Kiste mit Köpfchen: Der erste Computer der Welt wird 75

Am 12. Mai 1941 stellte Konrad Zuse in Deutschland den ersten Computer vor. Der Ingenieur hatte die riesige Rechenmaschine mitten im Krieg im Berliner Wohnzimmer seiner Eltern entwickelt – unter strengster Geheimhaltung.

Ein Mann im Anzug steht vor dem Nachbau des von ihm entworfenen Computermodells. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zu seinem 80. baute er sich einen seiner mechanischen Computer nach: Konrad Zuse in seinem Atelier im Jahr 1990. Getty Images

«Ich brauche das Wohnzimmer», sagte der 25-jährige Berliner Ingenieur Konrad Zuse 1935 zu seinen Eltern. Dort begann er zu konstruieren – und legte die Grundlagen für die Computertechnik.

Als Angestellter bei den Berliner Henschel-Flugzeugwerken hatte Zuse «furchtbar viel rechnen» müssen, wie er klagte. Die damaligen Rechenschieber und die Logarithmentafeln hätten ihn genervt: «Der Ingenieur musste immer noch mit seinem Rechenschieber oder mit seinen Rechenmaschinen sehr umfangreiche und schwierige Rechnungen durchführen. Ich suchte nach einer Möglichkeit, das zu automatisieren, wie man heute sagt.»

Sägen und löten

Also wollte Zuse sich und der Welt das Rechnen erleichtern und eine Rechenmaschine konstruieren, die sich programmieren liess. Dafür brauchte er eben das Wohnzimmer seiner Eltern, wo er zusammen mit Studienkollegen jeweils bis in die Nacht hinein studierte, sägte und lötete.

1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, präsentierte der Ingenieur den ersten programmierbaren Rechner Z3, der ein Wohnzimmer praktisch ausfüllte. Der Grossteil der Maschine bestand aus Relais – 2200 Schaltern, die unsere Zahlen im Zehnersystem im Zweiersystem darstellten: an oder aus, Strom oder nicht Strom, 1 oder 0. Diese Schalter hörte man dann klicken, wenn sie arbeiteten.

Original im Krieg zerstört

Programmiert wurde die Zuse Z3 mit einem Lochstreifen. Ein Schnipsel aus einer beliebigen Filmrolle diente als Medium, das die Befehle mit Lochkombinationen in die Maschine übertrug. Das Original der Maschine wurde im Krieg zerstört, ein funktionstüchtiger Nachbau steht aber im Deutschen Museum in München.

Auch wenn jeder Primarschüler diese Rechnung schneller ausgeführt hätte als die wohnzimmergrosse Maschine – die Z3 stellte einen Meilenstein der Technologie dar.

Im Dezember 1995, mitten im Computerzeitalter, starb Konrad Zuse 85-jährig. Kurz zuvor hatte er sich noch – auf dessen Wunsch – mit Windows-Pionier Bill Gates getroffen. Privat hatte Zuse nie einen PC besessen. Heute bietet das einfachste Handy im Hosentaschenformat eine Rechenleistung, die 200 Millionenfach grösser ist als die des Zuse Z3. Und wesentlich leiser.

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