Klassiker, Kitsch und Kleopatra im Finale von «Arabs got Talent»

Im Finale der arabischen Casting-Show «Arabs got Talent» traten syrische Tanzgruppen, algerische Akrobaten und ein palästinensischer Maler auf. Ihnen allen stahl aber eine amerikanische Sängerin aus Massachusetts die Show. Eine, die zwar pefekt arabisch singen, aber kein Wort sprechen kann.

Die Amerikanerin Jennifer Grout bei ihrer Final-Performance in «Arabs got Talent». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Amerikanerin Jennifer Grout bei ihrer Final-Performance in «Arabs got Talent». Keystone

Zwölf Künstlerinnen und Künstler standen dieses Wochenende bei der Talentshow «Arabs got Talent» in Beirut im Finale. Ob Singen, Break-Dance, Comedy, Zauberkunst oder Rap: Im Gegensatz zu den hier bekannten Talent-Shows können bei «Arabs got Talent» Menschen aus allen Richtungen und Ländern mitmachen.

Es kann durchaus mal kitschig werden: Kleopatra im Auftritt der marokanischen Tanz- und Akrobatikgruppe «Cherifian». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es kann durchaus mal kitschig werden: Kleopatra im Auftritt der marokkanischen Tanz- und Akrobatikgruppe Cherifian. MBC 4

Viel «Arab-Kitsch» und traurige Musik

Auch die dreiköpfige Jury stammt aus verschiedenen Ecken des arabischen Raums. Der bekannte ägyptische Schauspieler Ahmed Helmi, seriös im Hemd. Die libanesische Sängerin Najwa Karam, die in ihrem engen Kleid wie ein Christbaum glitzert. Und schliesslich der saudische Komiker Nasser Al Qasabi. Er trägt ein langes Gewand und arabische Kopfbedeckung.

Arabisch angehaucht ist auch der Auftritt der ersten Finalisten. Es ist eine Tanz- und Akrobatikgruppe, Cherifian aus Marokko. Allerdings läuft die wohl eher unter «Arab-Kitsch», denn sogar Kleopatra hat einen Auftritt, und die Tänzer sind als Pharaonen verkleidet. Aber klar, die Jury findet alles «helu» – schön, süss, gut.

Der nächste Finalist ist der Palästinenser Mohammad Eldiri. Er tritt vor einer Fotografie des Felsendoms in Jerusalem auf und malt ein Bild des ehemaligen palästinensischen Präsidenten Yassir Arafat. Das macht er live auf der Bühne und nicht einfach so, sondern er brennt das Bild mit Feuerstäben auf die Leinwand. Dazu traurige arabische Musik. Natürlich ist auch dieser Auftritt: «helu».

Die syrische Tanzgruppe «Sima» gewann die diesjährige Ausgabe von «Arabs got Talent». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sichtlich erfreut: Die syrische Tanzgruppe Sima gewann die diesjährige Ausgabe von «Arabs got Talent». Keystone

Der lange erwartete Auftritt von Jennifer Grout

Eine Prise Patriotismus gehört meist dazu. Die syrische Tanzgruppe Sima erzählt beispielsweise, dass sie nicht vollzählig sei, weil einige Mitglieder wegen des Krieges nicht kommen könnten. In ihrer Performance benutzen sie Stühle und wollen damit den Machtkampf unter den politischen Führern symbolisieren.

Doch neben solchen sozialkritischen Auftritten gibt es auch leichtere Kost. Viele Männer treten oben ohne auf und zeigen ihre Muskeln ohne jegliche Hemmungen.

Das Medien-Highlight

Zum Schluss folgt dann das Medien-Highlight: Die amerikanische Sängerin Jennifer Grout tritt auf. Viel wurde über sie geschrieben vor dem Finale. Denn die Amerikanerin spricht eigentlich kein Wort Arabisch, singt aber arabische Klassiker aus den 30er- und 40er-Jahren. Das interessierte sogar westliche Medien. Eine Westlerin, die arabisch singt, aber nicht spricht, scheint allen zu gefallen. Sie singt diesmal ein Lied von Asmahan, einer ägyptischen Sängern. Alte Klassiker sind in arabischen Talentshows beliebt, weil sie so voller Gefühl sind.

Ein politisch motivierter Gewinner?

Natürlich ist auch Jennifer Grouts Auftritt wieder: «sooo helu». Und die Jury lobt sie als Botschafterin für arabische Musik in der westlichen Welt. Denn sonst würde ja alles vom westlichen Musikkolonialismus dominiert. Nach zwei Stunden ist es aber dann endlich so weit. Das langersehnte Finale. Die arabischsingende Amerikanerin und der feuermalende Palästinenser haben es neben der syrischen Tanzgruppe ins Finale geschafft. Schräge Kandidaten ziehen eben auf der ganzen Welt.

Nach scheinbar ewigen Sekunden des Wartens hat schliesslich die syrische Tanzgruppe Sima gewonnen. Diese Entscheidung war wahrscheinlich weniger eine künstlerische, sondern vielmehr eine politische. Im Unterschied zu unseren Casting-Shows spielt in den arabischen Pendants Politik eben auch eine Rolle.