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Einige in Kampfmontur bekleidete junge Männner heben ihre Hände und Gewehere in die Luft.
Legende: Die vom «IS» produzierten Musikvideos sind eine Mischung aus islamischer Gesangs-Tradition und westlichem Pop. Screenshot YouTube
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Gesellschaft & Religion «IS» wirbt mit Musikvideos für den Dschihad

Sie tanzen, schiessen und singen auf Arabisch: Mit Musikvideos nach westlichem Muster wirbt die Terrororganisation «Islamischer Staat» im Internet für den «heiligen Krieg». Die YouTube-Hits haben Ohrwurmcharakter. Sie sollen auch Jugendliche begeistern, die nur wenig Arabisch sprechen.

Krieger in Kampfmontur, die Allah anrufen, schiessen und zwischendurch ein bisschen tanzen. Mit solchen Videoclips versucht die Terrororganisation «Islamischer Staat» auf Online-Portalen neues Fussvolk für den Jihad zu gewinnen. Die Musik dieser Videos ist eine Mischung aus islamischer Gesangstradition und den Standards westlicher Popmusik.

Werbevideo mit Ohrwurmqualitäten

Es gibt auch Musikpropaganda, die ganz ohne Bilder auskommt. Bereits eine halbe Million Aufrufe hat das Musikstück «Dawlat al-Islam Qamat» auf YouTube erzielt. Zielgruppe solcher Videos sind neben (männlichen) Jugendlichen aus dem arabischen Raum auch europäische Jugendliche.

Jugendliche in Europa sollen mit Videoclips und Musik wie dem «Dawlat al-Islam Qamat» für den «Islamischen Staat» nicht nur begeistert, sondern in einem zweiten Schritt eventuell auch rekrutiert werden.

Davon jedenfalls geht der Religions- und Islamwissenschaftler Andreas Tunger von der Universität Luzern aus. «Das Stück soll Begeisterung wecken für die Sache des IS und mobilisieren für den Kampf. Es ist ein Werbevideo mit extremen Ohrwurmqualitäten. Jemand, der entsprechend disponiert ist, wird sich durch das Stück zum Handeln aufgerufen fühlen», sagt Tunger.

Propaganda 2.0

Dass die Sprache des Songs Arabisch ist, stört dabei nicht. «Muslime der jungen Generation in Europa, die auch nur etwas Kenntnis des Arabischen haben, können die Schlüsselwörter des Textes verstehen», sagt Tunger. Ausserdem existieren von dem Video bereits Übersetzungen auf Türkisch und Englisch.

Mit den Mitteln der Musik wird hier nicht zum ersten Mal zum Krieg verführt. Kampflieder kannten schon die Soldaten früherer Jahrhunderte. Neu ist, dass solche Musik und die entsprechenden Videos dank dem Internet heute weltweit gehört und gesehen werden können – und somit Menschen erreichen, die eigentlich gar nichts mit dem Ländern zu tun haben, in denen gekämpft wird.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Th. Meier , Chur
    Noch ein Punkt wo der IS und die Hamas gleich sind. Die Hamas hat mehrere Poplieder produziert und veröffentlicht, wo zu mehr Attentaten auf Israelis aufgerufen wird. Wann werden die Leute verstehen, dass der IS und die Hamas den gleichen Hass als Fundament legen?
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    1. Antwort von John Berger-Rees , Kalifornien
      Das ist nichts weiteres als pro-israelische Propaganda... typisch die beiden zu vermischen.
  • Kommentar von Thomas Käppeli , Guatemala Ciudad
    Und der IS schneidet anderen den Kopf ab, wenn sie (auch Muslime) westliche Musik hören? Typisch, man biegt alles (inkl. den Koran) zurecht, wenn es der eigenen Macht und Eigennutz (Profit) gereicht und dienlich ist. Glaube (oder glaube nicht) an den einen Schöpfer, oder die höchste universelle Logik/Intelligenz, aber nie seinen irdischen, selbst verliebten und ernannten "Versicherungsvertreter" des Paradieses! Gilt für jede Konfession.
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  • Kommentar von Hans Vader , Luzern
    Sehe ich das richtig, dass wenn die IS dies macht, dass es böse ist, wenn aber sämtliche westliche Berufsarmeen versuchen so zu rekrutieren, dass es dann gut ist?
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    1. Antwort von Christoph Valli , 8903 Birmensdorf
      Auch wenn es bei den westlichen Armeen z.T. sicher auch schwarze Schafe zu vermerken hat so sind es im wesentlichen Verteidigungsarmeen. Die IS schlachtet Kinder, Mütter, Väter wahllos aus sehr niederen Beweggründen. Da sehe ich sehr wohl einen Unterschied.
    2. Antwort von Hans Vader , Luzern
      Nur blöd, wenn das eigene Land am Hindukusch verteidigt werden soll. Denn dann ist dies in keinster Weise eine Verteidigung. Ausserdem sind solche Praktiken, wie sie der IS vorgeworfen werden, in westlichen Armeen, im Auslandseinsatz, nicht unüblich.
    3. Antwort von René Seiler , Wetzikon
      Da muss ich Herrn Valli recht geben. Im Alten Testament war es noch Gang und Gäbe den Bann an allem, was sich bewegt zu vollstrecken. Heute ist dies - auch aus religiösen Motiven - nicht mehr in Ordnung. Seit der Aufklärung haben wir uns von der Wortwörtlichkeit bestimmter Bücher abgewendet und andere Naturgesetze und Grundrechte als neue Maximen formuliert. Zwischen Gesellschaften vor und nach der Aufklärung gibt es immer Reibungen.