Koranunterricht in der katholischen Kirche – eine gute Idee?

Seit einigen Monaten gehen muslimische Jugendliche in der Basler Kirche St. Joseph einmal pro Woche in den Koranunterricht. Möglich machte dies der katholische Pfarrer. Nun stösst seine Gastfreundschaft auf Widerstand innerhalb der Kirche. Der Islam sei «geistig gefährlich», heisst es.

Nahaufnahme: Drei Buben beugen sich über den Koran. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Koranunterricht findet streng getrennt nach Geschlechtern statt. Reuters

Sonntagmittag in der Pfarrei St. Joseph in Kleinbasel. Der Gottesdienst ist zu Ende, eine bunte Gruppe von Menschen strömt aus der Kirche. Es sind Christen aus verschiedenen Kulturen: Schweizer, Philippinos und auffallend viele Eritreer. Diese Mischung ist typisch für ein Quartier mit einem Ausländeranteil von über 50 Prozent – St. Joseph gilt in Basel als Multikulti-Pfarrei.

Separater Unterricht für Mädchen und Buben

Da erstaunt es nicht, dass sich an diesem Sonntag noch eine andere Gruppe hier trifft: Acht Mädchen und ihre Lehrerin sitzen dichtgedrängt in einem winzigen Zimmer. Sie lesen im Koran und sprechen über ihren Glauben – auf Arabisch, Türkisch und Deutsch.

Der Koranunterricht findet streng getrennt nach Geschlechtern statt. Darum sitzen die Buben in einem anderen Raum als die Mädchen. Vor ihnen steht der junge Türke Kökzal Boz. Einmal pro Woche unterrichtet er hier: «Als Moslems müssen wir lernen, was uns der Islam sagen will – das bringen wir auch unseren Kindern bei.»

Keine Angst vor Hasspredigten

Dass der Koranunterricht ausgerechnet in einer katholischen Pfarrei stattfindet, hat Pfarrer Ruedi Beck möglich gemacht. Er ist schon lange mit dem Imam der muslimischen Gemeinde befreundet. Daher bot er sofort Hand, als die Muslime im letzten Herbst Räume suchten für ihren Koranunterricht: «In unserem Land herrscht Religionsfreiheit», sagt er und fügt an: «Darum ist es klar, dass dieser Unterricht irgendwo stattfinden wird; ich denke, je mehr er integriert ist in das öffentliche Leben, desto besser.»

Man werfe den Muslimen häufig vor, sie würden sich in Parallelgesellschaften zurückziehen. Da sei es doch viel besser, wenn der Religionsunterricht in einer katholischen Pfarrei stattfinde, sagt Beck. Er hat keine Angst, dass hier Hass gepredigt wird: «Ich bin so nahe in Kontakt mit der islamischen Gemeinde, dass ich weiss, was unterrichtet wird. Wir treffen uns auch hie und da, unsere Kinder machen einen Besuch in der Moschee, ihre Kinder haben auch schon unsere Kirche besucht, um zu verstehen, wie die je andere Gemeinde betet.»

Verständnis für Ängste

Doch diesen Austausch zwischen Katholiken und Muslimen sehen nicht alle derart entspannt wie Pfarrer Ruedi Beck. Das zeigt sich an einem Treffen der Kirchensynode, dem Parlament der Basler Katholiken. Auf der Traktandenliste steht der Antrag einer anderen Basler Pfarrei – und der fordert: Der Koranunterricht müsse wieder aus der Kirche verbannt werden. Der Islam sei «geistig gefährlich» und seine Verbreitung mit den Kerninhalten des Christentums nicht vereinbar, lautet die Begründung.

Das Kirchenparlament äussert sich nicht näher dazu. Man wolle den Konflikt um den Koranunterricht kirchenintern und nicht über die Öffentlichkeit austragen, heisst es. Stellung nimmt nur der Präsident der kantonalen Kirchenleitung, Christian Griss. Er habe Verständnis dafür, dass der Koranunterricht für Irritationen sorge, sagt er. Eine Mitschuld daran trage auch Pfarrer Ruedi Beck, der nicht genügend informierte – die anderen Katholiken in Basel erfuhren über die Zeitung vom Koranunterricht.

Vorerst kein Entscheid

«Durch die spannungsgeladene Stimmung zwischen Christen und Muslimen weltweit ist das ein ganz sensibles Thema», sagt Christian Griss. Eine Pfarrei müsse darauf reagieren, indem sie Aussenstehenden erkläre, was die Kinder in diesem Religionsunterricht machten.

Klar ist: Die muslimischen Jugendlichen können vorerst weiterhin am Sonntag den Koranunterricht in der Pfarrei St. Joseph besuchen. Das Kirchenparlament trifft erst im Herbst einen definitiven Entscheid.

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