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Mit Gesprächen den Klimawandel stoppen?
Aus Perspektiven vom 20.06.2020.
abspielen. Laufzeit 29:37 Minuten.
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Konversation und Krise Die Gesprächsklimaretter

Wir alle wüssten, wie wir das Klima schonen könnten – und tun es doch nicht. Die «Klimagespräche» wollen das ändern.

Die Stimmung ist aufgeräumt und fröhlich an diesem Montagabend im Zürcher Industriequartier. Zum ersten Mal seit Wochen treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klimagespräche persönlich, zuvor waren Meetings per Videochat angesagt.

Die Gruppe ist bunt gemischt, von zwei Studentinnen bis zur Seniorin, die Frauen in der Überzahl. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich bei den Klimagesprächen angemeldet, um zu erfahren, wie sie in ihrem Alltag klimafreundlicher leben und mit gutem Beispiel vorangehen können.

Klimagespräche

Die Klimagespräche entstanden vor zehn Jahren in Grossbritannien, erfunden von der Psychotherapeutin Rosemary Randall und dem Ingenieur Andy Brown. Vor drei Jahren wurde die Idee in der Westschweiz von der Organisation «Artisans de la Transition» aufgegriffen – und dieses Jahr werden die Klimagespräche nun zum ersten Mal in der Deutschschweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster angeboten. Organisiert werden sie von den beiden christlichen Hilfswerken Brot für alle und Fastenopfer.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bezahlen 60 Franken, der Rest wird durch Spenden finanziert. Die Gesprächsleitung ist Freiwilligenarbeit. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich in einem zweiten Schritt zu Gesprächsleitern ausbilden lassen.

Selber überrascht über die Vorsätze

An sechs Abenden haben sie Themen besprochen wie Mobilität, Ernährung, Abfall und Wasserverbrauch. Dazu haben sie ein Heft voller Informationen durchgearbeitet und ihr eigenes Verhalten analysiert. Etwa, indem sie in eine Tabelle eintrugen, was sie alles einkaufen und verbrauchen.

Menschen in einer Runde
Legende: Die Klimagespräche leben davon, dass sie geteilt und weiterverbreitet werden. Silvan Hohl

Nun sollen alle drei Vorsätze notieren, was sie in ihrem Leben verändern wollen. Pensionärin Suzi ist selbst ganz überrascht, was sie sich vorgenommen hat: «Bei mir hat’s geschrieben: Einen Tag pro Woche vegan essen. Es hat’s geschrieben, also werde ich’s machen.»

Weniger Fleisch und Milchprodukte essen steht auf vielen Zetteln, dazu weniger Tiefkühlprodukte kaufen, weniger tumblern, weniger googlen, die Elektrogeräte ausschalten, mit dem Vermieter über die Heizung sprechen.

Opfer bringen

Bei vielem, was auf den Post-it-Zetteln steht, wussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schon vorher, dass es klimaschädlich ist. Trotzdem haben sie sich erst jetzt vorgenommen, etwas zu ändern.

Video
Hülsenfrüchte statt Fleisch – Die Zukunft is(s)t pflanzlich
Aus Puls vom 26.08.2019.
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Das sei typisch, sagt Simon Degelo, einer der Gesprächsleiter an diesem Abend: «Wir wissen, was wir tun müssten, aber es fällt uns schwer, das Wissen mit uns selber zu verbinden.»

Die Gespräche in der Gruppe sollen helfen zu reflektieren, weshalb es schwerfällt, das eigene Verhalten anzupassen. «Den eigenen ökologischen Fussabdruck zu verringern ist oft mit Verzicht verbunden. Dieser Verzicht schmerzt», ergänzt Co-Gesprächsleiter Stefan Salzmann. Sich dessen bewusst zu werden, sei der erste Schritt zur Veränderung.

Der Corona-Stillstand als Vorbild

Klimafreundlicher Leben bedeutet auch, Opfer zu bringen: Darüber diskutiert die Gruppe auch an diesem, letzten Abend der Klimagespräche in Zürich.

Der Stillstand des öffentlichen Lebens in den letzten Wochen habe gezeigt, was es heisse, den Energieverbrauch wirklich zu reduzieren, sagt Annina: «Und ich muss Euch ehrlich sagen, ich habe es satt, immer nur auf den Üetliberg zu wandern.» Sie sehne sich nach Ausflügen in die Berge.

Ihre Stelle in Basel aufzugeben, um weniger zu pendeln, dazu sei sie nicht bereit. Ruedi ergänzt, individuelle Opfer seien ja schön und gut, fragt sich aber: «Würden wir nicht besser die Rahmenbedingungen verändern?»

Was bringt der individuelle Einsatz?

Die Gruppe ist damit an einem zentralen Punkt der Klimadebatte angelangt: Was bringen kleine, individuelle Veränderungen im Alltag, wenn die Strukturen gleich bleiben? Können einzelne Menschen etwas bewirken im Klimawandel?

«Unbedingt», finden die Gesprächsleiter. «Solange wir Schweizerinnen und Schweizer dermassen viel Energie verbrauchen, können wir auch individuell Energie sparen», sagt Stefan Salzmann.

Simon Degelo ergänzt: «Veränderungen in der Politik gehen lange. Wir aber können sofort etwas verändern und damit auch zeigen, dass es möglich ist, anders zu leben.»

Den Druck aufrecht erhalten

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klimagespräche ziehen ein positives Fazit. Mit ihren Vorsätzen wollen sie ernst machen.

Sie haben beschlossen, sich einem Jahr wiederzutreffen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen – und den Druck aufrecht zu verhalten, die Vorsätze auch tatsächlich umzusetzen.

Radio SRF 2 Kultur, Perspektiven, 21.6.2020, 8:30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Wer folgende Punkte im Griff hat, ist auf sehr gutem Weg und kann mit dem Feintuning beginnen:
    - Fleischkonsum: nur 1-2x pro Wochen
    - Autofahrten: möglichst wenig. Wenn, dann elektrisch. Akku nicht überdimensioinieren. 150km reichen meist.
    - Flugreisen: max 1x in Europa pro 2 Jahre
    - Wohnen: genügend Wärmedämmung
    - kein Haus bauen, wohnen im MFH: Der Bau von EFH ist energetisch und ökologisch ein reiner Verlust, welcher mit noch so viel Hightech und Wärmedämmung nicht aufgeholt werden kann.
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    1. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      Wer jedoch auch nur einen einzigen dieser genannten Punkte nicht im Griff hat, hat so gut wie keine Chance ökologisch nachhaltig und treibt die Klimaerwärmung mit an.
      Wer sich bereits ein EFH gebaut hat: nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern das beste daraus machen und wenigstens die anderen Punkte in den Griff kriegen. Evtl. einen Teil des Hauses untervermieten, damit sich mehrere Leute das Haus teilen können.
      ps: "EEE" steht für energy & environmental engineering
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    2. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      Nein danke! So leben bringt nichts. Mein ökologischer Fussabdruck gerechnet mit dem WWF-Rechner ist jetzt schon die Hälfte des Schweizer Mittels und ich lebe in einem Einfamilienhaus.
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    3. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      @ jene, die diesen Kommentar ablehnen:
      Niemand behauptet, dass uns dies gefällt. Auch nicht die Umweltschützer. Es sind lediglich die (unbequemen) Fakten. Diese können wir weiterhin ignorieren (darin sind wir ja gut) und unser einziges lebenswertes und erreichbares Ökosystem im Universum weiter zerstören, oder wir stellen uns den Fakten und ändern unser Verhalten - ob es uns gefällt oder nicht.
      Es gibt keinen 2. Planeten, welcher innert nützlicher Frist erreichbar oder gut bewohnbar wird.
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    4. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      @Bossert, der Planet Erde hat existiert lange bevor die Menschheit da war und wird lange weiter existieren nachdem wir gegangen sind. Aber die Menschen werden mit Sicherheit noch einige tausend Jahre da sein, Erwärmung hin oder her.
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    5. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      @Rechsteiner: Was hat denn diese nicht allzu bahnbrechende Erkenntnis für einen Einfluss auf unsere Situation?

      Das wäre wie, wenn Sie argumentieren würden, dass es vor Covid19 bereits viele Seuchen gab und es auch danach wieder Seuchen geben wird. Die Spanische Grippe und die Pest waren viel schlimmer und tödlicher und die Menschheit hat sie auch überlebt. Also warum überhaupt irgendwelche Massnahmen dagegen ergreifen... einige werden es garantiert überleben... Ist das Ihre Haltung?
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    6. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      @Rechsteiner: ..aber ja, wir könnten es auch einfach der Natur überlassen, die Sache selbst zu regeln, was auch funktionieren würde.. Das hätte sehr viele Todesopfer durch Umweltkatastrophen, Hungersnöte, Flüchtlingswellen, Bürgerkriege, etc. zur Folge. Irgendwann sind genug Menschen durch solche Ereignisse gestorben, dass die Population so klein ist, dass sie der Umwelt nicht mehr schadet.
      Klar ist: Die Erde geht nicht unter und der Mensch stirbt nicht aus. Aber dieser Weg wird hart und teuer!
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  • Kommentar von christoph steiger  (christoph steiger)
    Die leute müssen sich bewusst werden, dass die biokapazität lokal wie global in bezug auf eine biologische, naturnahe und nachhaltige versorgung der menschen nicht für 8mrd reicht und auf die schweiz bezogen auch nicht für 8mio +. Die menschheit braucht einen plan für das downsizing. Das modell "dauerwachstum" führt zwangsläufig zur zerstörung unserer ressourcen. Sämtlich umweltprobleme sind in ihrer struktur wachstumsprobleme.
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    1. Antwort von Benjamin Reiter  (Bensch)
      Ich schlage vor "Wachstum" neu zu definieren. In der Qualität unserer Systeme gibts noch viel Spielraum, da können wir unendlich wachsen. Wir machen ja immer Kompromisse, des Goldes(!) wegen. Das technisch-sozial Bestmögliche sollte anzustreben sein. Warum hängen wir noch immer an z.B. Ottomotoren? So eine Technologie, bzw. so ein Unwille zum Wachsen, sollte geächtet werden, nicht als Luxusartikel hochstilisiert werden können. (...) Wir sind erst ganz am Anfang einer intelligenten Wirtschaft.
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    2. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      Die Population der Menschheit zu reduzieren/begrenzen ist auch ein Ansatz. Je weniger Menschen auf dem Planet Erde leben, desto mehr Ressourcen bleibt für den einzelnen. Logisch.
      Aber auch bei der heutigen Lebensweise sind 8Mia deutlich zu viel. Also entweder die Umweltbelastung pro Person runterfahren (siehe mein Kommentar), oder die Population deutlich reduzieren (Ihr Ansatz).
      Für das Ökosystem nachhaltiger wäre vermutlich Ihr Ansatz. Aber ob dies durchsetzbar ist, oder eher Idealismus?
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    3. Antwort von christoph steiger  (christoph steiger)
      @bossert: Das wachstum das wir hingelegt haben ist gewaltig. Das wachstum einer population ist von der verfügbarkeit der ressourcen abhängig. Erst durch die industriellen techniken war es der menscheit möglich sich so gut mit ressourcen (energie, nahrung) zu versorgen, dass sich die bevölkerung global seit beginn der frühindustrialisierung (ca. 1750) von 800mio auf 8000mio verzehnfacht hat. Der versuch die so verursachten probleme wieder mit industriellen techniken zu bewältigen wird scheitern.
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    4. Antwort von Benjamin Reiter  (Bensch)
      @EEE Dem Gold und Glitzer nachzustreben und Ramsch anzuhäufen ist auch eine Form von Idealismus.
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    5. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      @Bensch: "Dem Gold und Glitzer nachzustreben und Ramsch anzuhäufen ist auch eine Form von Idealismus." Da bin ich ganz Ihrer Meinung.
      Jedoch Reichtum, Wohlhaben und Besitz konsequenz zu unterbinden und verhindern nach dem sozialistischen Gedanken "alles gehört allen" ist ebenfalls eine reine Utopie. Siehe DDR.
      Der Kapitalismus hat zwar den Reichtum gebracht, mit welchem sich die Krise bewältigen lässt. Der Sozialismus beutet den Planeten aber auch aus, bleibt jedoch arm.
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    6. Antwort von Benjamin Reiter  (Bensch)
      @EEE Sie unterstellen mir Sozialismus... Was ich sagen will, dass wir auch der Qualität, dem Tiefsinn und der Freude an guter Arbeit nachstreben könnnen! Was wir brauchen ist Ehrlichkeit, Bildung und ein Reflektionsinstrument. Geld ist ein mehrdimensionaler Vektor; nicht nur die Menge ist relevant, sondern auch die Zeiger aus Herkunft, Intention, usw.. Es ist eine Zieländerung, nicht eine Systemänderung per se. Schädliche Faktoren wie Werbung sollten aber ungehend angegangen werden>Ehrlichkeit.
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  • Kommentar von Monika Hug  (Frau Hug)
    Solange die Menschheit über persönlich Empfindlichkeiten und Emotionen debattiert, solange wird sich das System nicht ändern und somit ist auch keine Besserung in Sicht, den Preis zahlen ua. die Tiere, zb die Artenvielfalt die bereits rasant abgenommen hat. Ein echtes Armutszeugnis!
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