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Intergenerationelles Gespräch zu Homosexualität und Kirche
Aus Perspektiven vom 10.04.2021.
abspielen. Laufzeit 26:37 Minuten.
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Kirche und Homosexualität Bei gleichgeschlechtlicher Liebe stellt sich der Vatikan quer

Für die einen ist es selbstverständlich, für die anderen Sünde: Gläubig sein und in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben. Zwei Betroffene erzählen von Homophobie und Aufbrüchen, die sie in ihren Kirchen erleben.

Jüngst sorgte ein Papier aus Rom für heftige Kritik: Die Glaubenskongregation betonte darin, dass gleichgeschlechtliche Paare weiterhin nicht gesegnet werden dürfen.

Erst letzten Herbst wollte Papst Franziskus die Rechte Homosexueller stärken. Im Film «Francesco» sagte er etwa: «Homosexuelle sind Kinder Gottes und haben das Recht auf eine Familie». Oder er forderte für Länder, die das noch nicht kennen, ein Gesetz für die zivile Partnerschaft
Homosexueller.

«Das finde ich himmelschreiend»

Von einer «Ehe für alle» oder vom Segen für Homosexuelle will Papst Franziskus aber nichts wissen. Das erwähnte Papier hat auch er unterschrieben. «Das finde ich himmelschreiend», sagt Pierre Stutz. Der erfolgreiche Autor spiritueller Bücher hat sich 2002 als schwul geoutet und sein Priesteramt niedergelegt. Heute lebt er mit seinem Mann in Deutschland. «Dass eine Glaubensgemeinschaft zu wissen meint, was Gott will und was nicht, finde ich eine Anmassung», sagt der 68-Jährige.

Das Schreiben markiere einmal mehr die Diskrepanz zwischen der offiziellen Lehrmeinung aus Rom und dem, was Menschen an der Basis oder Theologieprofessorinnen denken würden. Selbst Ordensleute und Priester haben sich in den letzten Wochen solidarisch gezeigt: «Dafür bin ich sehr dankbar», sagt Pierre Stutz und ergänzt: «Seit meinem Outing habe ich schon vieles erlebt, aber die aktuelle Welle der Empörung ist unglaublich gross und gibt mir neue Kraft.»

Uneinigkeit in der Kirche

Nicht nur für die römisch-katholische Kirche ist das Thema Homosexualität ein heisses Eisen. Auch östliche Kirchen wie etwa in Russland haben Mühe mit Homosexuellen oder trans Personen. Bei der methodistischen Kirche ringt man seit Jahren um Einigkeit, weil mit queeren Menschen unterschiedlich umgegangen wird. Manche befürchten gar eine Kirchenspaltung.

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Homosexualität spaltet Methodisten
16:07 min, aus Blickpunkt Religion vom 31.03.2019.
abspielen. Laufzeit 16:07 Minuten.

Kirchenvertreter argumentieren immer wieder mit der Bibel gegen Homosexualität. Das stört Pierre Stutz: «Die wenigen Bibelstellen gehen davon aus, dass alle Menschen heterosexuell sind und einige böswillig durch homosexuelle Akte gedemütigt werden sollen.» So ginge es eher um Gewalt und nicht um Liebe: «Es geht nicht um die spielerische Schöpfungskraft Gottes, die selbst Theologieprofessorinnen oder Theologen anerkennen und die Humanwissenschaften unter Homosexualität verstehen.»

Outing in der Freikirche

Dass mit der Bibel argumentiert wird, findet auch Priscilla Schwendimann unverhältnismässig: «Es sind bloss drei Bibelstellen im Vergleich zu 31‘000 anderen, die das Thema aufgreifen», gibt die reformierte Pfarrerin zu bedenken.

Sie lebt selbst seit rund neun Jahren mit einer Frau zusammen. Während ihrem Outing lebte sie noch in einem freikirchlich geprägten Umfeld. «Meine Frau und ich erlebten damals sehr viel Ablehnung», erinnert sie sich und fügt an: «Grundsätzlich ist das Thema nach wie vor bei Freikirchen sehr negativ konnotiert.»

Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) unterstützte etwa das Referendum gegen die «Ehe für alle». Der christliche Interessensverband, mehrheitlich bestehend aus evangelischen Freikirchen, stösst sich insbesondere an der Samenspende für lesbische Paare. Ein Kind brauche Vater und Mutter, schrieb die SEA.

Diskriminierung ist menschengemacht

Für Priscilla Schwendimann steht die Würde des Menschen im Zentrum: «Wenn wir tatsächlich in Gottes Ebenbild gemacht sind, hat jeder Mensch dieselbe Würde von Gott zugesprochen bekommen. Warum sollten manche mehr von dieser Würde haben und andere weniger? Das verstehe ich nicht.»

Die 28-Jährige möchte eine Vermittlerin zwischen den Lagern sein. Sie wolle in der konkreten Begegnung mehr Verständnis schaffen, die zunehmend verhärteten Fronten verändern. So hat sie etwa einen Antrag gestellt bei der reformierten Kirche der Stadt Zürich: Es soll eine LGBT-Pfarrstelle geschaffen werden.

Die Stelle wurde letzte Woche gesprochen. «Ich freue mich enorm, dass die reformierte Kirche Zürich damit auch das Bedürfnis und die Menschen dahinter anerkennt», hält Priscilla Schwendimann fest.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Perspektiven, 11.04.2021, 08:30 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Offensichtlich allerdings nicht, wenn es um sexuellen Missbrauch - zu vieler - "Brüder" der kathol. Kirchengemeinschaft mit Kindern, Jugendlichen geht - etwa "im Namen...., oder unter dem Deckmantel des Vatikan's, irgendwelcher Kloster-Gemeinschaften....."!??
    Und zu feige, solche Kriminelle ehrlicherweise anzuzeigen!!
    Wer "glaubt" an solche Kirchengemeinschaften, Klosterbrüder, den Vatikan....also an all das, was diese/solche "Brüder" predigen??
  • Kommentar von Thomas Trefzer  (ttre)
    Immerhin segnet die Kirche Soldaten, Autos, Strassenabschnitte und Haustiere u.s.w..
    Für mehr reicht's halt nicht.
    ;-)
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Beziehungen brauchen kein männlich und weiblich auch Kinder nicht. Aber Beziehungen wo der Erso mit—spielt brauchen ausnahmslos männlich und weiblich egal ob Homo oder Hetero. Kinder werden einfach universeller sozialisiert wenn sie pluraler aufwachsen. Gelingen kann es in allen Kombinationen. Nur eines fällt auf - politische und religiöse Führer ohne eigene Kinder übersehen so manches. So gravierende Dinge wie das ablesen der Lippen um Sprache zu lernen oder die Animation zu schöner Sexualität.