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Krieg verhindert John F. Kennedy und der Geheimplan «Operation Northwoods»

Heute vor 56 Jahren verweigerte John F. Kennedy seine Unterschrift unter ein brisantes Dokument. Und verhinderte damit eine Katastrophe.

John F. Kennedy bei einer TV-Ansprache.
Legende: Anschläge fingieren und anschliessend Kuba anlasten? US-Präsident John F. Kennedy war dagegen. Keystone
  • 1962 wollten die US-Militärs auf amerikanischem Boden Anschläge inszenieren und Kuba anlasten – mit echten und fingierten Opfern.
  • Das Ziel von Operation «Northwoods»: Die Zustimmung der amerikanischen Bevölkerung für eine militärische Invasion Kubas gewinnen.
  • Der damalige US-Präsident John F. Kennedy widersetzte sich den Plänen und verhindert damit eine erste drohende Katastrophe.

Streng geheimes Programm

Die Machtübernahme in Kuba durch die kommunistischen Revolutionäre unter Fidel Castro 1959 war ein Schock für die USA. Schon ein Jahr später begann mit der Operation «Mongoose» ein geheimes Programm zur Sabotage und Unterwanderung Kubas, das die Absetzung oder Ermordung von Fidel Castro zum Ziel hatte.

Die Pläne von «Mongoose» sahen unter anderem vor, dass Exilkubaner in ihrem Heimatland Sabotageakte durchführten. Daneben beschäftigten sich 400 Agenten des Auslandgeheimdienstes CIA mit immer wilderen Plänen zur Ermordung Castros.

Mordpläne für Fidel Castro

Er sollte wahlweise vergiftet oder mit LSD in den Wahnsinn getrieben und dann von seinen eigenen Leuten abgesetzt werden. Er sollte an einer seiner geliebten Zigarren sterben, die entweder mit Tuberkulose-Erregern verseucht oder mit einer Sprengladung versehen wäre.

Im April 1961 versuchten die USA mit Exilkubanern und CIA-Agenten von Guatemala aus eine Invasion in der südkubanischen Schweinebucht. Doch die schlecht vorbereitete Aktion scheiterte und wurde zum militärischen und politischen Fiasko für die noch junge Regierung von Präsident Kennedy.

Anschläge fingieren

Mit der Operation «Northwoods» zündeten die Militärs nun die nächste Eskalationsstufe: auf amerikanischem Boden sollten Anschläge mit teils fingierten, teils echten Opfern inszeniert und anschliessend Kuba angelastet werden.

Durch solche Aktionen sollte eine breite Zustimmung der amerikanischen Bevölkerung gewonnen werden – für eine anschliessende militärische Invasion Kubas durch die USA.

Sowohl die Chefstrategen im Pentagon als auch die Joint Chiefs of Staff, die Stabschefs aller Truppengattungen, hatten bereits ihren Segen dazu gegeben.

Zu brisante Pläne

Am 13. März 1962 wurden die Pläne dem Verteidigungsminister vorgelegt. Ihr Inhalt war so brisant, dass selbst der kriegserprobte Robert McNamara Präsident Kennedy dringend empfahl, keine der geplanten Aktionen in die Tat umzusetzen.

So sollte ein amerikanisches Marineschiff in der Bucht von Guantanamo versenkt oder gar eine ganze US-Militärbasis in die Luft gesprengt werden. Ein plötzlicher Unfalltod des US-Astronauten und Nationalhelden John Glenn sollte als kubanischer Sabotageakt dargestellt werden.

Ein Passagierflugzeug abschiessen?

Amerikanische Piloten sollten in russischen MIG-Kampfflugzeugen eine US-Militärmaschine abschiessen oder – um den Volkszorn noch zu steigern – ein Passagierflugzeug voll amerikanischer Studenten.

Dazu sollte eine von der CIA hergestellte exakte Kopie als unbemannte Drohne den Kurs der Passagiermaschine kreuzen. Während das Flugzeug mit den Studenten in Florida gelandet wäre, sollte die Drohne weiter in Richtung Kuba fliegen und nach einem angeblichen Angriff durch ein kubanisches Kampfflugzeug ein Notsignal absetzen.

Präsident John F. Kennedy widersetzte sich den «Northwoods»-Plänen und verhinderte damit – schon sechs Monate vor der Eskalation der Kuba-Krise – eine erste drohende Katastrophe.

Verschwörungstheorien

Die irren Pläne der damaligen Militärs wurden erst 1998 durch den «Freedom of Informations Act» deklassifizert und sind heute online im National Security Archive der Universität Washington, Link öffnet in einem neuen Fenster abrufbar. Sie dienen Verschwörungstheoretikern als Beweis dafür, wozu die USA – zumindest theoretisch – imstande sind.

Welche Pläne CIA und Pentagon der heutigen amerikanischen Regierung vorlegen, und wie diese darauf reagiert, wissen wir derzeit noch nicht.

Mythos JFK

JFK bei einer Rede.
Legende: Keystone

4 Kommentare

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  • Kommentar von Oliver Schmid (Oliver Schmid)
    Wenn man sieht, was der CIA früher schon für gefährlich abstruse Ideen hatte, wundert einem nicht mehr viel. Die ganze CIA Propaganda-Maschine versucht auch heute noch, die Russen überall als die grössten Feinde des Westens hinzustellen. Wenn Trump den CIA verkleinern und besser kontrollieren will und kurz darauf angeblich belastende Nachrichten zu Trum/Putin auftauchen, kann man sich einiges denken. Egal ob Trump ein fähiger Präs. ist oder nicht. Vielleicht kommt das dem CIA gerade recht.
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  • Kommentar von Hans Pen.den (HansPen.den)
    Durch genau solche Papiere lässt sich das Denken und auch das Handeln der Grossmacht USA in der Vergangenheit sehr genau studieren. Ist ja nicht das einzige, Papiere zum Sturz in Iran 1953, Unterstützung von Saddam Hussein in den 90er Jahren, Aufbau Al-Qaida im Kampf gegen die Sowjets und und und. Und da darf doch einfach die Frage erlaubt sein, warum sollte das heute anders sein? Warum wird man kollektiv als Spinner dargestellt, wenn man genau solche Fragen stellt?
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  • Kommentar von Luca Bachofner (Ama et fac quod vis!)
    Ich kann durchaus verstehen, man wollte verhindern mit Atombomben bombardiert zu werden, von Kuba aus hätten die Raketen nur 5 min gebraucht, zu kurz für eine Gegenreaktion! Aber Sowas ist natürlich mehr als nur kontraproduktiv, da hätte es wohl einen Weltkrieg gegeben. Die spätere Lösung auf die man sich in den USA geeinigt hatte war die einzige vernünftige.
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