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Aus Sternstunde Religion vom 05.04.2020.
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Kriminalfall Karfreitag Und wenn Jesus nicht am Kreuz starb?

Die Frage nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus begleitet das Christentum schon seit den ersten Jahrhunderten. Was, wenn Jesus nur ohnmächtig war? Weshalb ist die Kreuzigung so zentral fürs Christentum? Ein Faktencheck mit dem Theologen Peter G. Kirchschläger.

Peter G. Kirchschläger

Peter G. Kirchschläger

Theologe und Philosoph

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Peter G. Kirchschläger studierte Theologie und Judaistik in Luzern, Rom und Jerusalem sowie Philosophie in Zürich. Er ist Professor für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik ISE an der Universität Luzern.

SRF: Letztes Jahr wurde wieder über den Tod Jesu spekuliert. Der Historiker Johannes Fried plädierte dafür, dass Jesus die Kreuzigung überlebt hat, Link öffnet in einem neuen Fenster. Ist das plausibel?

Peter G. Kirchschläger: Nein. Denn Johannes Fried versucht wissenschaftlich etwas in Frage zu stellen, was sich heute wissenschaftlich weder beweisen noch widerlegen lässt.

Evangelien dienen der Vermittlung eines Glaubens und dürfen nicht als historische Protokolle von Ereignissen missverstanden werden. Das würde in letzter Konsequenz zu einem Fundamentalismus führen.

Natürlich kann und soll man nach den historischen Tatsachen fragen. Man muss sich aber bewusst sein, dass das Hauptanliegen von biblischen Texten die Bezeugung von Glaubensinhalten ist.

Macht es also keinen Sinn, sich heute über die Todesursache Jesu nochmals Gedanken zu machen?

Doch. Denn Glauben lebt auch vom kritischen Rückfragen und Zweifeln. Ein solcher Impuls kann also dazu dienen, sich wieder vertiefter mit den theologischen Deutungen von Tod und Auferstehung Jesu zu beschäftigen.

Aber dann sollte man auch die nicht-biblischen, historischen Hinweise dafür in Betracht ziehen – etwa den römischen Historiker Tacitus. Dort ist klar zu lesen, dass Jesus hingerichtet wurde.

Die Diskussion um seinen Tod ist ja nicht neu. Welche alternativen Theorien gab es dazu und weshalb wurden sie verworfen?

Menschen haben seit jeher mit dem Skandal gerungen, dass Jesus als Sohn Gottes überhaupt sterben muss – und dann noch einen solch qualvollen, erniedrigenden und schrecklichen Tod.

Bereits im Matthäusevangelium finden wir Hinweise auf damalige Gerüchte, dass der Leichnam Jesu aus dem Grab gestohlen worden ist, um sich der Zumutung des Todes und der Auferstehung Jesu nicht stellen zu müssen.

Sie wurden verworfen, da sie der Versuch verbindet, etwas zu beweisen, was sich als Glaubensüberzeugung Beweisen entzieht.

Was wäre denn verloren, wenn Jesus nicht am Kreuz gestorben wäre?

In letzter Konsequenz wäre diese Art der Menschwerdung Gottes verloren. Denn ohne die dem Kreuzestod folgende Auferstehung könnte die Bedeutung Jesu leichter relativiert werden.

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Wer war Jesus wirklich?
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Es ist allerdings zu sehen, dass die Heilsbedeutung Jesu nicht erst in Tod und Auferstehung beginnt, sondern in seinem gesamten Leben und Wirken, Tod miteingeschlossen, erkennbar ist.

Warum ist dann die Kreuzigung so wichtig?

Das zentrale Element des christlichen Glaubens ist die Bezeugung von Gottes Liebe zu den Menschen ohne jegliche Einschränkung. Das ist Inhalt von Sendung und Wirken Jesu – koste es, was es wolle, angesichts der damaligen Umstände selbst den Einsatz und die Gabe seines Lebens.

Dann wäre der christliche Glaube also hinfällig ohne Kreuzigungstod?

Angesichts der geschichtlich so verlaufenen Biographie Jesu kann man sagen: ja. Aber: Gott hätte auch andere Wege wählen können, um die gute Botschaft von der grenzenlosen Liebe Gottes für die Menschen zu vermitteln.

Dabei weiss sich Jesus getragen davon, dass Gott selbst im Tod noch für ihn da ist, also ihm eine neue Fülle von Leben schenkt. Wir umschreiben dies mit dem Begriff «Auferstehung».

Deshalb sind Christen davon überzeugt, dass Gott so auch an den anderen Menschen handelt. Der christliche Glaube mit Bezug auf Leben, Kreuzigung, Tod und Auferstehung Jesu öffnet Menschen den Horizont für ein Leben über den Tod hinaus.

Das Gespräch führte Olivia Röllin.

SRF 1, Sternstunde Religion, 5.4.2020, 10:00 Uhr;

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Hartmann  (Wolfgang Hartmann)
    Das Problem ist die Deutung der Ergebnisse. Diese werden davon bestimmt welche Weltanschauung jemand hat. Milford H. Wolpoff: The data do no speak for themselves. I have been in rooms wirth data and listened very carefully. They never said a word. Ihre Weltanschauung ist Ihre Sache. Aber weil jemand eine andere Meinung hat, diese auf schlechte kontrollierte Quellen zurückzuführen ist schlechter Stil. Meine Quellen sind Forscher an Universitäten, privaten und öffentlichen Forschungseinrichtungen.
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  • Kommentar von Wolfgang Hartmann  (Wolfgang Hartmann)
    Vermessen sind Sie, statt Argumente Vertröstungen aufs Jenseits, "hoffe...noch zu ihren Lebzeiten..." Also nichts, was Sie vorweisen können. Was schon seit 150 Jahren gemacht wird, wenn die Befunde nicht zur Theorie passen. Auch verwechseln Sie die Ebenen der Betrachtung. Es ist eine Sache, wenn etwas nicht Vorhandenes entsteht und etwas Vorhandenes abgeändert wird. Z. B. wenn ein Maler ein Bild auf einer leeren Leinwand malt und fertigstellt, und evtl. nach Wochen, noch Korrekturen anbringt.
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  • Kommentar von Wolfgang Hartmann  (Wolfgang Hartmann)
    Sie sind einfach nicht up to date. Die letzten 20 Jahre haben eine Unmenge an Daten bezüglich nichtreduzierbare Komplexität gebracht, wenn man sie nicht leugnet. Das Säugetierauge ist ein bestens ausgestaltetes Organ, ohne Mängel, sodass es nun nicht mehr gegen ID verwendet werden kann, wie es viele Biologen taten. Fossilienbelege zeugen regelmässig und immer öfter, dass keine Entwicklung stattgefunden hat, lebende Fossilien sind legendär. Die Genetik, dass Abstammung wohl ein Trugschluss ist.
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    1. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      ich arbeite auf diesem Gebiet. Das heisst ja nicht, dass ich unbedingt recht haben muss. Aber zu sagen, ich sei nicht up-to-date ist vermessen. Das Problem ist, dass sie offenbar Quellen glauben, die nicht kontrolliert werden. Man muss jedes einzelne Experiment auf Herz und Nieren testen, bevor man sich die Resultate auch nur anschaut. Genau das machen wir den ganzen Tag im Labor und in der Natur. Die Resultate sind eindeutig: Natur ensteht ohne Wunder und Götter. (Auge ohne Mängel?? Ihr Ernst?)
    2. Antwort von Wolfgang Hartmann  (Wolfgang Hartmann)
      Auge mit Mängel entsteht, wenn man einzelne Teile für sich betrachtet. Zieht man alle Aspekte hinzu entsteht ein anderes Bild. Die Verteilung von Chromatin im Zellkern ist bei nachtsichtigen Tieren umgekehrt. So ist das Heterochromatin bei den Stäbchenzellen im Zentrum des Zellkerns. Was äusserst sinnvoll ist. Solovei I et al. (2009)Nuclear Architecture of Rod Photoreceptor Cells Adapts to Vision in Mammalian Evolution. Cell 137. Neuhaus/Ullrich, Studium Integrale Journal, 7. Jg. Heft 1, 4/2000