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Die Jagd wird weiblich
Aus Kultur-Aktualität vom 26.08.2021.
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Jagd im Wandel Auch Frauen wollen Böcke schiessen

Gesetzte ältere Herrschaften, die grüngewandet durch den Wald pirschen? Das war einmal. Die Jagd ist weiblicher geworden – und ökologischer.

Nicole Vogel ist 48 Jahre alt, Informatikerin von Beruf und fühlte sich schon immer stark mit der Natur verbunden. Seit Anfang dieses Jahres lässt sie sich bei einer Jagdgesellschaft im Baselbiet zur Jägerin ausbilden.

«Ich hatte das Vorurteil, dass Jäger vor allem Tiere schiessen», erzählt sie. «Doch dann habe ich gemerkt, dass es dabei zu einem grossen Teil um den Naturschutz geht.» Das habe sie motiviert, die Jagdausbildung anzugehen.

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Wenn sich Frauen auf die Lauer legen
Aus 10 vor 10 vom 28.09.2016.
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«Männergesellschaft mit eigenem Humor»

Früher war Jagen Sache der Männer vom Land. Doch das ändert sich. In den Jagdlehrgängen tummeln sich landauf, landab mehr Städter und vor allem: mehr Frauen. Und eine von ihnen ist Nicole Vogel. In den bisher acht Monaten ihrer Ausbildung habe sie sehr viel erlebt erzählt sie. Vieles davon ist Hege und Pflege.

Nicole Vogel hat im Wald Salzlecken aufgefüllt. Sie hat Wiesen mit weissen Fahnen bestückt, damit die Rehgeissen ihre Kitze in Sicherheit bringen, bevor die Wiese gemäht wird. Auch den Umgang mit Waffen hat sie kennengelernt. «Ich hatte grossen Respekt davor», sagt sie.

Doch in den Seminaren und praktischen Übungstagen hätten die Instruktoren sie verantwortungsvoll ans Schiessen herangeführt. Die Jagdgesellschaft habe sie ebenfalls gut aufgenommen. «Es ist zwar eine Männergesellschaft mit einem eigenen Humor. Aber ich erlebe es insgesamt positiv.»   

Legende: Jagen als geschlossene Männerveranstaltung? Diese Zeiten sind vorbei. Anne Golaz / Alpines Museum

Grüner Loden ist Geschichte 

Noch vor wenigen Jahren fielen Frauen in den Jagdgesellschaften als «Exotinnen» auf. Das ist vorbei. Brigitte Born, die seit bald 30 Jahren im Solothurnischen jagt, stellt fest: «Es sind viel mehr junge Männer auf der Jagd, und die sind viel emanzipierter und offener gegenüber Frauen.»

Auch David Clavadetscher, Geschäftsführer von Jagd Schweiz, dem Dachverband der Jägerinnen und Jäger, bestätigt diesen Trend. Das Klischee des grünen, lodenbekleideten Mannes sei längst überholt. «Auf die Jagd gehen heute viele junge Menschen, die überhaupt keine Jagdtradition in ihrer Familie haben.» Solche Jäger – und Jägerinnen – würden «ganz neue Aspekte» in die Jagd einbringen.

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Jagd in der Schweiz – notwendig oder unethisches Hobby?
Aus Unzipped vom 20.09.2020.
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Respekt vor dem Tier

Zum Beispiel eine andere Verantwortung gegenüber dem Tier, das man schiesst. Viele, vor allem junge Jägerinnen und Jäger, seien sehr ökologisch motiviert, stellt Clavadetscher fest. «Ein Tier mit eigener Hand zu erlegen und zu verarbeiten halten manche für die ehrlichste Art der Fleischerzeugung.»

Nicole Vogel gehört nicht zu ihnen, sie ist seit Jahrzehnten Vegetarierin. Mit dem Töten eines Tiers hat sie aber kein Problem. «Wenn man verantwortungsvoll schiesst, stirbt das Tier von einer Sekunde auf die andere. Es leidet nicht.»

Das mitzuerleben habe sie beeindruckt, ebenso der Respekt, den die Jäger beim Umgang mit dem Tierkörper zeigten. «Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, eines Tages auch wieder Fleisch zu essen», sagt die angehende Jägerin. Zum Beispiel, wenn sie ihren ersten eigenen Sommerbock erlegt hat.

Ausstellungshinweis

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«Auf Pirsch. Vom Handwerk der Jagd» – noch bis am 2. Januar 2022 im Alpinen Museum Bern.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 26.8.2021, 7:06 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Die Jagd ist die ehrlichste Art an Fleisch zu kommen. Doch es ist ein tiefer Eingriff in die Natur, den man nimmt unter anderem den Raubtieren wie z.B. Bär, Fuchs, Luchs und Wolf ihre natürliche Aufgabe weg. Die Natur ist ein Kreislauf, stört man Ihn hat das Folgen. Wenn Raubtiere nicht ausreichend Beute finden, suchen Sie Alternativen wie Nutztiere wie Schafe.
  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    „ Zum Beispiel eine andere Verantwortung gegenüber dem Tier, das man schiesst.“
    Dürfte ich bitte noch erfahren, was für eine Verantwortung? Ich ging Jahre mit den Jägern mit (inkl. Hochsitz) und sah nie verantwortungsloses Handeln. Darum gab es die alten in der Gruppe, die die Jungen bremsten. Was mir auffällt, dass die Jungen den Kadaver nicht mehr im Wald ausnehmen (Futter f. Wildtiere). Also was genau ist damit gemeint?
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Ich finde schon fragwürdig, dass dies Männer tun. Jetzt wollen also auch noch gewisse Frauen zu "besseren Männern" werden und ebenfalls auf die Jagd. Hat es überhaupt noch genügend Platz in den übernutzten Schweizer Wäldern, so dass sich die vielen Jägerinnen und Jäger, Jogger, Biker, Wanderer, Ausflügler, etc. nicht gegenseitig vor die Flinten geraten?
    1. Antwort von Mark Weber  (markweber)
      Die Wälder würden ohne die Jagd von einer Überpopulation z.B. von Rehen stark geschädigt. Es würde schon sehr viele Raubtiere brauchen, bis der Bestand natürlich geregelt würde.

      Das scheint mir in einem dicht besiedelten Land nicht realistisch. Es ist je jetzt schon nur eine Frage der Zeit, bis das erste Kind von einem Wolf getötet wird.

      Jagdunfälle sind auch sehr selten und wenn, dann trifft es eher einen anderen Jäger in Tarnfarben.