Die jetzige Generation sei die erste, die sich nicht mehr um materiellen Wohlstand kümmern müsse. Dafür sei sie mit globalen Herausforderungen und vielen Möglichkeiten konfrontiert. Deshalb sei es wichtig, die Fähigkeiten und Ausgangslage jedes einzelnen optimal abzuholen.

Aus diesem Grund hat Christian Müller zusammen mit Daniel Straub, Coach und ehemaliger Leiter einer Montessori-Schule, Intrinsic gegründet. Das Unternehmen vermittelt den Menschen die Methode des sogenannten intrinsischen Lernens.

Darin sehen die beiden Gründer ein grosses Potenzial für die kommende Zeit. Am Intrinsic Campus, einer Unterdivision des Unternehmens, werden Lehrpersonen für die Schülerinnen und Schüler der Zukunft fit gemacht.

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Anleiten anstatt beibringen

Intrinsisch zu lernen: Das heisst im Wesentlichen, aus eigener Motivation heraus zu lernen. Aber auch: «Es gibt kein Curriculum. Sondern mein Lernweg führt mich zu meinem Interesse», sagt Daniel Straub.

Gelernt wird im eigenen Tempo. Und so, wie es einem behagt. Die Lehrpersonen vermitteln nicht mehr den Stoff, den man, so Müller, auch in Top-Qualität auf Youtube finde. Sie helfen den Schülerinnen und Schülern, sich im Dschungel der verfügbaren Informationen zurechtzufinden.

Die angehenden Lehrpersonen lernen ähnlich, wie ihre Schützlinge das später auch tun sollen: praxisorientiert, mit einem hohen Betreuungsangebot durch ExpertInnen und Coaches und ausgehend von den eigenen Bedürfnissen und Kapazitäten.

Eine verkappte Vision?

Nicht alle sind von den Zukunftsvisionen der beiden Zürcher begeistert. Der Philosoph Konrad Paul Liessmann beispielsweise findet harsche Worte für das Unterfangen: «Die Vorstellung, dass der Computer oder Youtube das Lernen übernimmt und der Lehrer zum blossen Anleiter reduziert wird, ist eine vollkommen unsinnige Vorstellung.»

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Lernen sei nicht bloss ein rezeptiver, sondern vor allem auch ein sozialer Prozess, bei dem es wichtig sei, dass Kinder lernen, miteinander auszukommen und auch mal miteinander zu ringen oder zu streiten.

Auch die Philosophin und Kulturjournalistin Catherine Newmark sieht das Konzept des intrinsischen Lernens in einem kritischen Licht: «Es gibt Strecken, wo die innere Neugierde nicht so gross ist. Wir sind Wesen, die ab und zu Zwang brauchen».

Ob intrinsisches Lernen wirklich Zukunft hat, wird sich bald zeigen: Der erste Studiengang mit den Lehrkräften von morgen startet am 16. September an der Talstrasse in Zürich und gibt 20 Studierenden die Gelegenheit, sich über drei bis fünf Jahre zur Primarlehrperson ausbilden zu lassen.

26 Kommentare

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  • Kommentar von Julian Rossdeutsch  (JuRo)
    Ich finde die Ansichten von Hrn. Precht zum Thema "Bildung" hochinteressant und konnte einige seiner Überlegungen auch in meinem persönlichen Lebensweg bestätigen. Schade finde ich, welches Potenzial verloren geht, weil man Menschen mit "kleinen Inselbegabungen", also schwach ausgeprägten Spezialinteressen, aussortiert. Einen guten Arzt beispielsweise macht nicht unbedingt gutes Englisch/Latein aus. Zudem finde ich den Aspekt des Projektlernens faszinierend. Ich denke, mir hätte es geholfen.
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  • Kommentar von Marco Ehmke  (MarcoEh)
    Intrinsisches Lernen macht für mich Sinn, sofern die Frage beantwortet ist, was man mit Kindern welche aufgrund ihrem sozialen Umfeld nicht motiviert sind. Für mich ist ein Entschlacken des Lehrplans wichtig und Lernen lehren muss das Thema sein, nicht Stoff in den Kopf pressen was die Kinder nie mehr brauchen. Wo bitte bleiben Lerntechniken? Schnelllesen, Methodiken für Analyse, Agilität etc? Ich behaupte da hat unser Lehrpersonal Nachholbedarf, zu viele sind nach alter Schule geformt
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  • Kommentar von Pia Müller  (PiMu)
    Zuerst müssten mal die meisten Lehrer, speziell über 45J. einem strengen Persönlichkeits-Test unterzogen werden.Aus m/Bekanntenkreis weiss ich, dass Schüler in der Kanti extrem persönlichkeits-schwache Lehrer haben, oft auch extrem Mühe haben mit der Digitalisierung. Ein Teil der Lehrer arbeitet gut damit, die anderen Lehrer haben kaum Ahnung und lehnen die vorgeschriebenen Laptops völlig ab und verteilen weiterhin Blätter und Bücher. Eine Einheit in CH fehlt total.
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    1. Antwort von Peter Isler  (SchweizerQualität)
      Bei vielen Dingen in der Digitalisierung geht es um Tools. Tools lernt man, wenn man sie braucht. Da musst man sich keine Sorgen um die Schüler machen wenn einige altgediente Lehrkräfte nicht ganz up-to-date sind. Sie haben dafür andere Stärken die dem Nachwuchs nützen. Ältere Arbeitnehmer vorschnell auszusieben wie sie es zu postulieren scheinen ist ein viel fragwürdiges, immer wieder beobachtbares Muster.
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