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Blick von oben auf die zerstörte Stadt Aleppo.
Legende: Fotograf Hosam Katan glaubt, dass man das Elend der Menschen in Aleppo zeigen muss. Hosam Katan
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Kriegsbilder aus Syrien «Weinen hilft niemandem»

Fotograf Hosam Katan hat den Krieg in seiner Heimatstadt Aleppo dokumentiert. Er zeigt den Alltag unter Bombenbeschuss.

Eine schmutzige Strasse. Ein Junge kniet am Boden und hält die Hände hinter dem Rücken zusammen. Ein zweiter zielt mit einem selbstgebastelten Gewehr auf seinen Kopf. Bloss ein Stück Holz, eine Schnur – doch die Geste wirkt echt. Kinder in Aleppo, vertieft in ihr Spiel.

Ein Junge kniet auf dem Boden. Ein zweiter Junge hält ihm einen Stock an den Kopf.
Legende: Buben spielen Krieg – eine Wirklichkeit, von der sie tagtäglich umgeben sind. Hosam Katan

«Diese Kinder sehen jeden Tag Soldaten mit Waffen, sie sehen die IS-Kämpfer im Fernsehen und sind davon beeindruckt», erzählt Hosam Katan.

Er hat das Bild der spielenden Buben aufgenommen und in seinem ersten Bildband «Yalla Habibi – Living with War in Aleppo» veröffentlicht. «Für viele Kinder heisst ein Mann zu sein, ein Soldat zu sein. Wir können sie für diese Weltanschauung nicht verurteilen – sie wissen es nicht besser.»

Audio
Alltag unter Bombenbeschuss: Hosam Katan fotografiert seine Heimat Aleppo.
04:54 min, aus Kultur-Aktualität vom 13.08.2018.
abspielen. Laufzeit 04:54 Minuten.

Revolution statt Uni

Der heute 24-jährige Hosam Katan ist in der syrischen Stadt Aleppo geboren. Eine Stadt, die damals noch nach Kardamom und Jasmin duftete. Dann wehte 2011 der Wind des Arabischen Frühlings nach Syrien. Statt die Uni zu besuchen, ging Hosam Katan mit seinen Brüdern auf die Strasse und demonstrierte gegen die Diktatur von Baschar al-Assad. Es folgte Krieg.

Literaturhinweis

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Hosam Katan: «Yalla Habibi – Living with War in Aleppo». KEHRER Verlag Heidelberg. 2017.

«Wir jungen Leute waren unglaublich motiviert», erinnert sich Hosam Katan. Er schnappte sich sein Handy und dokumentierte damit alles, was in seiner Heimatstadt passierte. Seine erste Kamera kaufte er einem Freund ab – kurz darauf wurde dieser getötet. Hosam Katan übernahm dessen Kontakt zur Nachrichtenagentur Reuters. Von da an gingen seine Bilder um die Welt.

Alltag unter Bombenbeschuss

Da ist die Fotografie von Schulkindern, die lachend bunte Luftballons in den Himmel steigen lassen, rund um sie herum Ruinen, zerbombte Häuser. Auf einem anderen Bild füttert ein Krankenwagenfahrer hingebungsvoll ein Rudel streunender Katzen.

Ein Mann steht auf der Strasse und füttert Katzen.
Legende: Ein Krankenwagenfahrer kümmert sich um streunende Katzen. Hosam Katan

Hosam Katan zeigt aber auch die Verzweiflung, das Leid der Menschen, Armut und Tod. «Menschen sterben und ich bin als Fotograf verantwortlich dafür, was ich zeige. Ich kann nicht nur den Alltag zeigen, das Schöne», ist der Syrer überzeugt. Denn: «Krieg bedeutet Tod.»

Ausstellungshinweis

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Vom 28.9.2018 bis zum 31.10.18 sind Bilder Hosam Katans beim «European Month of Photography» in der
 Benhadj & Djilali Galerie in Berlin zu sehen.

Auf manchen Bildern zeigt sich dieser Tod schonungslos und direkt. Auf anderen scheint es, als würde der Tote bald die Augen öffnen. Zum Glück sind da die vielen hoffnungsvollen Bilder. Sie erzählen von den Menschen, die versuchen einen Alltag zu leben, wo kein Tag alltäglich ist.

Ein Mann sitzt inmitten eines Trümmerhaufens und hebt die Hände gen Himmel.
Legende: Inmitten von Trümmern: Alltag leben, wo es keinen Alltag zu geben scheint. Hosam Katan

Dafür bewundert sie Hosam Katan: «Es ist beeindruckend und würdevoll, wie die Menschen dem Krieg begegnen! Nach einem Bombenangriff räumen sie auf und leben weiter ihr Leben.»

Die Macht der Medien

Nachdem Hosam Katan 2015 von einem Heckenschützen getroffen wurde, floh er nach Deutschland. Heute studiert er in Hannover Dokumentarfotografie. Die Erinnerungen an seine Anfänge als Kriegsfotograf wühlen ihn auf. Natürlich hat er geweint. Aber er hat weiter gemacht, denn: «Weinen hilft niemandem.»

Der Fotograf glaubt an die Macht der Medien und dass das Elend der Menschen im Kriegsgebiet dokumentiert und gezeigt werden muss. In der Hoffnung auf Veränderung.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 13.08.2018, 7:20 Uhr.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von M. Berger  (Mila)
    K.S.,zu komplex, um mit 500 Z. Stellung zu nehmen. Ein übler Stellvertreterkrieg! Ja, die US-Admin. und einige westliche Länder haben seit langem versucht im Nahen Osten Einfluss zu nehmen mit Fehlentscheiden, auf Lügen aufgebaut. Verf. Gruppierungen wurden benutzt und unterstützt mit Waffen, Ausbildung etc. Aber auch Saudiarabien, Türkei, Islamisten, etc. machen ihren Einfluss geltend in diesem unseligen Konflikt. Da Syrien eine Mix von div. Gruppierungen ist, wird es so kaum Frieden geben.
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  • Kommentar von kurt trionfini  (kt)
    Ich sehe zwei Möglichkeiten. Die erste: Ich lasse die Bilder wirken und werde still.
    Die zweite: Ich verwerte auch diese Bilder als Steilpass für meine ewig gleichen Schuldzuweisungen.
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    1. Antwort von Matthias Stäubli  (M. Stäubli)
      Schweigen ist gut. Aber, mit Martin Niemöller: "Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."
  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Gestern habe ich, normalerweise schaue ich nicht mehr fern, eine bemerkenswerte relativ unspektakuläre Sendung gesehen: Kulenkampffs Schuhe .... Deutschland, die Nachkriegsjahre, die 50-60er Jahre .... Soweit sind diese Welten nicht voneinander und dennoch haben wir nichts aber grad gar nichts gelernt, so scheint es zumindest...
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