Ist das Kolosseum bald eine Event-Arena?

So manch italienisches Monument ist ein Sorgenkind: Das Kolosseum bröckelt, das Goldene Haus von Kaiser Nero muss aufgefrischt werden und viele barocke Kirchen in Neapel sind zu. Geld könnte da helfen. Der Kulturminister schlägt deshalb vor, im Kolosseum eine Bühne zu bauen. Eine Idee, die aneckt.

Das Kolosseum bei Nacht. Der Himmel ist blau. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Strömen die Menschen bald zum Kolosseum, um Popstars zu sehen? Keystone

Dort, wo in der Antike die Gladiatoren kämpften, will Italiens Kulturminister Dario Franceschini eine Bühne bauen und für Events vermieten. Im inneren Arenenoval des Kolosseums.

Die meisten Archäologen schrien entrüstet auf. Events in antiken Monumenten verteufeln sie als Frevel. Der Minister hingegen meint, dass seine Idee zusätzliches Geld bringe. Die Kritiker halten dem Minister allerdings vor, dass er sich doch besser um die dringenden Probleme seines Ressorts kümmern sollte anstatt um Eventkultur.

Sponsoren für Kulturgüter gesucht

Nicht nur die antike Mega-Arena in Rom macht Sorgen. Sie bröckelt vor sich hin und ist wegen des nahen Autoverkehr in der Statik bedroht. Sicherlich sind die 25 Millionen Euro eines italienischen Lederwarenunternehmers willkommen, mit denen das gesamte Gebäude jetzt gereinigt wird. Doch es gibt noch viel anderes zu tun.

So wird zum Beispiel dringend Geld benötigt – genauer 14 Millionen Euro –, um die abschliessenden Restaurierungsarbeiten des Goldenes Hauses von Kaiser Nero durchzuführen. Die grandiose Ruine der Domus Aurea befindet sich unterirdisch in der Nähe des Kolosseums. Archäologen fordern deshalb, dass das Kulturministerium gezielt auf Sponsorensuche gehen sollte, im In- und Ausland.

Ein beliebtes Ziel für Kunstdiebe

Besonders betroffen vom chronischen Geldmangel ist die gesamte historische Innenstadt Neapels, ein Weltkulturgut der UNESCO. Hunderte von barocken Kirchen sind geschlossen und das Ziel von Kunstdieben. Kunsthistorisch bedeutende Paläste verfallen. Die UNESCO droht bereits, das Altstadtzentrum von seiner Weltkulturgüterliste zu streichen, sollten nicht endlich Finanzmittel zur Restaurierung bereitgestellt werden.

Geld bedeutet nicht gleich Besserung

Der Fall Pompeji zeigt aber, dass genügend Gelder in Italien noch längst keine Garantie für eine Besserung der Zustände sind. Im vergangenen Jahr wurden 150 Millionen Euro aus Rom und vor allem von der EU aus Brüssel überwiesen. Noch immer liegt kein umfassendes Projekt vor, wie und wo diese Gelder zum Einsatz kommen.

Das Kulturministerium, fordern deshalb Archäologen, Kunsthistoriker und Kulturpolitiker, sollte sich einerseits um Sponsoren und andererseits um die gezielte Kontrolle über den Einsatz bereitstehender Gelder kümmern.

Das Vorbild Herkulaneum

Vorbildcharakter sollte für den Minister der Fall Herkulaneum haben. Dort sponsert die Kulturstiftung des US-Unternehmens Packard seit 20 Jahren die archäologischen Grabungen und Forschungen. Die Kritiker des Ministers schlagen vor, dass dieser nach solchen Sponsoren suchen sollte, die nicht nur einmal eine grosse Summe bereitstellen, sondern quasi Patenschaften für ganze Kulturgüter übernehmen.