«IS» wirbt mit Musikvideos für den Dschihad

Sie tanzen, schiessen und singen auf Arabisch: Mit Musikvideos nach westlichem Muster wirbt die Terrororganisation «Islamischer Staat» im Internet für den «heiligen Krieg». Die YouTube-Hits haben Ohrwurmcharakter. Sie sollen auch Jugendliche begeistern, die nur wenig Arabisch sprechen.

Einige in Kampfmontur bekleidete junge Männner heben ihre Hände und Gewehere in die Luft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die vom «IS» produzierten Musikvideos sind eine Mischung aus islamischer Gesangs-Tradition und westlichem Pop. Screenshot YouTube

Krieger in Kampfmontur, die Allah anrufen, schiessen und zwischendurch ein bisschen tanzen. Mit solchen Videoclips versucht die Terrororganisation «Islamischer Staat» auf Online-Portalen neues Fussvolk für den Jihad zu gewinnen. Die Musik dieser Videos ist eine Mischung aus islamischer Gesangstradition und den Standards westlicher Popmusik.

Werbevideo mit Ohrwurmqualitäten

Es gibt auch Musikpropaganda, die ganz ohne Bilder auskommt. Bereits eine halbe Million Aufrufe hat das Musikstück «Dawlat al-Islam Qamat» auf YouTube erzielt. Zielgruppe solcher Videos sind neben (männlichen) Jugendlichen aus dem arabischen Raum auch europäische Jugendliche.

«Hymne für den ‹IS›»

2:49 min, aus Kultur kompakt vom 20.11.2014

Jugendliche in Europa sollen mit Videoclips und Musik wie dem «Dawlat al-Islam Qamat» für den «Islamischen Staat» nicht nur begeistert, sondern in einem zweiten Schritt eventuell auch rekrutiert werden.

Davon jedenfalls geht der Religions- und Islamwissenschaftler Andreas Tunger von der Universität Luzern aus. «Das Stück soll Begeisterung wecken für die Sache des IS und mobilisieren für den Kampf. Es ist ein Werbevideo mit extremen Ohrwurmqualitäten. Jemand, der entsprechend disponiert ist, wird sich durch das Stück zum Handeln aufgerufen fühlen», sagt Tunger.

Propaganda 2.0

Dass die Sprache des Songs Arabisch ist, stört dabei nicht. «Muslime der jungen Generation in Europa, die auch nur etwas Kenntnis des Arabischen haben, können die Schlüsselwörter des Textes verstehen», sagt Tunger. Ausserdem existieren von dem Video bereits Übersetzungen auf Türkisch und Englisch.

Mit den Mitteln der Musik wird hier nicht zum ersten Mal zum Krieg verführt. Kampflieder kannten schon die Soldaten früherer Jahrhunderte. Neu ist, dass solche Musik und die entsprechenden Videos dank dem Internet heute weltweit gehört und gesehen werden können – und somit Menschen erreichen, die eigentlich gar nichts mit dem Ländern zu tun haben, in denen gekämpft wird.